Friedensweg in den Dolomiten: Ende der Raumteilung


Die Büllelejochhütte am wuchtigen Turm des Zwölferkofels. „Croda dei Toni“, der neue Steig, der um das Massiv führt, ist ein Teilstück des Friedensweges. Bild: Daniel Rogger
Hundert Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkriegs entwickelte Giuseppe Monti die Idee eines Friedenswegs durch die Dolomiten – sogar Patronen findet man dort.

Von Florian Sanktjohanser | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es ist früher Nachmittag während der Woche, beste Partyzeit auf der Carduccihütte. An einem langen Tisch in der Stube sitzen die Angestellten und ein paar Gäste zusammen, es wird gelacht und Wein getrunken. Die Tür geht auf, der Koch trägt einen Kuchen mit einer brennenden Kerze herein und stellt ihn vor den Graubärtigen am Tischende. „Hast du Geburtstag, Beppe?“, ruft ein Gast. „Nein“, antwortet er, „wir feiern den ganzen Sommer.“

Giuseppe Monti, der Wirt dieser abgelegenen Hütte in den Dolomiten, hat allen Grund dazu. Nach Jahren des Planens und Verhandelns wurde gerade mit großem Brimborium sein Herzensprojekt eingeweiht: „Dolomiten ohne Grenzen“ heißt es, eine Kette von zwölf Klettersteigen, 108 Kilometer lang, durch Italien und Österreich. Zur Feier hielt Reinhold Messner eine Rede. „Die Dolomiten sollen jetzt nicht mehr teilen, sondern verbinden“, sagte der legendäre Bergsteiger. Beppe Monti, 69 Jahre alt, formulierte es so: „Wir brauchen keine neuen Grenzen, keinen neuen Nationalismus.“ Wegen solcher Sätze stand der Initiator des neuen Höhenwegs schon auf der Titelseite der italienischen Zeitung „Corriere della Sera“ – 2016, als Österreich gerade den Brenner für Flüchtlinge schloss.

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