Der Mensch ist das Maß aller Dinge

Aufklärung.
Der engagierte Weil der Städter Ulrich Thumm hat eine ganz besondere Ausstellung in die Keplerstadt getragen.

Von Regine Brinkmann | Leonberger Kreiszeitung

Wie es dazu kam, ist eine ganz private Geschichte, das Thema der Ausstellung ist ein philosophisches und ein gesamtgesellschaftliches: „Humanismus. Geschichte und Gegenwart.“

Urheber der Ausstellung ist der „Humanistische Verband Deutschland“. Dessen Baden-Württembergischem Verband ist der Weiler vor vier Jahren beigetreten. Im Verband organisieren sich konfessionsfreie Menschen mit undogmatischer, aufklärerischer Weltanschauung.

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„Vatikan hält an menschenfeindlicher Sexuallehre fest“

Christian Weisner von der Kirchen-Reformgruppe „Wir sind Kirche“ (dpa/picture alliance/Armin Weigel)
Die Kirchen-Reformgruppe „Wir sind Kirche“ hat die Verweigerung der Unbedenklichkeitsbescheinigung für den Rektor der Jesuitenhochschule Sankt Georgen, Ansgar Wucherpfennig, durch den Vatikan scharf kritisiert.

Dlf24

Die Bescheinigung „Nihil obstat“ ist Voraussetzung für die Ausübung des Rektorenamts. „Wir-sind-Kirche“-Vorstandsmitglied Christian Weisner sagte dem Deutschlandfunk, dass der Vatikan Wucherpfenning die Unbedenklichkeit nicht bescheinige, deute auf die ungebrochene Wirksamkeit der althergebrachten, menschenfeindlichen Sexuallehre im Vatikan hin.

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Das ‚Mission Manifest‘ bedeutet eine Versektung der Kirche“

Bild: © katholisch.de
„Versektet“ und „evangelikal“ – so wäre die Kirche, wenn es nach den Autoren des „Mission Manifests“ geht: Das findet jedenfalls die Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer. Für sie ist das kein Comeback der Kirche, sondern sogar eine Rolle rückwärts.

Von Madeleine Spendier | katholisch.de

Die Sozialethikerin Ursula Nothelle-Wildfeuer hat gemeinsam mit dem Fundamentaltheologen Magnus Striet ein Buch mit dem Titel „Einfach nur Jesus? Eine Kritik am ‚Mission Manifest'“ herausgegeben. Es ist eine Reaktion auf das Buch von Johannes Hartl, der das Gebetshaus in Augsburg gegründet hat. Ihre Kritik an dem Buch ist deutlich. Im Interview erklärt sie, warum.

Frage: Frau Nothelle-Wildfeuer, was ist Ihr Hauptkritikpunkt am „Mission Manifest“?

Nothelle-Wildfeuer: Was mich daran ganz grundsätzlich stört, ist, dass das „Mission Manifest“ die Versektung und Evangelikalisierung der katholischen Kirche bedeutet. Das zugrundeliegende Kirchenverständnis ist deutlich reduziert, denn die Dimension der Diakonia fällt hier völlig weg. Dieser Dienst an Menschen und Gesellschaft ist aber konstitutiv für die Identität von Kirche. Auch die Theologie soll komplett ausgeklammert werden. Der Weg soll „von den Höhen der Theologie zur Einfachheit des Kerygmas“ führen. Es heißt da, dass der Glaube an das Evangelium allein genüge. Das aber ist zu wenig. Wir brauchen die Vernunft, um etwa biblische Inhalte exegetisch richtig einzuordnen. Wir können nicht aus dem Evangelium beliebig auswählen, was uns passt. Die Autoren des Buches haben zehn Thesen entwickelt, die ich höchst problematisch finde. Mein Hauptkritikpunkt bezieht sich auf die Mentalität des „Einfach nur Jesus“, mehr brauche es nicht. Aber unser Glaube ist kein Glaube, bei dem man den Verstand an der Garderobe abgibt. Wir brauchen eine fundierte und kritische Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten, sonst wird er fundamentalistisch. Und es braucht eine Auseinandersetzung mit der Entwicklung in der Gesellschaft, sonst wird es weltfremd.

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Massensterben in der Isar

Flach, flacher, Flaucher: Plötzlich fiel der Pegel der Isar von 69 auf 53 Zentimeter. (Foto: Alessandra Schellnegger)
  • Am Sonntag sind bis zu hunderttausend Fische in der Isar verendet, weil der Flusspegel rapide gefallen war.
  • Mutmaßlich haben die Stadtwerke zu schnell Wasser in den zuvor gereinigten Werkkanal geleitet.
  • In einer Mitteilung heißt es, man sei mit „großer Sorgfalt“ vorgegangen.

Von Thomas Anlauf | Süddeutsche Zeitung

In der Isar sind am Sonntag Tausende Fische verendet, nachdem der Flusspegel innerhalb kürzester Zeit rapide gefallen und Altwasserarme sowie Kiesbänke trocken gefallen waren. Vor allem kleine Fische sowie Jungfische konnten sich nach Angaben der Münchner Isarfischer wegen des rasch sinkenden Wassers nicht mehr aus ihrer Falle südlich des Flauchers befreien und erstickten in kürzester Zeit. Die Stadtwerke München hatten womöglich zu schnell das Wasser in den Werkkanal geleitet, der zuvor wegen Reinigungsarbeiten weitgehend abgelassen worden war, vermuten die Isarfischer. Die Folge: Der Isar fehlte plötzlich reichlich Wasser.

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Zwei berühmte mathematische Vermutungen sorgen für Zündstoff

Der Mathematiker Peter Scholze hat mit einem Kollegen einen möglichen Schwachpunkt in einem Beweis der abc-Vermutung entdeckt. (Bild: Volker Lannert / Universität Bonn)
Immer wieder kommt es vor, dass sich ein mathematischer Beweis als falsch herausstellt. Meist bekommt die Öffentlichkeit davon nichts mit. Doch in den letzten Wochen haben zwei Ereignisse hohe Wellen geworfen.

George Szpiro | Neue Zürcher Zeitung

Die Mathematik liefert selten Schlagzeilen. Doch in den vergangenen Wochen stand sie gleich zweimal im Rampenlicht. Zuerst entzauberten zwei Mathematiker einen vermeintlichen Beweis der sogenannten abc-Vermutung. Kurze Zeit später verkündete ein vielfach geehrter Mathematiker, er habe auf wenigen Seiten die 160 Jahre alte Riemannsche Vermutung bewiesen. Der Spott liess nicht lange auf sich warten.

Bei der abc-Vermutung geht es um Zahlentripel – a, b und c –, die keine Primzahlen gemein haben und für die gilt a+b=c. (Primzahlen sind ganze Zahlen, die nur durch eins und durch sich selber geteilt werden können.) Es wird vermutet, dass das Produkt der Primfaktoren dieser drei Zahlen im Allgemeinen grösser ist als c. Zum Beispiel ist 6+25=31. Die Zahl 6 hat die Primfaktoren 2 und 3, 25 hat den Primfaktor 5, und 31 ist selber prim. Das Produkt der Primfaktoren ist somit 2×3×5×31=930, was grösser ist als 31. (Genauer besagt die Vermutung, dass es bloss endlich viele solche Tripel gibt, deren Primfaktorprodukte, potenziert mit d (d>1), kleiner sind als c.)

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Kristina Hänel steht erneut vor Gericht

Justitia Skulptur (CC-by-nc-sa/3.0 by Luc Viatour)

Im November 2017 wurde die Gießener Ärztin Kristina Hänel zu einer Geldstrafe verurteilt, weil sie auf der Internetseite ihrer Praxis über Schwangerschafts-abbrüche informiert hatte. Am 12. Oktober steht die Berufungsverhandlung an.

evangelisch.de

Auf der Internetseite der Praxis von Kristina Hänel findet sich unter der Rubrik „Spektrum“ noch immer der Hinweis „Schwangerschaftsabbruch“. Patienten können per E-Mail Informationen anfordern. Für das Amtsgericht Gießen handelt es sich dabei um unerlaubte Werbung für Abtreibungen, wie sie durch den Strafrechtsparagrafen 219a verboten ist. Das Gericht verurteilte Händel deshalb zu einer Geldstrafe von 6.000 Euro.

Ärztin hat großen Unterstützerkreis

Seitdem ist viel passiert. Um Hänel hat sich ein großer Unterstützerkreis formiert. Sie ist in zahlreichen Medien präsent, twittert, gibt regelmäßig Interviews, sogar die „New York Times“ hat über sie berichtet. Die Ärztin hat einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel geschrieben. In der Politik ist eine heftige Debatte um den Strafrechtsparagrafen entbrannt.

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Assunta Tammelleo: „Die Staatsregierung kann privat glauben, an was sie will“

Als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) im Frühjahr verkündete, dass ab 1. Juni im Eingangsbereich aller Dienstgebäude in Bayern ein Kreuz hängen muss, war die Aufregung groß. Selbst aus kirchlichen Reihen erntete die bayerische Regierung Kritik. Nun wird der „Kreuz-Erlass“ ein Thema für die Gerichte: Der Bund für Geistesfreiheit (BfG) hat mit mehr als 20 weiteren Personen Klage am Verwaltungsgericht München eingereicht. Im Interview erklärt die Klageinitiatorin und stellvertretende Vorsitzende des BfG München, Assunta Tammelleo, was sie gegen die Kreuze hat.

evangelisch.de

Frau Tammelleo, warum klagt der BfG gegen den Kreuz-Erlass?

Assunta Tammelleo: Wir klagen dagegen, dass der Staat mit dem Anbringen von Kreuzen in öffentlichen Gebäuden sein Neutralitätsgebot verletzt. Es ist komplett unmöglich, dass Kreuze im Eingangsbereich der Landesbehörden hängen: Der Staat ist zu weltanschaulicher und religiöser Neutralität verpflichtet. Wir sehen uns ansonsten in unserer Glaubens-, Gewissens- und Weltanschauungsfreiheit verletzt. Unser Ziel ist es also, dass die Kreuze wieder abgehängt werden müssen.

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Reichsbürger und ihre Waffen – von Baden-Württemberg bis Thüringen

Die Wuppertalter Polizei zeigt Waffen, die sie 2016 bei „Reichsbürgern“ sichergestellt hat. (Foto: Roland Weihrauch/dpa)
  • Die Recherche der Süddeutschen Zeitung zeigt, in welchen Bundesländern wieviele Reichsbürger leben.
  • In den meisten Bundesländern sind unter den bekannten Reichsbürgern auch zahlreiche mit Waffenerlaubnis.
  • In mehreren Fällen wurden die Waffenerlaubnisse von Reichsbürgern allerdings in jüngster Zeit eingezogen.

Von Reiko Pinkert, Ronen Steinke | Süddeutsche Zeitung

Baden-Württemberg

Anzahl Reichsbürger: Ca. 3000 Personen.

Im Besitz einer Waffenerlaubnis: 53 Reichsbürger verfügen über eine waffenrechtliche Erlaubnis (Stand 1.2.2018).

Bislang entwaffnet: 36 Reichsbürgern wurden die waffenrechtliche Erlaubnisse in der Zeit im 1.2.2017 bis 31.1.2018 bestandskräftig entzogen. Dabei wurden 167 erlaubnispflichtige Waffen eingezogen.

Anzahl Reichsbürger aktuell im Besitz von Waffen: 23 Reichsbürger.

Anzahl Waffen aktuell in den Händen von Reichsbürgern: Mindestens 23 Waffen.

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Pädagogen entsetzt über AfD-Meldeplattform gegen Lehrer: Denunzieren per Mausklick?

Hamburg war Vorreiter: Dort hat die AfD eine Meldeplattform gegen Lehrkräfte eingerichtet, die nach Nutzer-Meinung gegen das Neutralitätsgebot verstoßen haben. Nun wollen weitere Bundesländer nachziehen. Lehrer reagieren entsetzt.

DOMRADIO.DE

DOMRADIO.DE: Auf der Seite „Neutrale Schule“, die im September online ging, können Nutzer der Hamburger AfD-Fraktion melden, wenn Lehrkräfte oder Schulpersonal ihrer Meinung nach gegen das Neutralitätsgebot verstoßen haben. Weitere Landtagsfraktionen der AfD wie in Brandenburg, Baden-Württemberg und Sachsen planen laut einem Zeitungsbericht der Funke Mediengruppe ähnliche Portale. Die Fraktionen in Bayern, Bremen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt zögen dies ebenfalls in Erwägung. Was halten Sie von solchen Plattformen?

Roswitha Fischer (Bundesvorsitzende des Vereins katholischer deutscher Lehrerinnen): Der Verein katholischer deutscher Lehrerinnen verurteilt solche Portale grundsätzlich, ganz egal von welcher Seite – ob das jetzt von der AfD ist oder irgendeiner anderen Partei oder Organisation. Dieses Denunzieren über Internetportale ist ein Weg, der für uns absolut nicht gängig ist.

So eine Möglichkeit, Lehrer und Lehrerinnen anzuschwärzen, zerstört das Vertrauen zwischen Schülern und Schülerinnen und Lehrern und Lehrerinnen und macht damit auch eine Erziehung fast nicht möglich.

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Voyager 2 nähert sich dem interstellaren Raum

Voyager 1 hat bereits den interstellaren RAum erreicht, jetzt schickt sich Voyager 2 an, ihr zu folgen. © NASA/JPL-Caltech
Auf dem Weg hinaus: Auch die NASA-Raumsonde Voyager 2 nähert sich nun der Außengrenze unseres Sonnensystems. Indizien dafür sind zunehmende Messwerte für kosmische Strahlung, die die Instrumente der gut 40 Jahre alten Sonde übermitteln. Sie deuten darauf hin, dass Voyager 2 die Heliosphäre und damit den Einflussbereich unserer Sonne bald verlassen könnte. Nach Voyager 1 wäre sie erst das zweite menschengemachte Gefährt, das den interstellaren Raum erreicht.

scinexx

Sie sind die Vorposten der Menschheit: Seit gut 40 Jahre durchfliegen die beiden Voyager-Raumsonden unser Sonnensystem. Ihnen verdanken wir einzigartige Einblicke in nie zuvor erkundete Bereiche unserer kosmischen Heimat. Inzwischen jedoch nehmen beide Raumsonden Kurs auf die Unendlichkeit: Voyager 1 hat schon im Jahr 2013 unser Sonnensystem und die schützende Heliosphäre verlassen und durchfliegt nun gut 21 Milliarden Kilometer von uns entfernt den interstellaren Raum – als erstes menschengemachtes Gefährt.

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Nach Protesten: Schwarz-gelbe Koalition in NRW entschärft neues Polizeigesetz

Demonstranten protestieren gegen das neue Polizeigesetz. (Archivbild) Foto: picture alliance/dpa
Nach massiver Kritik von Verfassungsrechtlern hat die schwarz-gelbe Koalition in Nordrhein-Westfalen ihr geplantes neues Polizeigesetz entschärft. Der umstrittene Begriff der „drohenden Gefahr“ als Rechtsgrundlage für erweiterte Polizeibefugnisse bereits im Vorfeld von möglichen Straftaten ist nun gestrichen.

Kölner Stadt-Anzeiger

Die Höchstdauer des Polizeigewahrsams wird verkürzt. Darauf einigte sich Innenminister Herbert Reul (CDU) am Dienstag mit den Fraktionen von CDU und FDP.

„Wir haben die Bedenken und Argumente Ernst genommen“, sagte Reul. „Was bringt das beste Gesetz, wenn es am Verfassungsgericht scheitert?“ Der korrigierte Entwurf begrenze „das verfassungsrechtliche Risiko auf ein Minimum“. Ziel bleibe es, der Polizei in Zeiten terroristischer Gefahren die notwendigen Befugnisse an die Hand zu geben. „Wir brauchen dafür ein zeitgemäßes Update.“

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Dem Ursprung des Lebens auf der Spur

Membranfreie Mikrotröpfchen (Koazervate) unter dem Mikroskop. Die grüne Fluoreszenz dient als Nachweis für die enzymatische Aktivität der eingeschlossenen RNA. Drobot und Tang / MPI-CBG
Membranfreie Mikrotröpfchen als idealer Ort für die Anreicherung und Aktivität von RNA, um Leben zu ermöglichen

Katrin Boes Presse und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

Wie das Leben aus unbelebten Stoffen vor mehr als 3,5 Milliarden Jahren auf der Erde entstand, ist eine der grundlegendsten und noch unbeantworteten wissenschaftlichen Fragen. Eine der existierenden Hypothesen, die RNA-Welt-Hypothese, geht davon aus, dass RNA-Biomoleküle zu der Zeit als das Leben begann eine Schlüsselrolle gespielt haben, da sie genetische Informationen enthalten und als Enzyme wirken. Eine Voraussetzung für die RNA-Aktivität ist jedoch, dass sich eine bestimmte Anzahl von Molekülen in unmittelbarer Nähe zueinander befindet. Die nötige RNA Anreicherung könnte in abgegrenzten Räumen (Kompartimente) stattgefunden haben. Membranfreie Mikrotröpfchen, sogenannte Koazervate, bieten ideale Bedingungen dafür, da Biomoleküle wie RNA barrierefrei aufgenommen werden können. Jedoch fehlte bislang der experimentelle Nachweis für die enzymatische Aktivität von RNA in solchen Mikrotröpfchen. Forscher des Max-Planck-Instituts für molekulare Zellbiologie und Genetik (MPI-CBG) in Dresden und des Max-Planck-Instituts für Biochemie (MPIB) in Martinsried haben erstmals gezeigt, dass einfache RNA in membranfreien Mikrotröpfchen aktiv ist und diese damit eine geeignete Umgebung für den Ursprung des Lebens sind. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in der Fachzeitschrift Nature Communications.

Die RNA-Welt-Hypothese geht davon aus, dass das Leben aus sich selbst reproduzierenden RNA-Molekülen entsteht, einem Biomolekül, das vor der Evolution von DNA und Proteinen existierte. Dieser Hypothese folgend, gehen die Forscher davon aus, dass auf der frühen Erde die Konzentration von RNA und ihren Bausteinen möglicherweise zu gering war, als dass eine Reaktion stattfinden könnte. Die verstreuten RNA-Moleküle mussten also einen Weg zueinander finden, um miteinander reagieren zu können und damit Leben zu erzeugen. Geeignete Orte für die Anreicherung von RNA könnten Kompartimente sein. Diese existieren entweder mit einer Membran, wie bei einer Zelle, oder ohne Membran. Membranfreie Kompartimente können durch Phasentrennung von entgegengesetzt geladenen Molekülen gebildet werden, ein Prozess, der der Trennung von Öltropfen in Wasser ähnlich ist.

In ihrer Studie zeigten die Forscher erstmals, dass RNA in membranfreien Mikrotröpfchen aktiv ist, was die bisherige Hypothese unterstützt, dass solche Koazervate eine Art Protozelle darstellen und somit ein Vorläufer der heutigen Zellen sein könnten. Die Fähigkeit von Koazervaten, RNA anzureichern, könnte auch das Verdünnungsproblem von Biomolekülen gelöst haben. Darüber hinaus ermöglichen diese membranfreien Tröpfchen den barrierefreien Austausch von RNA. Dr. Björn Drobot, der Erstautor dieser Studie, erklärt: „Eines der wirklich spannenden Ergebnisse ist, dass Koazervate wie ein kontrolliertes genetisches Transfersystem wirken, in dem kürzere RNA-Stücke zwischen Tröpfchen pendeln können, während längere RNA-Moleküle in ihren Mikrotröpfchen eingeschlossen sind. Auf diese Weise haben diese Protozellen die Fähigkeit, genetische Informationen auszutauschen, was ein wichtiges Kriterium für den Beginn des Lebens ist.“

Diese Ergebnisse zeigen, dass membranfreie Mikrotröpfchen für eine gezielte Anreicherung von RNA förderlich sind. Dr. Dora Tang, die das Projekt leitete, weist darauf hin: „In den 1920er Jahren wurde von dem russischen Wissenschaftler Oparin angenommen, dass Koazervate die ersten Kompartimente auf der Erde gewesen sein könnten und bereits existierten, bevor sich Zellen mit einer Membran herausbildeten. Sie bieten Biomolekülen die Möglichkeit, sich anzureichern und so Leben auf der Erde zu schaffen. Unsere Studie ergänzt eine Reihe von Arbeiten aus meinem und anderen Laboren, die immer mehr Belege dafür liefern, dass Koazervate potentielle Kandidaten für die Kompartimentbildung während der Entstehung des Lebens sein könnten. Zusätzlich sind Sie interessante Reaktionsräume für die moderne und synthetische Biologie.“


Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dora Tang
+49 (0) 351 210 2560
tang@mpi-cbg.de


Originalpublikation:

Björn Drobot, Juan M. Iglesias-Artola, Kristian Le Vay, Viktoria Mayr, Mrityunjoy Kar, Moritz Kreysing, Hannes Mutschler & T-Y Dora Tang
Compartmentalised RNA catalysis in membrane-free coacervate protocells
Nature Communications, September 7, 2018.


Petrusbrüder: In die Kirche ist Verdorbenheit eingedrungen

Bild: © privat/katholisch.de
In Kürze begeht die Priesterbruderschaft St. Petrus ihr 30-jähriges Gründungsjubiläum. Vorab äußerte sich der deutsche Distriktobere Bernhard Gerstle zur derzeitigen Situation der Kirche – und zum Erfolg der Bruderschaft.

katholisch.de

Verdorbenheit in der Kirche kritisiert der deutschsprachige Distriktsobere der Priesterbruderschaft Sankt Petrus, Bernhard Gerstle (61). „Wie tief die Verdorbenheit sogar bis in höchste Kreise der Kirche eingedrungen ist“, habe jüngst der Missbrauchsskandal in den USA gezeigt, sagte Gerstle in Wigratzbad im Landkreis Lindau im Interview mit der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA).

In den USA wurden unlängst unter anderem Missbrauchsvorwürfe gegen den früheren Washingtoner Erzbischof und Ex-Kardinal Theodore McCarrick bekannt.

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Philosoph: Rassismus-Debatte zeigt, dass deutsche Gesellschaft Fortschritt gemacht hat

Demonstration am Brandenburger Tor. Jörg Carstensen/dpa
Der Philosoph Philipp Hübl beschäftigt sich im „Philosophie Magazin“* regelmäßig mit verbreiteten Denkirrtümern. Im aktuellen Heft schaut er auf die Debatten um Rassismus und Sexismus, die besonders auf Twitter unter den Hashtags „MeTwo“ (Rassismus) und „Metoo“ (Sexismus) geführt werden

FOCUS ONLINE

Hübl zufolge überspannen sowohl diejenigen den Bogen, die den Opfern ihre Erfahrungen absprechen, als auch die Menschen, die denken: Beide Probleme sind immer schlimmer geworden, weil man eben mehr über die Erfahrungen der Opfer erfährt.
Letzteres ist für Hübl ein Trugschluss: die Präsenz der Rassismusdebatte bedeutet für ihn nicht automatisch, dass es plötzlich mehr Rassisten gibt. Eher im Gegenteil sogar: Mit Bezug auf den Soziologen Aladin El-Mafaalani argumentiert der Philosoph, die Debatte sei Ausdruck sozialen Fortschritts: Vieles, was schon immer eine rassistische Beleidigung war, werde erst heute als solche wahrgenommen. Das bedeute aber nicht, dass deswegen unbedingt mehr rassistisch beleidigt werde.

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