In Spanien darf man nicht auf „Gott scheißen“


Wahrscheinlich gibt es keinen Gott, sorge dich nicht, erfreu dich an deinem Leben
Der bekannte Schauspieler Willy Toledo wurde festgenommen und musste die Nacht hinter Gittern verbringen

Ralf Streck | TELEPOLIS

Der Schauspieler nimmt selten ein Blatt vor den Mund und bekommt das in seiner Karriere längst in Spanien zu spüren. Da es bekanntlich um die Meinungsfreiheit in Spanien alles andere als gut bestellt ist, wo Sänger und Twitterer zu langen Haftstrafen wegen Beleidigung der Monarchie verurteilt und ins Exil getrieben werden, hat es nun auch Willy Toledo erwischt. Der bekannte Schauspieler wurde festgenommen, weil er auf Facebook die religiösen Gefühle der Christen verletzt haben soll, dafür soll auch er nun abgeurteilt werden, geht es nach dem Willen fundamentalistischer Katholiken.

Über Facebook hatte sich „Guillermo“ Toledo mit drei Feministinnen im andalusischen Sevilla solidarisiert, die vor Gericht gezerrt werden, weil sie satirisch die Oster-Prozessionen, die an Aufmärsche des rassistischen Ku Klux Klan erinnern, satirisch durch den Kakao gezogen haben. Die Anarcofradía del Santísimo Coño Insumiso – in etwa die „Anarchogemeinschaft der Heiligen Ungehorsamen Fotze – hatte statt des Schutzheiligen Sevillas eine riesige Vagina durch die Straßen der südspanischen Region getragen. Die Hauptverhandlung beginnt im März 2019. Der Staatsanwalt beschuldigt sie unter anderem, mit der „Prozession der aufmüpfigen Möse“ die „Dogmen der katholischen Religion lächerlich machen zu wollen“. Die Anzeige stammt wie im Falle Toledos auch von der „Vereinigung Christlicher Anwälte“.

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