Barley: Kirche muss Akten und Archive öffnen

Bild: © Thomas Köhler / photothek
Bundesjustizministerin Katarina Barley fordert von der katholischen Kirche, alle Akten zum Missbrauch in der Kirche zugänglich zu machen. Zugleich äußerte sie harte Kritik an den deutschen Bistümern.

katholisch.de

Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) pocht nach der Veröffentlichung der Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche in Deutschland darauf, dass alle Unterlagen zu diesem Thema durch die Bistümer offen gelegt werden. „Natürlich erwarte ich von der Kirche, dass sie ihre Akten zugänglich macht“, sagte die Politikerin der Wochenzeitung „Die Zeit“ (Donnerstag).

Zugleich übte Barley harte Kritik an der Vertuschung von Kindesmissbrauch durch die Diözesen. „Akten zu manipulieren, um jemanden vor der Strafverfolgung zu schützen, kann eine strafbare Handlung sein. Das wird in der Regel den Tatbestand der Strafvereitelung erfüllen und kann mit bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe geahndet werden“, betonte die Ministerin. Der Rechtsstaat akzeptiere keine Geheimarchive.

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Fruchtfliegen kontern Klimawandel durch Stoffwechselumstellung

Fruchtfliegen können als Reaktion auf eine heißere Umgebung ihren Stoffwechsel komplett und evolutionär gesehen schnell umstellen. PopGen/Vetmeduni Vienna

Evolutionäre Auswirkungen durch den Klimawandel sind derzeit ein „hot topic“ der Evolutionsforschung. So bewirkt bei der Fruchtfliege eine heißere Umgebung unter anderem eine komplette Umstellung des Stoffwechsels-und das mit Änderungen in ganz wenigen Genen. Forschende der Vetmeduni Vienna zeigten in Genome Biology dass evolutionäre Anpassungsprozesse schon in wenigen Generationen die Anpassung an eine neue, heiße Umwelt bewirkt haben. Dabei setzen sich Varianten zweier Gene durch, die auf einen essentiellen Regulator des Energiehaushalts einwirken. Fruchtfliegen machen sich somit statt mit vielen kleinen Veränderungen mit einer „einflussreichen“ Gen-Minderheit für heißere Zeiten fit.

Mag.rer.nat. Georg Mair Öffentlichkeitsarbeit und Kommunikation
Veterinärmedizinische Universität Wien

Das Wohlbefinden der meisten Tiere und Pflanzen wird stark von der Temperatur beeinflusst. Der derzeitig stattfindende Klimawandel stellt für viele Organismen somit eine große Herausforderung dar. Sie müssen sich an die veränderten Temperaturen anpassen, oder ihr Überleben ist stark gefährdet. Dass diese Anpassung auf genetischer Ebene gesteuert wird, ist seit längerem bekannt. Dass sie jedoch auch sehr schnell, innerhalb weniger Generationen, passieren kann, dagegen nicht. Erst in den letzten Jahren gelang der Nachweis wie rasch sich die die genetische Zusammensetzung von Populationen ändern kann.
Umstritten ist dabei aber, ob nur wenige, einflussreiche oder viele Gene mit geringem Einfluss für diese raschen Veränderungen verantwortlich sind. Forschende vom Institut für Populationsgenetik der Vetmeduni Vienna um Francois Mallard und Christian Schlötterer haben Anpassung an neue Klimaverhältnisse im Labor experimentell getestet: frisch gefangenen Fruchtfliegen wurden einer heißen Umwelt ausgesetzt und die überlebenden Fliegen wurden nach weniger als 60 Generationen untersucht. Dabei gelang der Nachweis, dass der gesamte Stoffwechsel durch wenige Genvarianten umprogrammiert wurde.

Schnelle Anpassungen sind möglich, doch nur bei ausreichender genetischer Diversität

Aufgrund mehrerer, mit Nobelpreisen ausgezeichneter Forschungsleistungen ist die Fruchtfliege der Öffentlichkeit mittlerweile zwar als „Haustier“ der Genforschung bekannt. Ihr Potential in der Umweltforschung ist jedoch erst vor kurzem erkannt worden. Die Kombination von Ökologie und Genetik stellt ein bisher kaum genutztes Potential dar, um Anpassungsprozesse im Kontext der globalen Klimaveränderungen zu verstehen. Der Schlüssel zu einer erfolgreichen Anpassungsstrategie ist ein ausreichender Genpool, in dem die genetischen Varianten für neue Umweltbedingungen auf „Vorrat“ gehalten werden.
Mallard und seine ForschungskollegInnen suchten dabei nach der sprichwörtlichen Nadel im Heuhaufen. Mit einer sogenannten Evolve and Resequence Studie suchten sie aus mehreren Millionen Varianten im Erbgut, diejenigen heraus, die den Fruchtfliegen einen Fitnessvorteil in heißer Umwelt bieten. Die Forschenden führten die Experimente dazu zwar im Labor, „doch der Vergleich unserer Ergebnisse mit natürlichen Populationen aus heißen Gegenden wie etwa Florida zeigte, dass die gleichen Anpassungsmechanismen auch in der freien Natur zur Anwendung kommen“ erklärt der Erstautor.

Simple genetische Basis löst komplexe Umstellung des Stoffwechsels aus

Bei ihren Analysen stellte das Forschungsteam fest, dass die genetische Anpassung sich direkt auf einen essentiellen Regulator des Stoffwechsels, den Enzymkomplex AMPK, auswirkte. Die daraus resultierende Stoffwechselumstellung wurde jedoch nicht, wie hauptsächlich angenommen von vielen Veränderungen mit geringem Einfluss, sondern wenigen einflussreichen Genen ausgelöst. „Nicht nur in Fruchtfliegen spielt der Enzymkomplex AMPK eine zentrale Rolle im Stoffwechsel, in diesem Fall, ob Fett in einer Zelle auf- oder abgebaut wird.Hier sorgt AMPK für die ausreichende Menge an ATP, einem wesentlichen Energieträger der Zelle. Wir waren überrascht, dass zwei der stärksten Anpassungssignale die Gene Sestrin und SNF4Aγ betroffen haben, die beide mit der AMPK interagieren“ so Mallard. „Doch damit erklärt sich, wieso die Fliegen es schaffen sich so schnell an veränderte Klimabedingungen anzupassen. Momentan untersuchen wir, ob die gleichen Prinzipien bei der Anpassung an Sommer und Herbsttemperaturen eine Rolle spielen.“

Effizient und wissenschaftlich erfolgreich auf der Spur der Evolution seit 10 Jahren

Das Institut für Populationsgenetik und das dort beheimatete Doktoratskolleg „Populationsgenetik“ feierte am 7. September 2018 ihr zehnjähriges Jubiläum. Über 120 Publikationen von PhD-Studierenden in renommierten Fachjournalen, drei ERC Preise, ein FWF Starter Preis sowie zahlreiche andere Auszeichnungen dokumentieren eindrucksvoll, dass sich Wien und speziell die Vetmeduni Vienna erfolgreich als international ausgewiesenes Zentrum der Populationsgenetik etabliert hat. Jedes Jahr bewerben sich eine Vielzahl motivierter Doktoranden, die die Kombination aus mathematischer Modellierung, Bioinformatik und experimenteller Genetik anzieht.

Über die Veterinärmedizinische Universität Wien
Die Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna) ist eine der führenden veterinärmedizinischen, akademischen Bildungs- und Forschungsstätten Europas. Ihr Hauptaugenmerk gilt den Forschungsbereichen Tiergesundheit, Lebensmittelsicherheit, Tierhaltung und Tierschutz sowie den biomedizinischen Grundlagen. Die Vetmeduni Vienna beschäftigt 1.300 MitarbeiterInnen und bildet zurzeit 2.300 Studierende aus. Der Campus in Wien Floridsdorf verfügt über fünf Universitätskliniken und zahlreiche Forschungseinrichtungen. Zwei Forschungsinstitute am Wiener Wilhelminenberg sowie ein Lehr- und Forschungsgut in Niederösterreich gehören ebenfalls zur Vetmeduni Vienna. Die Vetmeduni Vienna spielt in der globalen Top-Liga mit: 2018 belegt sie den exzellenten Platz 6 im weltweiten Shanghai-Hochschulranking im Fach „Veterinary Science“. http://www.vetmeduni.ac.at

Aussender:
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MASCOT landete sicher auf dem Asteroiden Ryugu

Bild: DLR

 

DLR

 

Der Asteroid Ryugu hat in 300 Millionen Kilometern Entfernung von der Erde einen neuen Bewohner:  Lander MASCOT wurde am 3. Oktober 2018 auf dem Asteroiden abgesetzt und nahm seine Arbeit auf. Um 3.58 Uhr Mitteleuropäischer Zeit wurde das Landegerät erfolgreich von der japanischen Raumsonde Hayabusa2 getrennt. Damit beginnen für das internationale Team aus Ingenieuren und Wissenschaftler die 16 Stunden, in denen der Lander mit Messungen auf der Asteroidenoberfläche beginnt. Am Tag zuvor hatte sich die Sonde Hayabusa2 der japanischen Raumfahrtagentur auf den Weg in Richtung Ryugu gemacht. In einer Höhe von 51 Metern wurde MASCOT ausgeklinkt und fiel im freien Fall – langsamer als ein irdischer Fußgänger – auf sein Ziel, den Asteroiden, zu. Im MASCOT-Kontrollraum am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) sowie im angrenzenden Wissenschaftlerraum war die Erleichterung über die erfolgreiche Separation und die Bestätigung der Landung deutlich spürbar: „Es hätte nicht besser laufen können“, erklärte MASCOT-Projektmanagerin Dr. Tra-Mi Ho vom DLR-Institut für Raumfahrtsysteme. „Aus den Betriebsdaten des Landers konnten wir erkennen, dass er sich von der Raumsonde trennte und nach rund 20 Minuten auf der Asteroidenoberfläche zur Ruhe kam.“

Bereits der Moment der Separation gehört zu den Risiken während der Mission: Wäre MASCOT nicht wie geplant und oftmals getestet ohne Probleme aus dem Mutterschiff separiert worden, hätte das irdische Team kaum Möglichkeiten gehabt, dieses Problem zu beheben. Doch alles verlief reibunglos: Bereits während des Abstiegs auf den Asteroiden schaltete die Kamera MASCAM ein und nahm 20 Bilder auf, die nun an Bord der japanischen Sonde gespeichert sind. „Die Kamera funktionierte perfekt“, sagt Prof. Ralf Jaumann, DLR-Planetenforscher und wissenschaftlicher Leiter des Kamera-Instruments. „Damit sind dem Team die ersten Bilder der Kamera sicher.“ Auch das Team des Magnetometers konnte in den von MASCOT gesendeten Daten erkennen, dass das Instrument bereits der vor der Separation einschaltete und Messungen durchführte. „Die Messungen zeigen das relativ schwache Feld des Sonnenwindes und die sehr starken magnetischen Störungen durch das Raumfahrzeug“, erläutert Prof. Karl-Heinz Glaßmeier von der Technischen Universität Braunschweig. „Im Moment der Separation erwarteten wir eine deutliche Abnahme des Störfeldes – und diese wir konnten wir auch deutlich erkennen.“

 

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Schriftsteller Daniel Kehlmann blickt als heiterer Skeptiker auf die Gegenwart. Und sagt: «Nicht auf Facebook sein ist kein Abschied von der Zivilisation!»

Mag Netflix-Serien, bleibt aber ein Büchermensch: der Schriftsteller Daniel Kehlmann. (Bild: Beowulf Sheehan)
Bild: Beowulf Sheehan

 

Der Bestseller-Autor Daniel Kehlmann hält die sozialen Netzwerke für ein Übel, Netflix hingegen für grossartig. Und er ist sich sicher: Die Literatur wird alle Anfeindungen überleben, die heutige Verlagsbranche aber wohl eher nicht.

 

Von René Scheunzz

 

Herr Kehlmann, die Apokalyptiker haben unter Intellektuellen Hochkonjunktur, in Europa, aber auch in den USA, Ihrer gegenwärtigen Wahlheimat. Alles soll zu Ende gehen, die Aufklärung, der Kapitalismus, die Demokratie, ja gar die Menschheit. Wie stehen Sie zu den Untergangsszenarien, die auf dem Büchermarkt feilgeboten werden?

Ich bin grundsätzlich kein Apokalyptiker. Und das hat wohl einen biografischen Grund: Ich kam 1975 zur Welt, und als ich die Welt um mich herum bewusst wahrzunehmen begann, wurde erst einmal alles besser, demokratischer und fortschrittlicher. Dieser Dreiklang war damals Konsens, niemand hätte ihn infrage zu stellen gewagt. Die Diktaturen in Osteuropa brachen zusammen, die Sowjetunion verschwand, die Demokratie setzte ihren weltweiten Siegeszug fort. Es herrschte vor 25 Jahren richtig gute Stimmung – und das soll nun, sozusagen über Nacht, plötzlich vorbei sein? All die Kräfte des Fortschritts sind aber noch da. Die Lage ist allerdings komplizierter geworden.

Der damalige Optimismus war geschichtsblind und in vielem naiv, und die neue Apokalyptik dürfte sich eines Tages auch als völlig überzogen herausstellen. Wie wär’s damit: Wir leben nun einmal einfach in einer Welt, die volatiler geworden ist?

Ganz so optimistisch wie Sie bin ich auch wieder nicht. Ich stelle schon an mir selber fest, dass das apokalyptische Gefühl mich manchmal zu überwältigen droht. Aber ich halte eine gebührende Distanz zu mir selbst, darum würde ich den folgenden Satz jederzeit unterschreiben: Wir leben auch heute noch in einer ziemlich guten Welt. Die meisten Krankheiten sind besiegt, und auch im Kampf gegen den Hunger haben wir grosse Fortschritte gemacht. Ich könnte mir, ehrlich gesagt, nicht vorstellen, eine andere Epoche der unseren vorzuziehen.

 

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Australien schafft „Tampon-Steuer“ ab

Menstruationsartikel: Tampons im SupermarktregalBild: Marcos Brindicci/Reuters

 

In Australien haben sich Regierung und Behörden geeinigt, die Zusatzsteuer auf Menstruationsartikel abzuschaffen. Seit Jahren hatte es Proteste gegen die Steuer gegeben.

 

ZEIT ONLINE

 

Australien schafft nach jahrelangen Protesten die sogenannte Tampon-Steuer ab. Die rechtskonservative Regierung von Premierminister Scott Morrison einigte sich mit den regionalen Behörden, die Zusatzsteuer von zehn Prozent auf Frauenhygieneprodukte zum Jahreswechsel 2018/19 nicht mehr zu erheben. Seit sie 2000 eingeführt wurde, hatte es gegen die Steuer immer wieder Proteste gegeben.

Tampons sind in Australien bislang mit der Goods and Services Tax belegt, einer Steuer auf Waren und Dienstleistungen. Die Begründung für die Extrabesteuerung: Tampons seien nicht unbedingt erforderlich. Für Produkte wie Kondome, Sonnenschutz oder auch das Potenzmittel Viagra jedoch gilt die Steuer jetzt schon nicht. Frauenverbände bezeichneten die Regelung immer wieder als sexistisch.

„Die Reform war längst überfällig. Der gesunde Menschenverstand hat sich durchgesetzt“, sagte Australiens Schatzkanzler Josh Frydenberg nach der Einigung. Frauenministerin Kelly O’Dwyer sagte: „Millionen Frauen im ganzen Land werden dankbar dafür sein.“ Ein Versuch, die sogenannte Tampon-Steuer abzuschaffen, war noch vor drei Jahren gescheitert, weil der Staat nicht auf die Einnahmen verzichten wollte. Sie erbrachte zuletzt umgerechnet etwa 20 Millionen Euro pro Jahr.

Auch in Deutschland gibt es Protest gegen die Besteuerung von Tampons und Binden. Denn für die Menstruationsartikel wird hierzulande die volle Mehrwertsteuer fällig, sie zählen als „Luxusgüter“ – so wie Armbanduhren, Autos oder Smartphones.

Donna Strickland: Die erste Physik-Nobelpreisträgerin seit 55 Jahren

Donna StricklandBild: REUTERS/Peter Power

 

Als dritte Frau überhaupt wird Donna Strickland mit dem Physik-Nobelpreis ausgezeichnet. Die entscheidende Arbeit schrieb sie im Alter von 26 Jahren.

 

Von Julia MerlotSPIEGEL ONLINE 

 

Der wichtige Tag liegt lange zurück: Im Dezember 1985 wurde der erste Fachartikel von Donna Strickland im Fachmagazin „Optics Communications“ veröffentlicht. Sie war damals 26 Jahre alt und erforschte für ihre Doktorarbeit hochenergetische Laserpulse. Gerade mal drei Seiten lang war die Arbeit. Doch der Inhalt hatte es in sich.

Mehr als 30 Jahre später, am 2. Oktober 2018, bekommt sie dafür den Nobelpreis für Physik – als dritte Frau überhaupt und als erste seit 55 Jahren.

Zuletzt war Maria Goeppert-Mayer im Jahr 1963 für die Entwicklung des Schalenmodells von Atomkernen ausgezeichnet worden. Noch mal 60 Jahre früher hatte Marie Curie für ihre Erkenntnisse über radioaktive Stoffe die Ehrung erhalten. Strickland teilt sich die Hälfte des Preisgeldes mit ihrem Doktorvater Gérard Mourou aus Frankreich, die andere Hälfte ging an den Amerikaner Arthur Ashkin.

 

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Der Islamismus ist eine lebendige Totgeburt

Demonstranten verwüsten im Sommer 2013 die Zentrale der Muslimbruderschaft in Kairo. (Bild: Khalil Hamra / AP)
Ob er mit friedlichen Mitteln oder Gewalt verfolgt wird, der Traum eines islamischen Kalifats scheitert stets an der Realität. Doch solange es Muslime ohne Perspektiven und Heimat gibt, wird die Utopie weiterleben und neuen Terror gebären.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Im Diesseits führt der Islamismus stets ins Verderben, wie im Übrigen auch jede andere Form der Theokratie. Bestes Beispiel dafür ist die islamische Revolution in Iran. Ihre Anführer hatten nicht nur den Anspruch, ihre rigiden Moralvorstellungen in der Gesellschaft durchzusetzen. Die Islamische Republik, so die Hoffnung, sollte ihren Bürgern auch wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt bringen. Auf diese Weise sollte das iranische Revolutionsmodell in der muslimischen Welt zum Vorbild und zum Exportschlager werden. Daraus ist nichts geworden. Das Regime in Teheran hat die Unterstützung der zunehmend urbanen und gut ausgebildeten Bevölkerung längst verloren, sein Überleben verdankt es weitgehend einem brutalen Überwachungsapparat. Der islamistischen Propaganda stellt sich trotzig ein erstarkender Nationalismus entgegen. Immer weniger Kinder erhalten islamische Namen wie Mohammed oder Ali, dafür immer mehr persische wie Kurosh oder Shirin. Die Islamische Republik wird letztlich nicht an den internationalen Sanktionen, sondern an ihren eigenen Konstruktionsfehlern scheitern.

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