Organspende: Ein Brief an den Gesundheitsminister

Sehr geehrter Herr Bundesminister für Gesundheit Spahn,

der Vorschlag, eine Neuregelung zum Thema Organspende anzustoßen, ist zur begrüßen. Die Toten, die aufgrund mangelnder Spenderorgane sterben, gehen nicht nur auf das Konto der
Organspendeverweigerer, sondern insbesondere auch auf das Konto der aktuellen Regelungen, die sich insofern als erfolglos erwiesen haben. Diese Toten gehen also auf das Konto derjenigen, die die alte Regelung stützen.

Von Seiten der Religiösen wurde jetzt eingewandt, eine Widerspruchslösung verstoße auch gegen das Selbstbestimmungsrecht: Man dürfe nicht gezwungen sein, sich dazu zu äußern.
Wir schlagen daher folgendes vor:

1. Die Bereitschaft zur Organspende wird auf der Krankenkassenkarte gespeichert, damit die Information im Zweifelsfalle sofort verfügbar ist.
2. Vor Ausstellung der Krankenkassenkarte wird jeder Versicherte befragt, ob er Spender sein will oder nicht: Die Frage selbst verletzt keine Rechte. Nur dann, wenn mit „ja“ geantwortet wird, wird die Bereitschaft zur Organspende – ggf. mit den genannten Einschränkungen – auf der Krankenkassenkarte gespeichert. Wird mit „nein“ geantwortet oder keine Antwort abgegeben, so wird die Person nicht als Organspender geführt. Das verletzt nicht mehr die Rechte, als es dies heute tut: Wer also will, der kann seine Organspendebereitschaft auf der Karte festhalten lassen, wer dies nicht will, der lässt es bleiben.
3. Parallel sollte die Möglichkeit der Organspende durch den bisherigen Organspendeausweis erhalten bleiben, damit aus einer auf der Krankenkassenkarte nicht vorhandenen Eintragung nicht geschlossen werden kann, dass die Person kein Organspender ist, so dass eine dadurch verursachte Diskriminierung ausgeschlossen wird.

Ziel ist ein Optimum an Rechtsschutz für die Organspendebedürftigen einerseits und ein Optimum an Freiheit für Spender und Nichtspender andererseits.

Mit freundlichen Grüßen

Von Föderation des Determinismus

Geschenk an Erdogan? Kurdisches Kulturfestival verboten

Bild: TP
Vor dem Besuch Erdogans will man offenbar die gewünschte Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen nicht gefährden

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

In der Türkei werden alle kurdischen kulturellen Feste und Aktivitäten verboten. Aber das ist nicht nur in der Türkei so, sondern nun auch in Deutschland Gang und Gäbe. Auch hier ist kurdische Kultur nicht erwünscht. Am kommenden Wochenende, am 8. September sollte in Dinslaken das 26. Kurdische Kulturfestival stattfinden. Das kurdische Festival sollte im Zeichen der Solidarität mit dem kurdischen Kanton Afrin in Nordsyrien stehen, der von der türkischen Armee und ihren verbündeten dschihadistischen Milizen Anfang dieses Jahres besetzt wurde.

25.000 Besucher wurden erwartet. Seit 26 Jahren gibt es dieses Fest, an dem sich zahlreiche kurdische Kulturvereine alljährlich beteiligen. 93 kurdische, türkische, ezidische, christliche und alevitische Organisationen sind es dieses Jahr, berichtet Dr. Rizgar Qasim, Sprecher der Veranstalter „Afrin-Solidaritätsplattform“.

Nur 3 Wochen vor dem umstrittenen Besuch des türkischen Präsidenten Erdogan am 28./29. September in Deutschland sorgt das Verbot des 26. Internationalen Kurdischen Kulturfestivals am 8. September in Dinslaken für Aufsehen.

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Erfurter Stadtrat gibt grünes Licht für Katholikentag 2024

Themenbild. Bild: gbs Hochschulgruppe Jena
Es hat drei Anläufe gebraucht, nun aber hat der Erfurter Stadtrat sich dafür ausgesprochen, den Katholikentag 2024 in der thüringischen Landeshauptstadt auszurichten. Die Endgültige Entscheidung für den Austragungsort soll im November fallen.

DOMRADIO.DE

Im dritten Anlauf hat der Erfurter Stadtrat einer Austragung des Deutschen Katholikentags 2024 in der Thüringer Landeshauptstadt zugestimmt. Die 36 Stadträte votierten am Mittwochabend mehrheitlich dafür, das Großevent mit bis zu 600.000 Euro zu unterstützen, wenn das Bistum Erfurt es mindestens in gleicher Höhe fördert. Es gab vier Gegenstimmen und sieben Enthaltungen. Keine Zustimmung fand ein Antrag der Grünen für eine Förderung von 300.000 Euro.

Voraussichtlich im November entscheidet das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter endgültig, ob Erfurt den Zuschlag erhält. In der 170-jährigen Geschichte der zumeist alle zwei Jahre stattfindenden Katholikentage wäre die Stadt erstmals Austragungsort.

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Mansour: Kirche sollte konservativen Islam nicht zum Partner machen

„Ich beobachte, dass manche Kirchenvertreter immer wieder eine Politik fahren, bei der Vertreter der konservativen Islamverbände zu Partnern gemacht werden“, sagte Ahmad Mansour dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Berlin. Zu oft suche man das Gespräch mit Moscheegemeinden, die diese Legitimation nicht verdienen. Dadurch würden liberale Kräfte ausgegrenzt.

Elisa Makowski | evangelisch.de

Herr Mansour, Sie kritisieren eine zu große Nähe der evangelischen Kirche zu konservativen Islamverbänden.

Ahmad Mansour: Kirche ist nicht gleich Kirche – die evangelische Kirchengemeinde im Berliner Stadtteil Moabit hat zum Beispiel der liberalen Ibn-Rushd-Goethe-Moschee in Berlin einen Raum zur Verfügung gestellt. Doch zu dem Gottesdienst nach dem Terroranschlag auf dem Breitscheidplatz im Dezember 2016 wurde kein einziger liberaler Muslim eingeladen. Die Veranstaltung hatte eine große Symbolkraft, deswegen wünsche ich mir, dass man auch Partner einlädt, die die Legitimation verdienen, gegen den Terror zu sprechen. Doch stattdessen hat man ganz bewusst konservative Kräfte eingeladen, die alles andere als tolerant sind. Ich beobachte, dass manche Kirchenvertreter immer wieder eine Politik fahren, bei der Vertreter der konservativen Islamverbände zu Partnern gemacht werden. Beide, Verbände und Kirchen, stärken sich gegenseitig, indem sie sich öffentlich zueinander bekennen.

Die evangelische Kirche entgegnet wiederum, dass nur durch das Gespräch Verständigung möglich ist. Ist das eine Strategie, die aufgeht?

Mansour: Absolut nicht. Die Kirche sollte nicht die Rolle übernehmen, Muslime zu Liberalen zu erziehen, das ist eine Art der Bevormundung. Zu oft sucht man das Gespräch mit konservativen Moscheegemeinden, dadurch werden andere Kräfte, liberale, ausgegrenzt. Man muss ganz genau schauen, wer zum Partner gemacht wird. Es gibt mittlerweile ausreichend öffentliche Diskussion über die anti-demokratische Ausrichtung bestimmter Verbände: Ihre Verbindungen ins teilweise undemokratische Ausland, dass teilweise Salafisten ein und aus gehen, dass die Texte im Koran nicht lokalhistorisch gedeutet werden. Die sehr rigide und problematische Geschlechterrollen, die sie vertreten. In dieser Interpretation sind die Muslime immer die Opfer und der Westen oder die Juden sind immer die Täter. Dazu kommt, dass jegliche Kritik am Islamverständnis der Verbände als Rassismus und Intoleranz abgewehrt wird. Die Kirche will nicht zu den Islamophoben gehören, deswegen gibt es diesen Schulterschluss. Es ist noch lange nicht genug, wenn die Verbände sagen: „Wir sind gegen Antisemitismus!“ Wer wirklich gegen Antisemitismus kämpfen will, muss auch die religiösen Aspekte des Problems erkennen und dagegen steuern.

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Krebserkrankung durch Fukushima-GAU: Erster offizieller Todesfall

Der Mann war an dem japanischen Unglücksreaktor im Einsatz, er starb an Lungenkrebs infolge der radioaktiven Strahlung

derStandard.at

In Japan ist erstmals ein Todesfall in Zusammenhang mit der Reaktorkatastrophe von Fukushima und einer davon ausgelösten Krebserkrankung bestätigt worden. Ein früherer Mitarbeiter sei beim Einsatz an dem Unglücksreaktor radioaktiver Strahlung ausgesetzt gewesen und habe dadurch Lungenkrebs entwickelt, berichteten japanische Medien am Donnerstag unter Berufung auf Behördenangaben.

Der Mann sei von März bis Dezember 2011 an der Unglücksstelle im Einsatz gewesen und dort vor allem für Strahlenmessung zuständig gewesen. Nach Angaben der Agentur Jiji hatte die Regierung bereits in vier Fällen Schmerzensgeld für Krebserkrankungen nach der Fukushima-Katastrophe gezahlt. Das sei nun der erste bestätigte Todesfall.

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Größtes Krater-Streufeld der Erde entdeckt

Kraterfeld auf schiefer Ebene: Das neuentdeckte Krater-Streufeld liegt am Hang eines Berges in den Rocky Mountains. © Kenkmann et al./ Scientific Reports, CC-by-sa 4.0
Spannender Fund: In den Rocky Mountains haben Forscher das größte und älteste Krater-Streufeld der Erde entdeckt. Trümmer eines vor rund 280 Millionen Jahren in der Luft zerplatzten Eisenmeteoroids haben dort mindestens 40 nahe beieinander liegende Krater hinterlassen. Das elliptische Einschlags-Areal erstreckt sich über mindestens 7,5 Kilometer Länge, viele weitere Krater des Streufelds könnte noch unter überdeckenden Ablagerungen verborgen liegen, wie die Forscher berichten.

scinexx

 

Ein umfängliches Bild des Missbrauchs in der Kirche

Zwei Anläufe hat es gebraucht, jetzt ist die großangelegte Missbrauchs-Studie im Auftrag der Bischofskonferenz fertig. Am 25. September wird sie vorgestellt und soll Transparenz über diese dunkle Seite der Kirche bringen.

Birgit Wilke | katholisch.de

Eine umfassende quantitative Erhebung, die strengen wissenschaftlichen Standards genügt, können sie nicht liefern. Das stellten die Wissenschaftler gleich zu Beginn des Projekts zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland klar. Kirchliche Personalakten und Strafrechtsakten könnten schließlich nur einen Bruchteil der begangenen Straftaten abbilden. Trotzdem wollten sie „ein möglichst umfängliches Bild“ liefern.

Am 25. September kann jeder selbst beurteilen, ob das gelungen ist. Dann will das Forscherkonsortium bei der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda die Ergebnisse vorstellen. Angesichts der aktuellen Debatten über Missbrauch und Vertuschung in den USA und um das Schweigen des Papstes zu brisanten Vorwürfen findet das Thema besondere Aufmerksamkeit.

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Das dickste Eis der Arktis ist dieses Jahr erstmals gebrochen

Dieses Symbolbild zeigt einjähriges Eis in der Arktis, das durch den Einfluss von Winden aufgebrochen ist. (Bild: Konrad Steffen / WSL / ETH)
Dieses Jahr stiegen die Temperaturen in der Arktis auf ungewöhnliche Werte. Erstmals ist nun vor der Nordküste Grönlands das mehrjährige Meereis an seiner dicksten Stelle gebrochen.

Neue Zürcher Zeitung

Das letzte mehrjährige Meereis der Arktis bröckelt. Ein Riss lief diesen Juli an der Nordküste Grönlands durch das Eis und öffnete sich zu einer breiten Rinne offenen Wassers. Dort, wo eine Luftströmung namens Beaufortwirbel das Meereis zusammendrückt, ist die Eisschicht eigentlich besonders dick: durchschnittlich 4 Meter, an manchen Stellen sogar bis zu 20 Meter – nahezu undurchdringlich für Eisbrecher.

«Seit ich in den 1970er Jahren angefangen habe, Meereis zu erforschen, sehe ich das zum ersten Mal», sagt Konrad Steffen, Direktor der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL).

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