Der Islamismus ist eine lebendige Totgeburt


Demonstranten verwüsten im Sommer 2013 die Zentrale der Muslimbruderschaft in Kairo. (Bild: Khalil Hamra / AP)
Ob er mit friedlichen Mitteln oder Gewalt verfolgt wird, der Traum eines islamischen Kalifats scheitert stets an der Realität. Doch solange es Muslime ohne Perspektiven und Heimat gibt, wird die Utopie weiterleben und neuen Terror gebären.

Christian Weisflog | Neue Zürcher Zeitung

Im Diesseits führt der Islamismus stets ins Verderben, wie im Übrigen auch jede andere Form der Theokratie. Bestes Beispiel dafür ist die islamische Revolution in Iran. Ihre Anführer hatten nicht nur den Anspruch, ihre rigiden Moralvorstellungen in der Gesellschaft durchzusetzen. Die Islamische Republik, so die Hoffnung, sollte ihren Bürgern auch wirtschaftlichen und technologischen Fortschritt bringen. Auf diese Weise sollte das iranische Revolutionsmodell in der muslimischen Welt zum Vorbild und zum Exportschlager werden. Daraus ist nichts geworden. Das Regime in Teheran hat die Unterstützung der zunehmend urbanen und gut ausgebildeten Bevölkerung längst verloren, sein Überleben verdankt es weitgehend einem brutalen Überwachungsapparat. Der islamistischen Propaganda stellt sich trotzig ein erstarkender Nationalismus entgegen. Immer weniger Kinder erhalten islamische Namen wie Mohammed oder Ali, dafür immer mehr persische wie Kurosh oder Shirin. Die Islamische Republik wird letztlich nicht an den internationalen Sanktionen, sondern an ihren eigenen Konstruktionsfehlern scheitern.

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