„An keiner Stelle verurteilt die Bibel Homosexualität!“


Der Streitfall um den Frankfurter Neutestamentler Ansgar Wucherpfennig zeigt, wie konfliktreich der kirchliche Umgang mit Homosexualität ist. Dabei verurteilt die Bibel gleichgeschlechtliche Liebe an keiner Stelle, sagt Ilse Müllner im katholisch.de-Interview. Die Theologin erklärt, warum einige Bibelstellen für heutige Ohren missverständlich klingen.

Von Madeleine Spendier | katholisch.de

Der Neutestamentler Ansgar Wucherpfennig hatte sich vor zwei Jahren zur Bewertung von Homosexualität in der Bibel geäußert. Nun verweigert ihm die vatikanische Bildungskongregation das „Nihil obstat“ für das Amt als Rektor der Hochschule Sankt Georgen. Doch der Jesuit hat differenziert und nachvollziehbar argumentiert, findet die Bibelwissenschaftlerin Ilse Müllner.

Frage: Frau Müllner, der Jesuit Ansgar Wucherpfennig hat die biblische Verurteilung der Homosexualität als „missverständlich formulierte Stellen“ bezeichnet – und wurde dafür vom Vatikan gemaßregelt. Wie sehen Sie das? Lässt sich aus der Bibel eine Abwertung von Homosexualität herauslesen?

Müllner: Nein, aus der Bibel lässt sich überhaupt nicht ableiten, wie man sich heute als Christ oder als Christin mit Blick auf das Thema Homosexualität positionieren muss. Erstens, weil die Bibel nichts über Homosexualität, wie wir sie heute verstehen, aussagt. Und zweitens, weil die sexuellen Akte, die darin beschrieben werden, immer in ihrem jeweiligen kulturellen und sozio-historischen Kontext betrachtet werden müssen. Die Vorstellungen von einer homosexuellen Partnerschaft gab es damals noch nicht. Davon spricht man erst seit Beginn des 19. Jahrhunderts.

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2 Comments

    1. Wer lesen kann ist klar im Vorteil, auf Levitikus bezieht sie sich ohnehin. Also, außer der Überschrift empfiehlt es sich den Text zu lesen. Der geht auf diese Märchendeutung expressis verbis ein.

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