Bio ist eine Produktion für die verwöhnten Söhne und Töchter von Wohlstandsgesellschaften


Udo Pollmer, renommierter Lebensmittel-Experte, erklärt im Interview, warum er Fastfood aus Süditalien bevorzugt – statt Neujahrs-Diäten, Veggie-Superfood und Vagina-Gurken

Marcel Malachowski | TELEPOLIS

Zum Welternährungstag gab es neue Zahlen: Der Hunger in der Welt nimmt wieder zu. Gleichzeitig verkaufen sich in Deutschland zwischen Oktoberfest und der Adventszeit Diät-Bücher am besten.

„Wir Deutschen haben uns großgehungert!“ – sagte die Nazi-Internatsdirektorin mit protestantischem Stolz im Romy-Schneider-Film „Mädchen in Uniform“. Nachdem die Deutschen durch die kulinarisch-ästhetische Re-education nach dem WWII gelernt hatten, dass die Welt auf und um den Küchentisch nicht nur aus Kartoffeln und alemannischer „Kartoffeligkeit“ (Jan Böhmermann) besteht, kehrte hierzulande erst einmal ansatzweise lukullisch-zivilisatorischer Normalzustand ein. Die Boches lernten, dass Essen nicht nur der Ernährung dient, sondern eine eklektische Kulturleistung und ein körperlicher Genuss ist – was kurioserweise seit den 80ern den angeblich typisch osmanischen Döner in einer vom türkischen Original sehr stark abweichenden Variante ja gar zum meistverkauften Imbiss in diesen nordischen Breiten werden ließ, denn nicht nur die Knoblauchsauce dazu ist in Istanbul oder Izmir völlig unbekannt.

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