Ein Vorname und der Untergang des französischen Nationalstaats


Grafik: TP
Eric Zemmour, der rechte Polarisierungs-Experte in der französischen Medienlandschaft, sorgt für einen Eklat

Bernard Schmid | TELEPOLIS

„Ihr Vorname ist eine Beleidigung für unser Land!“ Mit solch‘ Aufsehen erregenden Sprüchen rief in jüngster Zeit der Journalist und Polemiker Eric Zemmour, um den es zwischenzeitlich ein paar wenige Jahre lang relativ ruhig geworden war, mal wieder einige Aufmerksamkeit hervor. Der rechte Polarisierungs-Experte in der französischen Medienlandschaft hatte dabei zwar viele Kritiker gegen sich, doch er stand wieder im Mittelpunkt.

Der Vorname, um den es ging, ist jener der 37-jährigen prominenten Unternehmerin und Fernsehkommentatorin Hapsatou Sy, einer Französin senegalesischer Herkunft. Diese hat mittlerweile Strafanzeige wegen „rassistisch motivierter Beleidigung“ erstattet.

Ginge es nach Eric Zemmour, müsste sie sich einen anderen Vornamen zulegen bzw. hätte man ihr einen solchen bei ihrer Geburt geben müssen und zwar einen, der im christlich-französischen Kalenderblatt vorkommt. Zemmour machte sogar einen konkreten Vorschlag dafür: „Corinne“.

Der dadurch ausgelöste Eklat in einer Talkshow, Mitte September dieses Jahres in der Sendung Les terriens du dimanche („Die Erdbürger vom Sonntag“) beim Privat-TV-Sender Canal +, ist nun genau einen Monat her. Die heikelste Stelle war bei der Ausstrahlung zunächst herausgeschnitten worden.

Dieses Mal lösten die Tiraden des Polemisten etwas mehr Reaktionen aus als bei Ausfällen in jüngerer Vergangenheit, und eine durch Frau Sy gestartete Petition gegen die ständige Medienpräsenz Eric Zemmours erhielt binnen einer guten Woche stattliche 200.000 Unterschriften seit Anfang dieses Monats sind es nun über 300.000.

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