Ein düsteres Kapitel der Geschichte Roms


Doppelseite aus dem faschistischen Magazin «La Difesa della Razza» vom 5. November 1938, die illustriert, was die Juden gemäss Gesetz nicht mehr dürfen. (Bild: Fototeca Gilardi / Getty)
Am 16. Oktober 1943 wurden über tausend Juden aus Rom nach Auschwitz deportiert. Nur 16 von ihnen haben überlebt. Doch bis heute wird in Italien kaum über die Diskriminierung und Verfolgung der Juden gesprochen.

Andrea Spalinger | Neue Zürcher Zeitung

Laura Supino war 13 Jahre alt, als ihre Eltern sie und ihre zwei kleineren Geschwister am Morgen des 16. Oktober 1943 ungewöhnlich früh aus dem Bett holten, in viel zu warme Kleider steckten und dann überstürzt mit ihnen die Wohnung an der Piazza Buenos Aires im Norden Roms verliessen. «In den Strassen war Lärm zu hören. Die Deutschen hatten angefangen, die Juden im Viertel zu verhaften. Doch das habe ich erst im Nachhinein realisiert», erzählt die 88-jährige Römerin. «Ich habe auch erst später verstanden, was für ein Glück wir hatten, dass wir überlebt haben.»

Wegschauen und verharmlosen

Die Familie versteckte sich ein paar Tage in einem Schuppen auf dem Dach eines Mehrfamilienhauses, in dem eine Bekannte wohnte. Danach kamen sie zwei Wochen in der Wohnung von Nachbarn unter. Doch längerfristig konnten sie dort nicht unentdeckt bleiben. Lauras Vater war einst Oberst in der Armee und ein respektiertes Mitglied der Römer Oberschicht gewesen, und so gelang es ihm mithilfe von Freunden, einen Unterschlupf für alle zu finden. Die 13 und 9 Jahre alten Töchter kamen in einer von Nonnen geführten Klosterschule unter, der 11-jährige Sohn in einem Kolleg für Buben. Die Eltern tauchten in einem Kloster am Stadtrand unter. «Über sieben Monate lang waren wir in diesem Internat», erzählt Supino. «Es war anfangs sehr schwierig, weil wir keine Ahnung von den katholischen Gebeten und Riten hatten. Doch unsere Mitschülerinnen durften nicht merken, dass wir Jüdinnen waren. Nur die Oberin wusste Bescheid.»

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