Vom Reformer zum Mordverdächtigen: Dem saudischen Kronprinzen laufen die Gäste davon


Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman (Zweiter von rechts) an der letztjährigen Future Investment Initiative in Riad. Er wird flankiert von Christine Lagarde, der Direktorin des Internationalen Währungsfonds, und Masayoshi Son, dem CEO der Softbank-Gruppe. (Bild: Hamad I Mohammed / Reuters)
Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman inszenierte sich als Modernisierer. Das Bild ist nach dem mutmasslichen Mord an Jamal Khashoggi zerstört. Die Absenzenliste an einer prestigeträchtigen Investorenkonferenz wird immer länger.

Samuel Misteli | Neue Zürcher Zeitung

Es war ein glanzvoller Anlass, den der saudische Public Investment Fund Ende Oktober 2017 in Riad ausrichtete. Gäste aus über 90 Ländern schritten über einen roten Teppich ins Hotel Ritz Carlton, in der Lobby warteten Roboter, die unter Kronleuchtern mit den Besuchern plauderten. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman, der dem Staatsfonds vorsteht, stellte den Entwurf für Neom vor, eine futuristische Stadt, in der High-Tech-Jobs geschaffen werden sollen. 500 Milliarden Dollar würde das Projekt kosten. «Nur Träumer sind willkommen», liess der Kronprinz sein Publikum wissen.

Die Konferenz war ein Höhepunkt des PR-Feuerwerks, das Salman 2017 zündete. Die saudische Regierung präsentierte sich als innovative Wirtschaftsmacht, die auf futuristische Technologien statt auf Erdöl setzen würde. Und Mohammed bin Salman, der neue starke Mann, war das jugendliche Gesicht der Reformbegeisterung, die das ultrakonservative Königreich augenscheinlich erfasst hatte.

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