Eine Betroffene schildert ihre Erfahrungen mit der Kirche


Bild: © KNA/Harald Oppitz
Sie wurde als Kommunionkind von ihrem Pfarrer missbraucht und hat Jahrzehnte benötigt, bis sie darüber reden konnte: Astrid Mayer spricht nach der Veröffentlichung der DBK-Missbrauchsstudie über ihre Erfahrungen mit der Kirche, die Untersuchungsergebnisse und notwendige Folgen.

Von Gottfried Bohl | katholisch.de

Sie müssten mehr auf die Opfer zugehen und ihnen zuhören – so oder ähnlich haben fast alle Bischöfe auf die Ergebnisse der neuen Missbrauchsstudie reagiert. Also auf Menschen zugehen wie Astrid Mayer. Sie ist als Kommunionkind von ihrem damaligen Pfarrer missbraucht worden und hat Jahrzehnte gebraucht, bis sie darüber reden konnte. Heute engagiert sich die Kommunikationsberaterin unter anderem in Organisationen wie ECA („Ending Clergy Abuse“) und im Betroffenenbeirat des Fonds Sexueller Missbrauch. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen und von den Problemen, die sie gerade in den Gemeinden vor Ort sieht.

Frage: Frau Mayer, Sie haben rund 30 Jahre nach dem Missbrauch beim Bistum Anzeige erstattet. Was haben Sie da erlebt?

Mayer: Nichts Gutes. Ich habe die Missbrauchskommission damals als völlig gefühllos und als reine Täterschutzkommission erlebt. Da hieß es lapidar: Wir haben den aktuellen Pfarrer befragt und den Pfarrgemeinderat und die können sich gar nicht vorstellen, dass da damals was gewesen sein könnte. Und dann hieß es noch, ich hätte ja eine Therapie gemacht und das sei mir dort vielleicht eingeredet worden. Ich sollte doch die Anzeige zurückziehen. Das hat mich völlig umgehauen. Und es gab auch niemanden in der Kommission, der irgendwie psychologisch geschult war und auch nur ein wenig Gespür dafür hatte, was das für mich bedeutet hat in dieser ganz heiklen Situation. Da braucht man Gesprächspartner mit Einfühlungsvermögen und Hilfe – echte Seelsorge eigentlich.

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