Die Kirche und ihre Verbrecher: Die Zeit der Ausreden ist vorbei


Caravaggios „Die Falschspieler“ Foto: Wikimedia (CC0)
„Viele Verantwortliche in der Kirche haben nicht nur Jahrzehnte lang weggesehen, sondern wurden auch zu Komplizen der Täter.“

Von Bernhard Müller | CNA

Die größte Verfolgung der Kirche komme nicht von den äußeren Feinden, sondern erwachse aus der Sünde in der Kirche, sagte Papst Benedikt XVI. bei seinem Flug im Mai 2010 nach Fatima mit Blick auf die weltweiten Missbrauchsfälle durch katholische Priester, die nach und nach offenbar wurden und bis heute die Fundamente der Kirche existenziell bedrohen. Diese Verbrechen, und nichts anderes ist ein sexueller Missbrauch, zerstören das Leben tausender Menschen für immer. Viele Verantwortliche in der Kirche haben nicht nur Jahrzehnte lang weggesehen, sondern wurden auch zu Komplizen der Täter.

Erst unter Papst Benedikt XVI. fand ein Umdenken statt. Benedikt ließ über 400 betroffene Geistliche aus dem Priesteramt entfernen und legte in seinem achtjährigen Pontifikat fast 100 Bischöfen den Rücktritt nahe. Diese Linie fährt Papst Franziskus fort, etwa mit dem Paukenschlag, den früheren Erzbischof von Washington, Theodore McCarrick, aus dem Kardinalsstand zu entlassen und ihn unter „Hausarrest“ zu stellen. Sowas gab es zuletzt vor 90 Jahren.

Dennoch bleiben viele Fragen ungeklärt. Wer im amerikanischen Klerus wusste um die Verfehlungen und Verbrechen des Washingtoner Kardinals? Und wie glaubwürdig ist die rhetorisch beschworene Umkehr, wenn man sich daran erinnert, dass gerade der Täter McCarrick in den frühen 2000er Jahren die „Null-Toleranz-Linie“ der US-Bischöfe mit formulierte?

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