Philosoph Martin Seel: „Wir sind nicht im Besitz der Wahrheit“


Martin Seel ist Professor für Philosophie in Frankfurt am Main. (dpa / picture alliance / Arno Burgi)
Ein Philosoph, der nicht Recht haben will? Für Martin Seel ist ein zwangloses, frei umherschweifendes Denken die Voraussetzung für neue Erkenntnisse. In seinem Buch „Nichtrechthabenwollen“ zeigt er unter anderem, was Philosophie mit Jazz gemein hat.

Martin Seel im Gespräch mit Christian Möller | Deutschlandfunk Kultur

Philosophie kann allzu leicht erstarren, wenn im Streit konkurrierender Theorien und Schulen jeder Recht behalten will, beklagt Martin Seel. Der Frankfurter Publizist und Philosoph bricht eine Lanze für „vagabundierendes Denken“:

„Sich auf Abwege zu begeben, nicht geradeheraus zu operieren, sondern Gedanken zunächst einmal so anzunehmen, wie sie einem nun einmal kommen, das ist eine ganz entscheidende Produktivkraft der Philosophie, und es ist auch ein wichtiges Elixier des Denkens überhaupt.“

Ganz ohne Rechthaben komme man natürlich nicht durchs Leben – und so geht es Seel keineswegs darum, ganz darauf zu verzichten, im Alltag ebenso wenig wie in der Philosophie. Entscheidend aber sei für beide, „nicht aufs Rechthabenmüssen fixiert“ zu sein. Ohnehin bleiben Rechthaben und Nichtrechthaben für Seel eng aufeinander bezogen, wie „siamesische Zwillinge“ könnten beide „nur zusammen gedeihen“.

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