Umfangreiche Kirchenschließungen auf den Shetland-Inseln



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Zwei Drittel ihrer Kirchen will die Church of Scotland auf den Shetland-Inseln schließen. Weil das Geld zu deren Unterhalt fehlt und weil es dort kaum noch Kirchgänger gibt. Da auch die Church of Scotland in einen Missbrauchsskandal verwickelt ist, dürfte deren Zahl noch weiter sinken.

 

hpd

 

Die presbyterianische Church of Scotland plant die Schließung von 20 Kirchen („Kirks“) auf den Shetland-Inseln. Als Grund gibt die Kirche an, dass es unwirtschaftlich sei, alle 31 Gebäude weiterhin zu erhalten. Als Zeitrahmen für die Schließung von 20 Kirchen und für die Zusammenlegung von Gemeinden wird eine Dauer von drei Jahren angegeben.

Von den etwa 23.000 Einwohner*innen der Shetland-Inseln sind gerade einmal 975 Mitglieder der Church of Scotland. Davon unterstützen sie zwei Drittel finanziell. Neben den daraus entstehenden finanziellen Engpässen belastet auch eine Klage wegen sexuellen Missbrauchs die Church of Scotland.

Nach Angaben der Church of Scotland sei die Entscheidung zur Schließung von knapp zwei Dritteln aller Kirchgebäude auf den Shetland-Inseln nicht leicht gefallen. Bestünden einige von ihnen doch bereits seit dem 18. Jahrhundert und würden von ansässigen Familien seit mehreren Generationen genutzt. Im Gegensatz zu dieser Bekundung des Bedauerns angesichts der Kirchenschließungen riefen die Fälle sexuellen Missbrauchs Minderjähriger in den 1970er bis 90er Jahren durch einen Angestellten weit weniger Bestürzung hervor. Lediglich eine recht halbherzige Entschuldigung und der Verweis auf die Behörden war zu hören.

Aktuell verklagen drei Geschwister, zwei Männer und eine Frau, die Church of Scotland, weil sie die Pflicht der Kirche zum Schutz von Kindern verletzt sehen. Sie lebten als Kinder und Jugendliche im Kinderheim „Lord and Lady Polworth Children’s House“ in Edinburgh und wurden dort, neben anderen Kindern, vom Hausmeister Ian Samson widerholt missbraucht und vergewaltigt. Obwohl die Church of Scotland Abtreibung strikt ablehnt, wurde die Klägerin zu einer Abtreibung gezwungen, nachdem sie von Samson schwanger wurde.

Die Beschreibungen der Geschwister, wie sie als Kinder versuchten, ihrem Peiniger zu entgehen, lesen sich wie die Handlung eines Horrorfilms. So versteckten sie sich beispielsweise in Hundekörben, um Samsons Aufmerksamkeit zu entgehen. Die Kläger*innen versuchen, mit ihrem Prozess auch andere Betroffene zu Klagen zu ermutigen. Denn obwohl Samson 2013 zu 14 Jahren Haft verurteilt wurde, sehen die Geschwister auch die Kirche in der Schuld.

Dass niemand etwas vom Leid der Kinder mitbekommen haben will, lässt sich kaum glauben. Besonders nicht bei Betrachtung der weltweiten Missbrauchsfälle, in denen kirchliche Amtsinhaber nicht nur weggesehen haben, sondern teilweise aktiv vertuscht haben.