Biodiversität: Parallele Evolution bei Buntbarschen


Amphilophus citrinellus, eine der sieben untersuchten Buntbarsch-Arten (Bild: Claudius Kratochwil)
Allein in der Familie der Buntbarsche gibt es halb so viele Arten wie in der Klasse der Säugetiere insgesamt. Biologische Vielfalt ist im Tierreich sehr unterschiedlich verteilt. Aber warum? Dieser Frage geht der Evolutionsbiologe Axel Meyer mit seiner Arbeitsgruppe bei Buntbarschen in mehreren Kraterseen Nicaraguas nach.

Gespräch Lennart Pyritz | Deutschlandfunk Kultur

Lennart Pyritz: Nicht nur das Leben, auch die Forschung selbst hat sich seit den 1980er Jahren weiter entwickelt. Und damit auch die wissenschaftliche Diskussion, inwieweit die Evolution vorhersagbar ist. Inzwischen haben Studien im Freiland und im Labor neue Einblicke in die Fragen eröffnet, die Simon Conway Morris und Stephen Jay Gould einst aufgeworfen haben. Einer, der selbst in der freien Natur dazu forscht, ist der Biologe Axel Meyer von der Universität Konstanz. Ich habe ihn vor der Sendung gesprochen und zuerst gefragt, auf welcher Seite er steht: Simon Conway Morris und funktionale Zwänge, die die Evolution prägen, oder Stephen Jay Gould und der Zufall?

Axel Meyer: Das ist nicht ganz einfach. Ich glaube, dass unsere eigene Forschung eher auf der Seite von Simon Conway Morris ist, aber die bezieht sich auf kürzere evolutionäre Zeiträume von ein paar Millionen Jahren. Aber ich glaube, dass ich von meiner Einschätzung der Situation eher auf der Stephen-Jay-Gould-Seite bin, dass es also viele eingefrorene Zufälle gibt und dass Dinge mal im Kambrium eingefroren sind, und seitdem spielt die Evolution wie ein Bastler damit rum.

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