Bodo Ramelow: «Wir müssen die Leute nicht abschieben»


Bodo Ramelow, Bild: FB

Bodo Ramelow, der linke Ministerpräsident von Thüringen, hält nichts von Abschiebungen. Zu gross sei der Bedarf an Arbeitskräften. Ostdeutschland werde bis heute vom Westen arrogant behandelt. Seinen Leuten will er den Stolz zurückgeben.

Benedict Neff | Neue Zürcher Zeitung

Herr Ramelow, Sie sind Anfang 1990 als Gewerkschafter aus dem Westen nach Thüringen gezogen. Welchen Eindruck hatten Sie damals?

Das war eine fremde Welt für mich. Ich erlebte ein Volk, das seinen Staatsapparat gerade zum Teufel gejagt hatte. Danach glaubten alle, sie würden nun zum Westen gehören. Ja, sie selbst seien der Westen. Wenig später kamen neben seriösen Investoren auch zahlreiche westdeutsche Hasardeure, übernahmen die Betriebe und machten viele davon kaputt. Diese wilde Zeit spielt im Langzeitgedächtnis der Leute bis heute eine Rolle. Da fand die Deklassierung Ostdeutschlands statt: Ihr denkt nur die Hälfte, ihr arbeitet nur die Hälfte, ihr kriegt nur die Hälfte.

Westdeutschland wird also immer noch als arrogant empfunden?

Ich würde es anders sagen: Der Westen Deutschlands benimmt sich arrogant.

weiterlesen