Jesus – alternativ in Brandenburg, braun in der Unterwolle


Die AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg gab sich am vergangenen Wochenende die Ehre. Sie war Gastgeber der Tagung „AfD und Amtskirchen – gemeinsam für ein christliches Abendland“, auf der die „Potsdamer Erklärung der Christen in der AfD Nordost“ verabschiedet wurde.
Der Vorsitzende der AfD-Fraktion im Landtag Brandenburg, Andreas Kalbitz, gab dazu folgende Erklärung ab:

„Die Potsdamer Erklärung der Christen in der AfD Nordost ist ein deutliches Zeichen im Sinne eines klaren Bekenntnisses zu unserer abendländischen Identität. Das kulturelle Erbe Brandenburgs, das sich auch in den rund 1800 Kirchen in Brandenburg manifestiert, hat seine Wurzeln im Christentum. Und dieses Erbe gilt es heute mehr denn je zu schützen im Kulturkampf gegen die Islamisierung des Abendlandes, gegen die weitere Islamisierung Deutschlands. Der identitäre Werte-Anker unserer Gesellschaft ist immer noch weitgehend durch unser christlich-jüdisches Erbe geprägt. Das betrifft auch die vielen Menschen, vor allem in Ostdeutschland, die nicht Mitglieder einer der beiden großen Kirchen sind. Gleichzeitig ist die Potsdamer Erklärung als Dialogangebot an die Amtskirchen zu verstehen. Dialoge, auch wenn sie kritisch geführt werden, statt Ausgrenzung, das sollte für Christen selbstverständlich sein.“Andreas Kalbitz

Es ist die alte Mär des Abendlandes, Rechtsextremist Kalbitz fügt dem Märchen des Okzidents noch die für ihn hochwichtige Identität bei. Zur Legitimierung des christlichen Erbes im Bundesland Brandenburg führt er die rund 1.800 Kirchen des Landes als Beleg an. Zunächst sind die Kirchen Gebäude, nicht mehr und nicht weniger, all diese Kirchen teilen sich rd. 25% der Einwohner des Landes, die sich noch zu den christlichen Kirchen bekennen, gottesdienstliches Bekenntnis dürfte im einstelligen Prozentbereich liegen. Die Kirchen als Erbe.

Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht.Albert Schweitzer

Genau auf diesem Level befindet sich Kalbitz mit seiner obskuren Geschichte vom christlichen Abendland. Und weil es so schön ist, die Juden immer ein gutes Alibi hergeben, schließlich will man sich ja nach Auschwitz nicht als Antisemit etikettieren, faselt man vom christlich-jüdischen Abendland.
Die reale Geschichte des Judentums, im Abendland, völlig außer acht lassend. Die Geschichte ist eine Geschichte der Unterdrückung, Diskriminierung, Mord, Pogrome, rassistisch allemal und gipfelte letztlich gut christlich in Auschwitz und im Holocaust. Mit dieser Verquickung von christlicher und jüdischer Geschichte ist die AfD um Kalbitz nicht allein. Gern benutzen Politiker die Mär vom christlich-jüdischen Erbe und lügen sich in die eigenen Taschen. Wir nehmen das Judentum mit ins Boot und stellen uns als die Guten in der Geschichte dar. Philosemiten und ihre Pseudos handeln letztlich rassistisch, wie ihre antisemitischen Gegenspieler.
Man möchte den Gedanken von Kalbitz nicht zu Ende denken, was wird er mit der Anzahl der Garagen, Apotheken und Schulen, im Land Brandenburg, begründen wollen.
Mit der Verwendung des Begriffs vom identitären Werteanker lässt Kalbitz die Katze aus dem Sack, hier können wir erkennen, dass er selbst von seinem rechtsextremen Gedankengut, als Ex-Republikaner versteht er sich in diesem Geschäft, nicht lassen kann.
Die Geschichte des Christentums in Europa ist eine Geschichte von Kriegen, von Gewalt, Tod und Unterdrückung. Christen haben sich immer und zu jeder Zeit getötet, mit den gleichen göttlichen Schlachtrufen, nur in anderen Sprachen.
Die Geschichte und damit das Erbe des christlichen Abendlandes ist nicht als Einheit zu haben, regionale, nationale und kulturelle Unterschiede prägen diese Gewaltorgie.

Und so verkündet Kalbitz den Kulturkampf gegen die Islamisierung des Abendlandes. Kulturkampf. Politiker wie Kalbitz sind bereit für ihren imaginären Freund im Himmel, den gleichen imaginären Freund anderer notfalls mit Gewalt zu bekämpfen. Hatten wir schon alles. Die Ergebnisse sind bekannt, was Extremisten wie Kalbitz nicht daran hindert zu den Fahnen zu rufen, Jesus, eignet sich hervorragend dazu. Wenn die Geisterbeschwörer der Religionen warnen, dass ohne Gott alles möglich sei, so zeigt uns die Geschichte, mit ihm auch.

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