Vom Sieg des Katholizismus und dem Verlust an Menschlichkeit


Katholizismus: Ein graues „memento mori“ ersetzte das bunte „carpe diem“.© pixabay.com / CC0 Public Domain
Im Jahre 385 rollen die Köpfe. Priscillian, Bischof von Faro (Portugal), ein Christ, wenngleich nicht katholischer Art, und weitere sechs Männer seiner Umgebung werden in Trier öffentlich hingerichtet. Ihr Verbrechen: Sie fordern unter Verweis auf die Briefe des Paulus Ehelosigkeit und Verzicht auf Fleisch und Wein, ein Ende der Sklaverei und die Gleichstellung von Frauen. Das ist zu viel. Gerade ist der Katholizismus zur Staatsreligion erhoben worden, gerade wurde die unsterbliche Wahrheit per Dekret verkündet, und immer noch erheben die Schlangen der Häresie ihre Köpfe.

Von Rolf Bergmeier | hpd.de

Das Todesurteil, Enthauptung mit dem Schwert, ist die einsame Entscheidung eines römischen Kaisers, der sich auf ein Gesetz beruft, kaum ein Dutzend Zeilen lang, das das Weltgeschehen neu ordnen wird. Cunctos populos heißt das Gesetz, das den Katholizismus zur alles beherrschenden Religion macht: „Alle Völker, über die wir ein mildes und maßvolles Regiment führen, sollen sich zu der Religion bekehren, die der göttliche Apostel Petrus den Römern überliefert hat. Nur diejenigen, die diesem Gesetz folgen, sollen katholische Christen heißen dürfen; die anderen, die wir für wahrhaft toll und wahnsinnig erklären, haben die Schande ketzerischer Lehre zu tragen.“ Der Erlass wird das Schicksal Europas entscheiden und die größte Landschaftsveränderung seit Beginn des römischen Imperiums einleiten. Er wird tiefgreifende Spaltungen und Zerwürfnisse provozieren, Religionskriege entfesseln, Kreuzzüge heiligen, Kulturen vernichten und Mitteleuropa klerikalisieren, enturbanisieren und feudalisieren. Er ist ein Sieg des Katholizismus und der Verlust an Menschlichkeit.

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