Ein lesbisches Paar und die Prügelstrafe entzweien Malaysia


Der 93-jährige malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad lehnt die körperliche Züchtigung von homosexuellen «Straftätern» ab. (Bild: Mahathir Mohamad via AP)
Die Prügelstrafe für ein lesbisches Paar hat eine heftige Debatte in Malaysia ausgelöst. Prominente Stimme verurteilen die körperliche Züchtigung. Von einer Strafrechtsreform ist das Land aber noch weit entfernt.

Manfred Rist | Neue Zürcher Zeitung

Ein junges lesbisches Paar, das kürzlich im Auto beim Sex erwischt wurde, beschäftigt derzeit nicht nur die Öffentlichkeit in Malaysia. Auch die Regierung des stark durch den Islam geprägten Landes befasst sich jetzt mit dem Fall – seit Donnerstag sogar Premierminister Mahathir Mohamad persönlich. Der Grund: In einem für einen modernen Staat skandalös anmutenden Urteil hat ein Gericht gegen die beiden jungen Frauen Prügelstrafen verhängt. Am vergangenen Montag wurden sie – wie kurz gemeldet – mit sechs Hieben prompt auch vollzogen, allerdings unter Ausschluss von Gaffern.

Ein duales Rechtssystem

Malaysia hat ein duales Rechtssystem, in dem das aus dem Common Law abgeleitete säkulare Recht zum Teil durch islamisches Recht (Scharia) überlagert wird. Letzteres betrifft aber nur die Muslime im Land, also etwa 60 Prozent der Bevölkerung.

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