Kritik am Vatikan: „Der Stil eines byzantinischen Hofstaats“


Bild: © Jesuiten
„Als hätte man nichts mitbekommen oder verstanden von der Diskussion über Machtmissbrauch.“ Der Jesuiten-Provinzial Johannes Siebner übt scharfe Kritik am Vatikan. Denn der will Ansgar Wucherpfennig nicht mehr an der Spitze der Hochschule Sankt Georgen sehen – weil er sich wertschätzend über Homosexuelle geäußert hat.

Von Agathe Lukassek | katholisch.de

Seit vier Jahren war der Jesuit Ansgar Wucherpfennig Rektor der Theologisch-Philosophischen Hochschule Sankt Georgen. Weil er sich jedoch positiv zur Homosexualität und zur Segnung gleichgeschlechtlicher Paare geäußert hatte, verweigerte ihm die vatikanische Bildungskongregation das „Nihil obstat“ – und damit eine dritte Amtszeit. Wucherpfennigs Chef, Jesuiten-Provinzial Johannes Siebner, kann das nicht nachvollziehen. Im Interview mit katholisch.de stellt er sich hinter seinen Ordensbruder und spricht von einem Machtgestus seitens des Vatikans.

Frage: Pater Siebner, Sie haben, wie auch der Bischof von Limburg Bätzing, der Wiederwahl von Pater Ansgar Wucherpfennig als Rektor zugestimmt, der Vatikan hat ihm die für das Amt notwendige Unbedenklichkeitserklärung nicht erteilt. Mit welcher Begründung?

Siebner: Die Bildungskongregation hat uns im Juni mitgeteilt, dass es Einwände zu Äußerungen gebe, die Pater Wucherpfennig in einem Interview der „Frankfurter Neuen Presse“ im Oktober 2016 gemacht hat. Dies führe dazu, dass das „Nihil obstat“ nicht erteilt werden könne. Die Wahlen hatten bereits im Februar stattgefunden und Anfang März hatte unser Generaloberer um das „Nihil obstat“ gebeten. Als die Mitteilung dann kam, habe ich umgehend reagiert, wie auch Pater Wucherpfennig. Ich habe auch darauf hingewiesen, dass wir nur noch zehn Wochen Zeit haben, bis am 1. Oktober das Semester beginnt.

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