Rechtsphilosoph: „Kreuz im Klassenzimmer ist schwer zu rechtfertigen“

foto: heribert corn Stefan Hammer, Professor für Rechtsphilosophie, hält es für ein Problem, dass der säkulare demokratische Staat eigentlich immer nur religiöse, nicht aber nichtreligiöse Weltanschauungen einbezieht.

Stefan Hammer über Gott in der Schule, Kopftuchverbote und die Pflicht zum Ethikunterricht nur für Religionsabmelder

Lisa Nimmervoll | derStandard.at

Das Thema Religion taucht in der Politik immer wieder auf. Besonders oft im Zusammenhang mit Integrationsfragen, aber auch in der Bildungspolitik. Stichwörter: Kreuz, Kopftuch, Ethikunterricht. Zugleich wächst die Gruppe der Konfessionsfreien bzw. Nichtgläubigen am stärksten. Die Vortragsreihe „Fachdidaktik kontrovers“, in Kooperation von Philosoph Konrad Paul Liessmann und dem STANDARD organisiert, widmet sich daher der Frage „Wie viel Gott braucht die Schule? Über das Verhältnis von Religion und Bildung“. Zum Auftakt spricht Rechtsphilosoph Stefan Hammer am Mittwoch (17 Uhr, NIG, Hörsaal 3D, Universitätsstraße 7) zum Thema „Schulunterricht nur über oder auch in Religion: Was verhilft zur gebildeten Selbstbestimmung?“.

STANDARD: Der Titel der Vortragsreihe lautet: „Wie viel Gott braucht die Schule?“ Ich adaptiere die Frage für den Juristen: Wie viel Gott darf denn in die Schule in einem an sich säkularen Staat hinein?

Hammer: Säkularer Staat heißt ja nicht laizistischer Staat. Ein säkularer Staat grenzt Religion nicht aus, sondern lässt sie grundsätzlich im öffentlichen Raum, und damit auch in der Schule, zu – aus dem Verständnis heraus, dass auch Religionen etwas zum säkularen politischen Diskurs beitragen können. Nur muss das auf einer religiös und weltanschaulich neutralen Basis geschehen.

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Wie Hunde Wörter verarbeiten

Wie gut verstehen uns Hunde wirklich? © Miss Summer/ pixabay
Ins Gehirn geblickt: Forscher haben beobachtet, wie Hunde menschliche Wörter verarbeiten. Ihre Studie zeigt: Die Vierbeiner unterscheiden deutlich zwischen Begriffen, die sie kennen und solchen, die ihnen unbekannt sind. Hören sie ein neues Wort, werden bestimmte auditive Hirnregionen demnach besonders stark aktiviert. Bei Menschen ist dies interessanterweise genau anders herum, wie die Autoren berichten.

scinexx

Hunde gelten nicht umsonst als „beste Freunde“ des Menschen: Kaum ein anderes Tier hat sich im Laufe seiner Domestikation so stark an uns angepasst. Das geht so weit, dass Hunde unseren Gesichtsausdruck deuten, unseren Tonfall interpretieren und nach etwas Training hunderte menschliche Wörter verstehen können. So begreifen sie etwa Kommandos und erkennen unterschiedliche Spielzeuge anhand ihres Namens.

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Sineb El Masrar über legalistischen Islamismus – „Religion wird pervertiert“

Die deutsche Autorin und Journalistin Sineb El Masrar (dpa/ Erwin Elsner)
Die Publizistin Sineb El Masrar bezweifelt, dass deutsche Politiker die Islamverbände als Ansprechpartner brauchen. Sie so zu „demokratisieren und den Löwen zu bändigen“, werde nicht gelingen, sagte El Masrar im Dlf. Die Verbände würden zum Teil islamistische Ideologien verbreiten.

Sineb El Masrar im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Andreas Main: Wenn es um Islam in der Öffentlichkeit geht, dann äußern sich überwiegend Männer. Das ist umso befremdlicher, als viele der heiklen Themen primär Frauen und Mädchen betreffen, vom Schwimmen im Ganzkörperbadeanzug bis hin zu anderen Formen von Verhüllung. Mir geht es hier weniger um eine Frauenquote, aber vielleicht erklären sich ja die verbissenen Schwarz-Weiß-Wadenbeißer-Debatten rund um den Islam aus dem Männerüberhang. Die Autorin Sineb El Masrar jedenfalls ist weit entfernt von diesem Schwarz-Weiß-Denken. Sie setzt sich zwischen viele Stühle. Sie ist in Hannover geboren Anfang der 80er-Jahre. Sie lebt als Journalistin in Berlin. Ihre Eltern sind aus Marokko. Sie versteht sich als Muslimin und als Feministin. Sie hat unter anderem über muslimische Frauen hierzulande geschrieben. Das Buch hieß ‚Muslim Girls‘. Jetzt sind die Männer dran, gerade eben erschienen: ‚Muslim Men: Wer sie sind, was sie wollen‘. Sineb El Masrar und ich, wir sitzen uns in unserem Berliner Funkhaus gegenüber, wo wir dieses Gespräch aufzeichnen beziehungsweise aufgezeichnet haben. Hallo und herzlich willkommen, Sineb El Masrar.

Sineb El Masrar: Hallo.

Main: Sineb El Masrar, wie erleben Sie mit Blick auf Islam und Muslime die derzeitige Stimmung in Ihrem Heimatland, in Deutschland?

El Masrar: Für mich persönlich gibt es Zeiten, wo ich durchaus positiv in die Zukunft blicke und denke, wir werden schon irgendwie zusammenwachsen. Es gibt ja auch viele Erfolgserlebnisse, wenn man bedenkt, wer alles nach Deutschland gekommen ist, mit welchen Startbedingungen. Die waren nicht immer ideal – und wie viele es dann tatsächlich in der zweiten und dritten Generation geschafft haben,

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Wenn der Vater Priester ist

Tomek, Foto: privat
Sie sind unerwünscht und offiziell weiß niemand von ihnen. Manche werden abgetrieben, andere fühlen sich allzeit verleugnet: Priesterkinder. Einige Tausend sollen Schätzungen zufolge in Deutschland leben. Tomek ist ein solches Priesterkind.

Von Nadine Pungs | hpd.de

Tomek sitzt in einem Café und nippt an seiner Cola. Vor ihm auf dem Tisch liegt ein Buch über Afrika. Morgenröte, Bäume und die traditionellen Masken sind auf das Cover gedruckt. Ein paar Seiten weiter winkt ein Mädchen mit Flechtfrisur in die Kamera, daneben der Schriftzug: Gott segne dich, Afrika!

Tomek blättert, bis er es gefunden hat: ein Foto in schwarz-weiß, das vor etlichen Jahrzehnten aufgenommen wurde und ein wenig körnig daherkommt. Ein Mann ist abgebildet, der Autor des Buchs. Ein Priester. Er trägt Vollbart, Soutane und um seinen Hals baumelt ein Kreuz. Ein leises Lächeln umspielt seine Mundwinkel.

Tomek betrachtet das Foto und kneift die Augen zusammen, dabei leuchtet ihm die Abendsonne ins Gesicht und legt einen Weichzeichner auf seine Zornesfalte. Der Mann auf dem Foto ist sein Vater. Die gleiche Nase, das gleiche leise Lächeln. Tomek dreht sich weg. „Wenn ich ihn anschaue“, sagt er, „dann empfinde ich bloß Verachtung.“

Er nennt seinen Vater nicht Vater, für ihn bleibt er sein Erzeuger. Und trotzdem ist da eine Verbundenheit, die über Rationalität hinausgeht. Etwas, das den Sohn nicht loslässt. Vielleicht die Hoffnung auf Anerkennung? Oder der Wunsch nach Vergeltung? Womöglich beides zugleich? Tomek weiß darauf keine Antwort.

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Die „Verwolfung“ Deutschlands

Sogenannter „Wolfsgruß“. Foto: Canlanma / CC BY-SA 3.0
Langsames Erwachen? Deutsche Politik und die türkisch-nationalistischen Netzwerke Erdogans

Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Durch Berlins Straßen fahren mehrere Fahrzeuge in der Aufmachung der berüchtigten türkischen Spezialeinheiten „Özel Harekat“. In Hamburg posiert eine Bodygard -Truppe auf dem Rollfeld bei der Präsidentenmaschine Erdogans zum G 20 Gipfel. In Köln wird bei Erdogans Eröffnung der Ditib-Moschee der Wolfsgruß gezeigt.

Langsam erwachen die deutschen Medien aus ihrem Dornröschenschlaf und richten ihre Aufmerksamkeit auf die türkischen nationalistischen Netzwerke in Deutschland. Lange wurde auch von den Sicherheitsbehörden weggeschaut, wenn es um die Grauen Wölfe und deren in der Türkei mit Erdogans AK-Parti regierende rechtsextreme MHP ging.

In Deutschland hat sich ein gefährliches Netzwerk von türkischen Faschisten, Islamisten und nationalistischen Erdogan-Anhängern herausgebildet, die den deutschen Rechtsextremen in nichts nachstehen.

Mehrere Fahrzeuge mit dem Emblem der berüchtigten Anti-Terror-Einheit „Özel Harekat“ wurden letzte Woche in Berlin gesehen. Sie fuhren durch die Straßen von Neukölln, Kreuzberg und Berlin-Mitte. In Bezirken also, wo die türkische und kurdische Opposition in der türkeistämmigen Community stark ist. Die Berliner Zeitung berichtete, die teuren Autos, darunter ein 7er-BMW, hätten allesamt Berliner Kennzeichen gehabt.

Der innenpolitische Sprecher der Linkspartei im Abgeordnetenhaus, Hakan Tas, erstattete Anzeige bei der Polizei, da mit diesen Fahrzeugen offensichtlich türkische Oppositionelle in Berlin eingeschüchtert werden sollen. Die türkische Spezialeinheit der Polizei „Özel Harekat“ ist in der Türkei bekannt für ihre brutalen Übergriffe bei ihrer Jagd auf Oppositionelle. In den kurdischen Gebieten wird immer wieder von Folterungen, extremen Misshandlungen, regelrechten Exekutionen und Leichenschändungen toter Oppositioneller durch diese Einheiten berichtet.

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Magazin „AOK On” (04/2018): AOK-Sprache 2018 – „autistische Zombies“, entschuldigen will man sich nicht

Magazin „AOK On” (04/2018) Bild: Screenshot: bb
Die Krankenkasse AOK spricht in Ihrem Magazin „AOK On” (04/2018) von „autistischen Zombies“ und diskriminiert und beleidigt damit alle autistischen Menschen und deren Angehörige.

Der eigentliche Skandal ist aber, dass die AOK keine Entschuldigung im nächsten AOK-On Magazin abdrucken möchte!

Autismus – per Definition eine tiefgreifende Entwicklungsstörung. Viele Betroffene und Angehörige leiden vor allem durch das mangelnde Verständnis der Mitmenschen und deren Reaktionen auf diese Behinderung. Aus diesem Grund versuchen Organisationen, Vereine, Betroffene und viele weitere auf das Thema Autismus und die damit verbundenen Schwierigkeiten aufmerksam zu machen.

Als Eltern eines dreijährigen Sohnes mit frühkindlichem Autismus, oft auch als schwere Form des Autismus bezeichnet, versuchen wir alles für eine bestmögliche Zukunft für ihn und alle Menschen mit Autismus zu erreichen. Täglich kämpfen wir gegen Vorurteile, Stereotypen in den Köpfen der Menschen und Unverständnis. Natürlich ist hierfür auch die Unwissenheit über die Art der Behinderung verantwortlich. Umso mehr schmerzt es dann, wenn – und noch dazu von einer Krankenkasse – von autistischen Zombies gesprochen wird. Dies ist nicht nur verletzend, sondern auch der Aufklärung der Gesellschaft wird hierdurch geschadet.

Eine Behinderung als beschreibendes Adjektiv für einen Zombie zu verwenden ist nicht nur geschmacklos, es verstärkt falsche Assoziationen mit Autismus und erschwert die Inklusion.

Die AOK hat – nach einem Aufschrei in den sozialen Medien – zugegeben, dass der Ausdruck ein Fehler war. Hierüber informiert ein lapidarer Tweet der @AOK_Gesundheit mit 240 Zeichen.

Eine Entschuldigung im nächsten Magazin abzudrucken wird weiterhin abgelehnt.

Wir fordern eine Entschuldigung/Gegendarstellung in der nächsten Printausgabe, dem Medium in dem die Verfehlung passiert ist. 

Ein Tweet ist weder ausreichend noch angemessen und erreicht auch nicht die Leser der jetzigen Ausgabe.

Link zur Petition

Antisemitismus: Meldepflicht an Berliner Schulen geplant

Der König Rothschild. Antisemitische Karikatur aus Frankreich von 1898 | Bild: Gemeinfrei

Das Land Berlin plant eine Meldepflicht für antisemitische Vorfälle an Schulen. Ab dem Schuljahr 2019/2020 solle judenfeindliches Mobbing als eigenständige Kategorie in den Notfallplänen der Berliner Schulen eingeführt werden, bestätigte eine Sprecherin von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) am Montag auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes (epd).

evangelisch.de

An Berliner Schulen hatte es immer wieder Antisemitismusvorfälle gegeben. Zuletzt war an der renommierten John-F.-Kennedy-Schule in Berlin-Zehlendorf ein jüdischer Neuntklässler offenbar wegen seiner Religion monatelang von Mitschülern drangsaliert worden.

Bildungssenatorin Scheeres wolle mit der neuen Meldepflicht für antisemitische Vorkommnisse „vor allem mehr Klarheit für die Schulen“ herstellen, betonte die Sprecherin. Zudem gehe es um verstärkte Prävention und Nachsorge solcher Geschehnisse.

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Grab eines antiken „Vampirs“ entdeckt

Ein Stein im Mund sollte dieses zehnjährige tote Kind am Auferstehen als Untoter hindern © David Pickel/ Stanford University
Stein gegen den Untoten: In Italien haben Archäologen das Grab eines römischen Kindes entdeckt, das man offenbar als Untoten oder Vampir fürchtete. Ein Stein im Mund sollte verhindern, dass der Tote sich aus dem Grab erhob und die Lebenden mit Malaria ansteckte – der Krankheit, an der das Kind gestorben war. In Nachbargräbern zeugen Rabenklauen, Krötenknochen und Bronzegefäße mit Asche von weiteren abergläubischen Praktiken gegen Untote und Vampire.

scinexx

Zombies, Vampire und Untote sind keineswegs eine Erfindung der Neuzeit: Schon die Römer fürchteten, dass bestimmte Tote sich aus ihren Gräbern erhoben und dann Unheil unter den Lebenden anrichten könnten. „Wir wissen, dass die Römer sich davor fürchteten und sogar Hexenkraft nutzten, um das Böse, das den Körper der Gestorbenen kontaminierte, am Herauskommen zu hindern“, erklärt David Soren von der University of Arizona.

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Kirchenvertreter äußern sich nach der Wahl in Bayern – „Absage an Angstmacherei“

Die Kirchenvertreter sind sich nach der Wahl in Bayern einig: Weder die Wahlkampfstrategie der CSU, noch Angstmacherei seien zielführend gewesen. Sie appellieren, den sozialen Zusammenhalt in der Gesellschaft zu stärken.

DOMRADIO.DE

Der Würzburger katholische Bischof Franz Jung hat Kritik an der Wahlkampfstrategie der CSU geübt. Es stelle sich die Frage, ob es der richtige Weg gewesen sei, die AfD rechts überholen zu wollen, sagte Jung am Montag dem Bayerischen Rundfunk (BR). Es seien Wähler aus der gesellschaftlichen Mitte zu anderen Parteien abgewandert.

Viele Menschen hätten sich ernsthaft die Frage gestellt, „inwieweit die Symbolpolitik auf der einen Seite mit christlichen Inhalten auf der anderen Seite gefüllt ist“, so der Bischof mit Blick auf den Kreuzerlass. Offenbar hätten viele Menschen den Eindruck gehabt, dass dem nicht mehr so sei. Dabei verwies Jung auf Erhebungen von Wahlforschern, nach denen 47 Prozent der Befragten angaben, die CSU habe ihre christlichen Überzeugungen aufgegeben.

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Politiker-Bibel sammelt Lieblingszitate – ohne AfD

Bild: © Fotolia.com/B-C-designs
In einem neuen Buch schreiben Politiker über ihren Lieblingstext aus der Bibel und erklären, was dieser für ihr Leben und ihr politisches Handeln bedeutet. AfD-Politiker wurden an dem Projekt nicht beteiligt. Das sorgt für Unmut in der Partei.

katholisch.de

Der Hamburger „Kreuz Verlag“ hat ein neues Buch herausgebracht: Unter dem Titel „Glaube, Liebe, Hoffnung“ stellen 69 deutsche Vertreter aus Landes-, Bundes- sowie Europapolitik ihre Lieblingsstelle aus der Bibel vor, wie die evangelische Nachrichtenagentur „idea“ berichtet. Herausgeber ist Nikolaus Schneider, ehemaliger Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland. AfD-Politiker wurden an dem Projekt nicht beteiligt.

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Vögel im Vollrausch

Bild: Neue Zürcher Zeitung
Auch Tiere trinken gern mal einen über den Durst. In Neuseeland ist jetzt die trinkfreudige Neuseeland-Fruchttaube zum Vogel des Jahres 2018 gewählt worden.

Elena Panagiotidis | Neue Zürcher Zeitung

Wenn in der Schweiz der Vogel des Jahres gekürt wird, handelt es sich dabei meist um ganz seriöse Tiere. Oft vom Aussterben bedroht, haben sie besondere Talente: Sie singen bezaubernd, können tauchen oder sind Meister im Höhlenbau. So ist der Vogel des Jahres 2018 der Wanderfalke, im Vorjahr war es die Wasseramsel und 2016 der Buntspecht.

In Neuseeland ist nun ein Tier zum Vogel des Jahres gewählt worden, welches einen weniger soliden Lebenswandel pflegt: die Neuseeland-Fruchttaube. Der bunte Vogel, in der Landessprache Kererū genannt, wird von der Umweltschutzgruppe «Forest and Bird», die die Wahl ausschreibt, als «tollpatschig, betrunken, gefrässig und glamourös» bezeichnet.

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„Religion ohne Bildung ist gefährlich“

Bild: ©jdjuanci – stock.adobe.com
„Religion ist Privatsache. Ich gönne meinem Sohn lieber Freizeit und hab ihn vom Reli-Unterricht abgemeldet“ Solche Aussagen höre ich häufig, und ich muss gestehen, dass sie mich nicht nur betroffen, sondern zunehmend wütend machen. Nicht nur weil ich selbst, wie alle Vikare und Pfarrerinnen, an einer öffentlichen Schule Religion unterrichte. Sondern vor allem, weil ich weiß, was Religionsunterricht heutzutage bedeutet. Was er leistet und dass er heute wichtiger ist denn je.

Julia Schnizlein | krone.at

In welchem anderen Fach, wenn nicht in Religion, finden die existenziellen Fragen des Lebens breiten Raum? „Wofür lohnt es sich zu leben?“, „Wie finde ich meinen eigenen Weg?“ oder „Wer ist mein Nächster?“ – lauten Auszüge aus dem Lehrplan für evangelische Religion.

Wo, wenn nicht in Religion, lernen die Kinder in einer säkularen Welt noch, was die viel beschworenen christlichen Werte überhaupt sind? Woher sie kommen und was sie für ihr Leben bedeuten können. Und wo sonst wird den Schülern der Zugang zum eigenen Glauben und zugleich der kritische Umgang mit Glaubensinhalten und Religion vermittelt? Und das gilt für jeden aufgeklärten Religionsunterricht. Wenn also der bayerische Ministerpräsident Markus Söder im Wahlkampf durch Bierzelte tingelt und vor einem – Gott bewahre – flächendeckenden Islamunterricht an deutschen Schulen warnt, dann ist das populistisch. Und gefährlich.

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