Ewige Bestimmung des Menschen


Wenn Religion in rational verantworteter Weise religiöse Antworten gibt, hat sie eine unersetzliche Funktion für die freiheitliche Demokratie.

Martin Grichting | Neue Zürcher Zeitung

Das 400-Jahr-Gedenken an den Dreissigjährigen Krieg wirft ebenso wie die zeitgenössischen religiös konnotierten Konflikte die Frage auf, ob es der Religion noch bedarf in einer Zeit nach der Aufklärung und welche Funktion sie dann allenfalls haben könnte. Zweifellos ist die Zeit einer Kirche abgelaufen, die vom Staat beherrscht und zugleich zu Herrschaft geführt wird, wie es der evangelische Altmeister der Kirchenhistorie, Gerd Tellenbach, formuliert hat. Denn allzu oft hat diese Symbiose den Staat zur Diskriminierung Andersgläubiger verleitet und die Religionsgemeinschaften zu willfährigen Beweihräucherern staatlicher Omnipotenz gemacht. Mit Alexis de Tocquevilles Worten: «Die Fürsten liehen der Kirche ihre materielle Macht, sie lieh ihnen ihr moralisches Ansehen; jene verschafften ihren Vorschriften Gehorsam, sie verschaffte den Befehlen jener Respekt.»

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