Islam: Religion ohne Mittelalter

Buchhinweis: Thomas Bauer: Warum es kein islamisches Mittelalter gab. C. H. Beck Verlag, 175 Seiten, 23,60 Euro
Ein „islamisches Mittelalter“ hat es nie gegeben: Das ist die These eines neuen Buchs des deutschen Islamwissenschaftlers und Arabisten Thomas Bauer.

religion.ORF.at

Ganz generell geht es Bauer in „Warum es kein islamisches Mittelalter gab“ um ein Überdenken überkommener Sichtweisen: Er findet schon den Begriff „Mittelalter“ problematisch, ist er doch unter Historikerinnen und Historikern selbst umstritten: Zu willkürlich sei er, weil innerhalb des für gewöhnlich angenommenen zeitlichen Rahmens, zwischen dem 5. und dem 15. Jahrhundert, bestünden einfach viel zu starke Brüche und Unterschiede. Es dürfte sich heute „schwerlich ein Historiker finden lassen, der tatsächlich glaubt, die Zeit von 500 bis 1500 stelle eine eigenständige, relativ einheitliche Epoche dar“, schreibt Bauer.

Karl der Große und die Tang-Zeit

Das ist kompliziert genug – doch vor allem kritisiert der Autor die übliche Praxis, für Europa geltende und (eben auch nur mehr oder weniger gut) passende Periodisierungssysteme wie den Mittelalter-Begriff anderen Kulturen überzustülpen. Oder werde etwa auch von der „tangzeitlichen Karolingerzeit“ gesprochen? „Die Tang-Zeit (Ära der Tang-Kaiserdynastie, 618-907, Anm.), scheint es, ist aus China nicht hinausgekommen“, so Bauer ironisch – mit dem Mittelalter verhalte es sich laut landläufiger Meinung hingegen ganz anders.

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EINE LEGENDE DER LUFTFAHRT: Connie kann nicht mehr

Flügellahm: So ist die Connie der Lufthansa ein trauriger Anblick.
Bild: Ralph M. Pettersen

 

Seit zehn Jahren restauriert die Lufthansa eine 1957 gebaute Starliner. Der Wiederaufbau verschlingt Millionen. Nun scheint das Projekt endgültig gescheitert.

 

Von Jürgen SchellingFAZ

 

Sie ist eine Legende der Luftfahrt: Die Lockheed Starliner L-1649A war Ende der 1950er Jahre das größte und luxuriöseste Modell der Super-Constellation-Baureihe. Die Propellermaschinen wurden wegen ihrer eleganten Form und des ungewöhnlichen Dreifach-Seitenleitwerks als „schönste Flugzeuge der Welt“ bezeichnet. Durch ihre moderne Druckkabine konnte sie schon über dem Wettergeschehen fliegen und so bis zu 100 Passagieren einen für die damalige Zeit ungewohnten Komfort bieten. Vier dieser Maschinen flogen einst für die Lufthansa unter der Bezeichnung „Super Star“. Die Lufthansa restauriert seit zehn Jahren eine 1957 gebaute Starliner. Sie wollte von 2020 an Nostalgieflüge mit dem Oldie anbieten. Das Projekt scheint endgültig gescheitert. Im eigens gebauten Hangar in Auburn im amerikanischen Maine steht die Maschine jetzt ohne Flügel. Weil sie nach Deutschland gebracht werden soll, mussten die Tragflächen abmontiert werden. Experten glauben, die Struktur der Maschine sei dadurch entscheidend geschwächt, sie werde nie mehr flugfähig.

 

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Massive Kritik am Hassreport von Jan Böhmermanns Netzbewegung “Reconquista Internet”

Der Satiriker Jan Böhmermann hat „Reconquista Internet“ ins Leben gerufen. Bild: meedia.de
Der am Montag veröffentlichte „Hassreport“ von Jan Böhmermanns Netzbewegung „Reconquista Internet“ zieht größere Kreise, als es den Machern lieb ist. Die Initiative „Hooligans Gegen Satzbau“ kritisiert das 129 Seiten lange Dokument, indem exemplarisch fünfzig „Schmutz-Tweets“ und Hassnachrichten gelistet sind. In dem Report tauchen unter anderem Name und Adresse eines Tatverdächtigen von Chemnitz auf.

Von Robert Tusch | meedia.de

“Die heutige Aktion von Reconquista Internet verurteilen wir massiv”, schreibt die Netzinitiative “Hooligans Gegen Satzbau” (HoGeSatzbau) auf Facebook. Die Seite mit mehr als 158.000 Fans war als Reaktion auf “Hooligans gegen Salafisten” entstanden und greift mit Satire und Ironie besonders menschenverachtende und nationalistische Aussagen im Netz auf. Zum Report von Böhmermanns Netzaktivisten, der zum Melden von Hassposts aufrief, heißt es weiter: “Es wurden mit einem eigentlich guten Ansinnen in einem Hassreport die Adresse des tatverdächtigen Messerstechers von Chemnitz veröffentlicht, vervielfältigt und verbreitet, was einen Straftatbestand darstellt.”

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Und alle so: Huch, herrje!

© dotpolka, flickr.com, CC BY-NC-ND 2.0
Kirchenvertreter zeigen sich schockiert über den sexuellen Missbrauch, den ihre Kollegen weltweit zigtausendfach begangen haben. Die Wahrheit ist: Diese perfide Form der Unterdrückung ist in Ideologie und Struktur der Kirche bereits angelegt.

Von Klaus Ungerer | hpd.de

Wie um Himmels Willen konnte das passieren? Die nun allseits verlautbarte Betroffenheit ist groß. Kirchliche Vortragskünstler gucken mit traurigen Gesichtern in die Kameras, offensichtlich haben auch sie schwer, schwer zu tragen daran: Tausende von jungen Menschen sind von ihren Kollegen, hauptberuflichen Märchenerzählern einer religiösen Organisation, an Leib und Seele massiv geschädigt worden, aus Geilheit und Machtgenuss, was ja gerade bei Männern oft ineinanderfällt. Ja, sapperlot noch einmal, wie überraschend! Wie unglaublich betroffen machend, nachdem der ganze Saustall das jahrzehntelang gedeckt und die Schuldigen im besten Fall weggelobt hat!

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Deep-Space Radiation Could Damage Astronauts‘ Guts

New work shows how radiation from deep-space travel could harm astronauts‘ guts. Credit: NASA
Deep-space missions, to Mars and beyond, could spell trouble for astronauts, according to new research showing that cosmic radiation can damage the digestive tract, stomach and colon.

By Samantha Mathewson | SPACE.com

Spending weeks or months in space can lead to muscle loss, deterioration in cognitive ability and bone formation, and even vision problems for astronauts. As we prepare to send astronauts deeper into space, researchers are investigating how these even-longer journeys will affect the human body.

„While short trips, like the times astronauts traveled to the moon, may not expose them to this level of damage, the real concern is lasting injury from a long trip, such as a Mars [mission] or other deep-space missions, which would be much longer,“ Kamal Datta, the study’s lead investigator and project leader of the NASA Specialized Center of Research (NSCOR) at Georgetown University Medical Center, said in a statement. [What Does Space Travel Do to Your Gut Microbes? (Video)]

To simulate how galactic cosmic radiation in deep space will affect future astronauts, researchers at Georgetown University Medical Center studied radiation’s impact on the small intestine of mice. Their findings suggest that exposure to a low dose of iron radiation could cause serious gastrointestinal (GI) damage, as well as tumor growth in the stomach and colon, according to the statement.

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Regierungsbildung in Schweden: Schwedendemokraten (fein) raus!

Ulf Kristersson, der Vorsitzende der konservativ-liberalen Partei „Die Moderaten“, wurde mit der Regierungsbildung beauftragt. Bild: News Oresund/CC BY-2.0
Schwedens Regierungsbildung hat begonnen. Gewinner der aktuellen schwierigen politischen Situation könnten die rechtspopulistischen Schwedendemokraten (SD) sein

Jens Mattern | TELEPOLIS

Am vergangenen Dienstag betraute der Reichstagspräsident Andreas Norlén den Vorsitzenden der konservativ-liberalen Partei „Die Moderaten“ (M), Ulf Kristersson, mit der Regierungsbildung. Dieser hat seitdem zwei Wochen Zeit. Doch ein Gelingen scheint fraglich.

Norlén, ebenfalls Mitglied der Partei, wurde am 24. September mit Hilfe der Schwedendemokraten gewählt. Auf der anderen Seite weigerten sich die Moderaten, einen der drei Stellvertreterposten mit dem SD-Kandidaten Björn Söder zu besetzen, obwohl dies der drittstärksten Fraktion nach der politischen Tradition eigentlich zustünde. Zudem ließ Norlén Stefan Löfven als Ministerpräsident sofort formal abwählen, er bleibt jedoch als Chef einer Übergangsregierung weiterhin im Amt. Jetzt zelebrieren sowohl Löfven als auch SD-Chef Jimmie Akesson ihr Beleidigtsein gegenüber Kristersson.

Zur Erinnerung: Bei den Wahlen am 9. September erreichten die Regierungspartei „Sozialdemokraten“ 28,6 Prozent, die konservativ-liberalen „Moderaten“ (M) 19,84 Prozent und die Schwedendemokraten 17,53 Prozent. Somit ist die traditionelle Aufteilung der politischen Landschaft Schwedens in einen sozialdemokratischen und bürgerlichen Block dahin.

In der vergangenen Woche kollidierten dann die beiden bürgerlich-liberalen Parteien „Zentrum“ (C) und „Liberale“ (L) mit den Christdemokraten (K) in der Frage, ob man als Minderheitsregierung eine Unterstützung der Schwedendemokraten akzeptieren soll. Die K-Chefin Edda Busch-Thor, die eine Anti-Migrationspolitik vertritt, hat gegenüber Akesson mittlerweile weit weniger Berührungsängste.

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Marx: Umgang mit Missbrauch „Frage des Überlebens“ für Kirche

Reinhard Marx, Chef der Deutschen Bischofskonferenz,

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, hat im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch strukturelle Veränderungen in der katholischen Kirche gefordert.

evangelisch.de

Es sei überraschend, schockierend und unverständlich, dass beim Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Kirche in der Vergangenheit und teilweise noch heute andere Maßstäbe als in demokratischen Staaten herrschen, sagte er am Freitag bei der Vorstellung eines neuen Masterkurses in Kinderschutz an der päpstlichen Gregoriana-Universität in Rom. Aufarbeitung und Prävention von Missbrauch sei für die Kirche eine „Frage des Überlebens“. Marx mahnte Fortschritte bei der Möglichkeit an, kirchliche Würdenträger zur Verantwortung zu ziehen, wenn sie ihre Pflichten verletzen. Überdies zeigten Berichte über Missbrauchsskandale in der Kirche weltweit, dass diese ihren Umgang mit Sexualität überdenken müsse.

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Asteroideneinschläge: „Die einzigen Naturkatastrophen die wir verhindern können“

Forscher wollen eine Kollision mit einem Asteroiden auslösen und untersuchen. (Bild: ESA – ScienceOffice.org)
Zum Abschluss des Internationalen Raumfahrtkongresses ging es um Asteroiden und wie Forscher die Erde künftig vor katastrophalen Einschlägen schützen wollen.

Von Hans-Arthur Marsiske | heise online

Der Asteroid Ryugu sei kein „freundliches Ziel“, sagt Masaki Fujimoto, Vize-Direktor der japanischen Weltraumagentur JAXA. Als die ersten aus der Nähe aufgenommenen Bilder der Sonde Hayabusa2 auf der Erde eintrafen, seien die Wissenschaftler zunächst besorgt gewesen wegen der großen Zahl von Felsen mit Durchmessern von über acht Meter, die über die Oberfläche verstreut sind. Der größte Brocken sei am Südpol gesichtet worden und etwa 130 Meter groß. Bei einem Durchmesser des gesamten Asteroiden von 950 Metern ist das schon eine beachtliche Ausbuchtung.

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Jüdischer Publizist über geplanten Arbeitskreis „Juden in der AfD“: „Nicht mit den Werten vereinbar“

Bild: bb
Die AfD zeigt sich gern als „judenfreundliche“ Partei und will einen Arbeitskreis für jüdische Parteimitglieder gründen. Doch immer wieder gibt es auch antisemitische Provokationen. Wie passt das zusammen? Und warum gehen Juden in die AfD?

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Verstehen Sie das Phänomen?

Günther Ginzel (Jüdischer Journalist und Publizist, seit Jahrzehnten schreibt er über das jüdische Leben in Deutschland): Nein, das verstehe ich überhaupt nicht. Wir haben vor kurzem noch den Vorsitzenden der Partei gehört, der das Dritte Reich einen Vogelschiss nannte. Wenn man so über eine Geschichte spricht, die 50 Millionen Menschen das Leben gekostet hat, dann geht mir das nicht in den Kopf, wie man überhaupt als normal denkender Mensch sich mit der AfD abgeben kann.

DOMRADIO.DE: Ein Hauptmotiv, den Verein zu gründen, sei der Antisemitismus durch Muslime. Jetzt ist zahlenmäßig aber der muslimische Antisemitismus in Deutschland nicht so groß, wie der von Rechtsradikalen. Wird hier nicht ein Problem geschürt und aufgebauscht?

Ginzel: Es gibt unter Muslimen zweifelsohne Antisemitismus. Sie sind meist schon mit einer antijüdischen Propaganda aufgewachsen. Das ist ein Problem. Das ist auch eine Gefahr. Ich werde mich hüten, das zu minimieren. Aber wenn wir davon sprechen, was jetzt im Moment jüdische Menschen gefährdet, dann sind es deutsche Neonazis, die immer radikaler werden. Sie marschieren etwa völlig offen durch Wuppertal – mit der Parole: „Wer Deutschland liebt, ist Antisemit.“ So weit sind wir gekommen und das waren keine muslimischen Flüchtlinge.

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Neandertaler-Gene schützen vor Viren

Wir Europäer tragen Gene vom Neandertaler in uns. © Thinkstock, AquilaGib/ CC-by-sa 3.0
Schützendes Erbe: Gene des Neandertalers helfen uns bis heute bei der Virenabwehr. Eine Studie zeigt, dass etliche von unseren Steinzeit-Cousins geerbte DNA-Sequenzen mit viralen Krankheitserregern wie Influenza und Hepatitis interagieren. Die Übernahme dieser Gene könnte für unsere Vorfahren einen entscheidenden Selektionsvorteil bedeutet haben: Sie schützten die Neuankömmlinge aus Afrika vor Pathogenen, gegen die ihr Körper noch nicht gewappnet war.

scinexx

Die Neandertaler sind vor rund 40.000 Jahren ausgestorben – doch ein Teil von ihnen lebt in uns weiter: Die Frühmenschen haben im Erbgut moderner Menschen ihre Spuren hinterlassen. Dieses Erbe zeugt davon, dass sich einige unserer Vorfahren nach ihrer Ankunft in Europa und Asien mit ihren dort lebenden Verwandten paarten und Kinder zeugten.

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Dodo Müller: Keine Sanktionen gegen McCarrick bekannt

Gerhard L. Müller links im Bild
Die Vorwürfe von Ex-Nuntius Carlo Maria Vigano wiegen schwer: Als Papst soll Benedikt XVI. Sanktionen gegen Kardinal Theodore McCarrick verhängt haben – wegen Missbrauchsvorwürfen. Franziskus habe diese dann wieder gelockert. Aber stimmt das? Nun äußert sich Kardinal Gerhard Ludwig Müller.

katholisch.de

Als Präfekt der Vatikanischen Glaubenskongregation von 2012 bis 2017 waren Kardinal Gerhard Ludwig Müller nach eigener Aussage keinerlei Sanktionen gegen US-Kardinal Theodore McCarrick (88) bekannt. „In der Kongregation wussten wir, wusste ich nichts von irgendwelchen Maßnahmen gegen ihn“, sagte Müller in einem am Donnerstagabend (Ortszeit) ausgestrahlten Interview des katholischen TV-Senders EWTN in Washington.

„Privat hörte man schon mal, er sei ‚zu liberal‘, aber was heißt das schon“, ergänzte der deutsche Kardinal über McCarrick.

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Biodiversität, Produktivität und Klimaschutz gehen beim Wald Hand in Hand

Märkischer Kiefernwald,Bild: brightsblog(bb)
Artenreiche Wälder nehmen doppelt so viel Kohlenstoff auf wie Monokulturen – dies gilt zumindest für subtropische Wälder in China. Ein Forscherteam mit Zürcher Beteiligung pflanzte für diese Erkenntnis mehr als 150 000 Bäume.

Neue Zürcher Zeitung

Auf der ganzen Welt gibt es Pläne für grosse Wiederaufforstungsprogramme, um Kohlenstoff zu speichern und damit den Klimaschutz voranzutreiben. Allein in China wurden zwischen 2010 und 2014 jedes Jahr 1,5 Millionen Hektaren Wald neu gepflanzt.

Dabei setzten die Verantwortlichen jedoch hauptsächlich auf schnell wachsende Monokulturen. Das war keine gute Idee, wie ein grosses Waldexperiment unter Beteiligung der Universität Zürich zeigt. Bei diesem Experiment wurden in den Jahren 2009 und 2010 über 30 Hektaren Wald in einem Berggebiet westlich von Schanghai gepflanzt. Das entspricht mehr als 150 000 Bäumen.

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