Schöner denken mit Kant und Hegel


Georg Wilhelm Friedrich Hegel prägt weiterhin die deutsche Philosophie. (Bild: Imago)
Ohne die alten Haudegen geht in der zeitgenössischen Philosophie nicht viel. Das zeigt ein internationaler Kongress in Basel. Doch worin genau besteht die Aktualität der deutschen Meisterdenker?

Urs Hafner | Neue Zürcher Zeitung

Was machen eigentlich die Philosophen? Sie lesen Hegel, Georg Wilhelm Friedrich Hegel (1770–1831). Und Kant, Immanuel Kant (1724–1804). Und Fichte und Schelling. Sie kultivieren ihre Meisterdenker, als ob intellektuell seit zweihundert Jahren nicht mehr viel passiert wäre. Gehen die Philosophen also wie die Theologen vor, die ihre kanonischen Texte sogar seit zweitausend Jahren auslegen? Nein. Die Philosophen verbleiben mit ihren Idolen, selbst wenn sie ihnen schier Übermenschliches zutrauen, im Reich von Vernunft und Wissenschaft, während für die Theologen die Bibel letztlich mehr als Menschenwerk ist, da sie von Göttlichem kündet.

Vor allem aber debattieren die Philosophen kontrovers über ihren Kanon. Ernsthafte junge Männer vorwiegend deutscher Herkunft bringen mit beträchtlichem Scharfsinn und rhetorischer Gewandtheit Argumente vor, prüfen sie, lehnen sie ab oder nehmen sie auf. Aus dem Gedächtnis rezitieren sie Kant- und Hegel-Passagen. Jeder Satz muss sitzen, keine Äusserung ohne Begründung. Der Philosoph kommt zum Punkt, und falls nicht, weisen ihn seine Mitphilosophen freundlich, aber bestimmt darauf hin, worauf er ins Grübeln gerät. Die Philosophen sind sogar imstande, über einen von einem Asiaten in unverständlichem Deutsch abgelesenen Vortrag zu diskutieren, Cassirer herbeiziehend.

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