Missbrauchs-Anschuldigungen auch im Yoga-Milieu


Seit 2010 werden die Vorwürfe sexueller Übergriffe von Leitern religiöser, spiritueller und pädagogischer Gruppen und Organisationen öffentlich intensiv diskutiert. Die Deutsche Bischofskonferenz wird Ende dieses Monats die von ihnen in Auftrag gegebene Studie veröffentlichen, die umfassend über Missbrauchsvorfälle im Raum der katholischen Kirche Auskunft geben soll.

Dr. Michael Utsch | EZW

Wie über die Missbrauchs-Verbrechen hinaus mit einer verbreiteten Vertuschung und Verharmlosung des Missbrauchs durch eine falsche Institutionen-Loyalität durch Kirchenobere umgegangen werden soll, wird intern heftig diskutiert.

Auch in zwei großen buddhistischen Organisationen des Westens, bei Ripa und Shambhala, wird den Leitern des jeweiligen Netzwerkes von langjährigen Schülerinnen und Schülern Gewalt und körperlicher Missbrauch vorgeworfen. Mitte September hat der Dalai Lama in den Niederlanden mit Opfern von sexuellem Missbrauch durch buddhistische Lehrer gesprochen. Der Dalai Lama hat Medienberichten zufolge zugesagt, sexuellen Missbrauch bei einem Treffen mit buddhistischen Lehrern in Indien anzusprechen. Der Dalai Lama genießt hohes Ansehen im Buddhismus, hat allerdings keine formelle Autorität Lehrern gegenüber.

Auch Yoga-Meistern ist übergriffiges Verhalten und Machtmissbrauch immer wieder vorgeworfen geworden, so etwa Swami Muktananda, Maharishi Mahash Yogi oder Sathya Sai Baba. Der Inder Bikram Choudhury, der eine eigenen Yoga-Richtung begründete, in der man sich bei großer Hitze schnell bewegt, wurde 2013 mehrfach der Vergewaltigung bezichtigt und 2016 zu einer Schadenersatzzahlung verurteilt. Gregorian Bivolaru gründete in Rumänien die Yoga-Schule MISA („Movement for Spiritual Integration into the Absolute“). Der heute 66-Jährige wurde 2013 in Rumänien zu sechs Jahren Haft wegen Sex mit einer Minderjährigen verurteilt. 2016 wurde er in Paris festgenommen und nach Rumänien ausgeliefert. Nach Absitzen eines Drittels der Haft wurde er im September 2017 entlassen, kurz darauf verließ er das Land. Ende 2017 erließ Finnland erneut einen Europol-Haftbefehl wegen Menschenhandels und sexuellen Missbrauchs in neun Fällen.

Ein Anhänger und Schüler von MISA, der Rumäne Narcis Tarcau, gründete 2003 auf einer thailändischen Insel die Agama-Yoga-Schule, die er zu einem großen Trainingszentrum ausbaute, das gerne von zahlungskräftigen westlichen Touristen besucht wird. Medienberichten zufolge sollen Tarcau und andere Lehrer der Agama-Yoga-Schule jahrelang Frauen belästigt und missbraucht haben. Im Juli 2018 gingen mehr als 40 Betroffene erstmals an die Öffentlichkeit. Die Schule hat die Vorwürfe bestätigt und mitgeteilt, die beschuldigten Lehrer hätten die Schule bereits verlassen müssen. Die Mitgliedschaft der Agama-Yoga-Schule in der Yoga Alliance, dem größten professionellen Yoga-Verband mit über 80.000 Mitgliedern weltweit, ist Berichten zufolge mittlerweile aufgekündigt worden. Außerdem soll der ethische Verhaltenskodex der Yoga-Alliance überarbeitet werden.

Der aktuelle Bericht einer großen deutschen Wochenzeit beschreibt eindrücklich die hohen Konfliktpotentiale in der Yoga-Szene.