Blutspur nach Europa


US-Drohne. Bild: DoD
Amerikanische Drohnenangriffe im Orient wären ohne den Stützpunkt Ramstein nicht möglich

Josef Alkatout | TELEPOLIS

Der Fürst muss den Ruf der Grausamkeit nicht scheuen.

Niccolò Machiavelli

Mehrere der eingangs erwähnten Geheimgefängnisse (die nach 9/11 von den USA betrieben wurden) befanden sich in Europa, und Entführungen durch amerikanische Agenten wurden auf europäischem Boden ausgeführt. Die gerichtliche Aufklärung hierzu ist spärlich; Haftbefehle wurden nicht vollstreckt, das Thema scheint abgeschlossen. Doch Drohnen fliegen weiterhin. Hat dies etwas mit Europa zu tun? Können wir nicht einfach nur bedauern, was aus einem Land wurde, das uns mit Marshall-Plan und Berliner Luftbrücke das Überleben sicherte? Uns darüber wundern, welch schändliche Transformation die älteste dauerhafte moderne Demokratie der Welt wählte?

Durch die Recherchen einer Gruppe Investigativjournalisten der Süddeutschen Zeitung wurde bekannt, dass zumindest die deutsche Regierung sich in Sachen Drohnen die Hände nicht in Unschuld waschen kann. Etliche Dokumente und Aussagen belegen, dass die US-Militärbasis Ramstein und damit das Hoheitsgebiet der Bundesrepublik Deutschland eine ausschlaggebende Rolle im Drohnenkrieg spielt. Die Datenleitung zur technischen Befehlsweitergabe zwischen den Drohnenpiloten auf amerikanischem Boden und den unbemannten Flugobjekten selbst, die im Nahen und Mittleren Osten unterwegs sind, läuft über die Militärbasis in Deutschland.

Dabei kommt der Befehl von der amerikanischen AFRICOM-Zentrale aus Stuttgart, die Drohnenpiloten selbst sitzen auf den Militärbasen „Creech“ bei Las Vegas, „Ellsworth“, „Whiteman“ und „Cannon“ in South-Dakota, in Missouri und in der Wüste New Mexicos. Ihnen soll kein ausländischer Staat habhaft werden. Die Krümmung der Erdkruste würde eine Echtzeitverbindung aus den USA mit den Drohnen im Einsatzgebiet unmöglich machen; ein per Knopfdruck ausgelöster Angriff würde ein fahrendes Auto verfehlen. Die einzige Satelliten-Relais-Station der USA in Reichweite der Einsatzorte befindet sich in Ramstein. Die Daten fließen zuerst per Glasfaserkabel aus den USA nach Ramstein und von dort per Satellit an die Drohnen im jeweiligen Einsatzgebiet. Ebenso laufen Daten von den Drohnen, wie die Echtzeitüberwachungsbilder, zurück an die Einsatzteams – und nach Langley in die CIA-Zentrale, die stets mit auf die geteilten Bildschirme der Piloten schaut.

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