„Wir schaffen das“


Herfried Münkler: Westberliner Demonstranten stehen im November 1989 auf der Berliner Mauer.Bild: zeit.de

 

Warum jedes Land alle paar Jahrzehnte einen neuen Mythos braucht. Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler

 

Lange war Deutschland geteilt – in Königreiche und einzelne Länder oder zuletzt durch eine Mauer. Und doch gibt es etwas, was all die Menschen, die in diesem Land leben, verbindet. Im Magazin ZEIT Geschichte „Was ist deutsch?“ gehen die Autorinnen und Autoren dieser Frage nach. In seinem Interview erklärt der Politikwissenschaftler Herfried Münkler, warum ein Land gemeinsame Mythen braucht, um zusammenzuhalten.

ZEIT Geschichte: Die Bundesregierung taumelt, der Autoindustrie geht der Lack ab, die Nationalelf versagt als Turniermannschaft. Hat sich Deutschland im Sommer 2018 entzaubert?

Herfried Münkler: Die Nationalmannschaft hat sich ja 1998 schon einmal ziemlich blamiert, damals, als die Franzosen im eigenen Land Weltmeister wurden. Und wenn wir die selbst gemachten Probleme der Autoindustrie, insbesondere beim Diesel, abziehen, bleibt eine ungeheuer stabile ökonomische Prosperität. Deutschland geht es gut, selbst die globale Finanzkrise 2008 war bei uns nur als kleine Delle in der Konjunktur zu spüren.

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