Wie Pfarrer an der Basis mit dem Missbrauchsskandal umgehen


Der Missbrauchsskandal erschüttert die katholische Kirche. Wie geht es den Priestern, die vor Ort in den Gemeinden arbeiten? Die Institution Kirche müsse sich wandeln und mit der Zeit gehen, sagt der Kölner Pfarrer Franz Meurer im Interview.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Was lösen die Zahlen der Studie in Ihnen aus?

Franz Meurer (Pfarrer in den Kölner Stadtteilen Höhenberg und Vingst): Das Schlimmste ist eigentlich für mich nicht das, was veröffentlicht wird. Das ist natürlich furchtbar und schändlich. Aber wichtiger ist, dass jetzt viele Menschen endlich einmal erzählen, was ihnen passiert ist. Das war niemals irgendwo in einer Akte niedergeschrieben. Was Bischof Genn oder auch Bischof Overbeck sagen, die Kirche müsse auf die Macht verzichten, das ist der entscheidende Faktor. Eines ist ganz klar, der Klerikalismus ist absolut tödlich. Wenn man meint, die Priester seien etwas Besonderes, dann ist die Kirche bald weg vom Fenster.

DOMRADIO.DE: Der Klerikalismus begünstige Missbrauch, so sagte Bischof Genn. Stimmen Sie dem zu?

Meurer: Absolut und leider ja. Der Papst sagt das auch immer. Wenn ich betrachte, was mir bekannt geworden ist, auch von Menschen aus meiner eigenen Familie – dann muss ich sagen, ich habe das nie mitbekommen. Ich persönlich hatte Glück. Der Vikar, den wir hatten, der war unser absolutes Vorbild. Wir wollten immer sonntags in die Christenlehre gehen, weil der so tolle Geschichten erzählt hat. Es war praktisch wie WhatsApp oder irgendwas, was die jungen Leute heute unbedingt haben wollen. Das heißt, die Erfahrungen sind so verschieden. In der Kirche müssen wir endlich anerkennen, dass die Menschen verschieden sind.

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