Erst die Scheidung, dann die Kündigung?


Die Kirchen einschließlich ihrer Wohlfahrtsverbände beschäftigen in Deutschland mehr als eine Million Menschen.Foto: picture alliance / dpa
Die Caritas hat einen Chefarzt entlassen, weil dessen Lebensführung ihren Prinzipien widerspricht. Gut, dass der Mann sich dagegen wehrt. Ein Kommentar.

Von Jost Müller-Neuhof | DER TAGESSPIEGEL

Wenn sich ein Patient einer Ärztin oder einem Arzt unters Messer legt, ist Glaube wichtig. Der Glaube, dass da einer sein Handwerk versteht. Weniger der rechte Glaube, die richtige Konfession. Anders hat es lange die katholische Kirche in Deutschland gesehen. Wer operiert in einem katholischen Krankenhaus, muss ordentlich katholisch sein. Heirat, Scheidung, Heirat, für viele Normalprogramm im Lebenslauf, sind damit unvereinbar. Bei Katholiken steht auf Hochzeit Lebenslang. Und bei Bruch des Treueversprechens in manchen Anstellungsverhältnissen: Kündigung.

Dem Chefarzt der inneren Medizin einer Düsseldorfer Caritas-Klinik ist zu danken, dass er sich dagegen mit langem Atem zu Wehr setzt. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) hat jetzt geurteilt, dass eine solche Kündigung eine nach EU-Recht verbotene Diskriminierung sein kann. Gerechtfertigt wäre sie nur, wenn der Glaube für die Job-Ausübung eine Rolle spielt. Ärzte sind keine Seelsorger und sie nehmen auch niemandem die Beichte ab. Das Bundesarbeitsgericht (BAG), das über den Fall nun erneut zu befinden hat, wird der Kündigung widersprechen müssen.

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