Streitgespräch zwischen einer religiösen und einer säkularen Weltsicht


So etwas gibt es selten zu lesen: Ein populäres deutsches Wissenschaftsmagazin hat zwei renommierte Naturwissenschaftler zu einem Gespräch über Glauben und Vernunft eingeladen.

Dr. Michael Utsch | EZW

Streit war zu erwarten, weil eine Gesprächspartnerin ehrenamtlich in einer evangelikalen orientierten Freikirche engagiert ist, ihr Gegenüber im Beirat der Giordano-Bruno-Stiftung sitzt. Barbara Drossel ist als Professorin für theoretische Physik an der Technischen Universität Darmstadt tätig, der Biologe Volker Sommer arbeitet als Primatenforscher an einer Londoner Universität. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die erste Frage nach der Existenz Gottes sehr unterschiedlich beantwortet wird. Das Streitgespräch kreist weiter um Fragen von Möglichkeiten und Grenzen des wissenschaftlichen Verstehens der Welt, Auch unterschiedliche Bewältigungsformen der Endlichkeit, die Ursache menschlichen Leids und die Wurzeln für moralisches Verhalten kommen zur Sprache. Während der Agnostiker Vogel bestreitet, dass sein Leben einen Sinn benötige, war die religiöse Beantwortung der Sinnfrage für die praktizierende Christin Drossel der entscheidende Anlass, zum Glauben zu finden.

Auch wenn manche Fragen in dem Gespräch nur kurz angesprochen werden, sind der sachliche Ton, die persönlichen Antworten und der spürbare gegenseitige Respekt der beiden Wissenschaftler bemerkenswert. In unserer Gesellschaft werden mehr derartige Begegnungsmöglichkeiten, Plattformen und Gesprächsformate benötigt, wo Menschen mit gegensätzlichen Sinnorientierungen und Weltanschauungen sich neugierig, offen und fair austauschen und voneinander lernen können. Dadurch könnten Vorurteile abgebaut, das Verständnis für fremden Glauben verbessert und die eigene Überzeugung modifiziert oder aber bestärkt werden.

 

2 Comments

  1. Besonders köstlich fand ich folgende Passage. Sommer meint, dass zum Glaube auch aller mögliche wunderbare Unsinn gehöre. Drossel antwortet darauf:

    Drossel: Ich benutze auch in Glaubensdingen meinen Verstand.

    Was Sommer darauf antwortet ist einfach nur Spitze:

    Sommer: Dann sind Sie nicht religiös, sondern nur nicht bereit, die Gotteshypothese
    aufzugeben.

    Genau der Punkt. Das ist nämlich das Geeiere der ‚aufgeklärt‘ Christlichen. Wenn sie mit einem Philosophen oder Naturwissenschaftler zusammenkommen, machen sie einen auf Kalam-Argument, Unbewegter Beweger, Urgrund des Seins und und und, gegen das man argumentieren kann wie gegen eine Nebelwand. Aber das hat dann mit Religiosität, die sie im Alltag oder in der Gemeinde leben, nichts mehr zu tun. Verstand und Glauben passt einfach nicht zusammen, wenn man mehr als platte Rationalisierungen haben möchte.

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