Exposom oder die Wolke, die uns umgibt


Genetikprofessor Snyder mit dem Exposom-Gerät. Bild: Paul Sakuma
Erstmals haben Wissenschaftler versucht, die chemische und biologische Hülle um den menschlichen Körper zu messen

Florian Rötzer | TELEPOLIS

Wir bewegen uns mittlerweile in der digitalen Atmosphäre, die sich über den Globus gelegt hat. In ihr hinterlassen wir Spuren und werden fortlaufend durch Erfassung von immer mehr Daten abgebildet. Die Daten, die wir in der digitalen Atmosphäre erzeugen und hinterlassen, sind in permanentem Fluss und stellen weniger einen Schatten dar, der uns als verkörperte Lebewesen begleitet, sondern eine Art Wolke, die verrät, wer wir sind, wo wir uns bewegen, wie wir uns wahrscheinlich verhalten werden.

Der menschliche Körper wird noch von einer anderen, materiellen, aber für uns unsichtbaren Wolke begleitet, in der sich dessen „Ausdünstungen“ mit der Umwelt verbinden und vermischen. Seit einigen Jahren nennen Wissenschaftler diese Wolke in Analogie zum Genom und zum Mikrobiom das „Exposom“, um damit die nicht-genetischen Einflüsse zu erfassen, mit dem menschlichen Genom zusammenspielen.

Zum Exposom gehören Strahlen, Teilchen, chemische Verbindungen und Mikroben, die den Körper umschwärmen. Jetzt sagen Wissenschaftler der Stanford University School of Medicine, sie hätten erstmals mit einem neuen Verfahren das Exposom einiger Menschen gemessen. Es war bereits eine Überraschung, seitdem deutlich wurde, dass der menschliche Körper mit seinen Zellen gegenüber dem Mikrobiom in der Minderheit ist. Es leben weitaus mehr Bakterien, Viren und Pilze mit ihren anderen Genen im und auf dem menschlichen Körper, als dieser eigene Zellen besitzt. Durch die Exposom-Forschung wird ein weiteres Fenster aufgemacht. Die Wissenschaftler nennen es eine „riesige und dynamische Wolke von Mikroorganismen, Chemikalien und Teilchen“.

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