Wenn das Beichtgeheimnis an die Grenzen kommt


Bild: © Fotolia.com/Piotr Slizewski
Darf einem Sexualverbrecher in der Beichte vergeben werden? Ist der Priester dem Beichtgeheimnis streng verpflichtet, auch wenn er von einer Straftat Kenntnis erlangt? Wie mit Menschen umgehen, die in der Beichte Krankheit und Traumatisierung zur Sprache bringen? Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister spricht im katholisch.de-Interview über Schuld und das Sakrament der Beichte.

Von Madeleine Spendier | katholisch.de

Jochen Sautermeister ist Moraltheologe und psychologischer Lebensberater in Bonn. In Gesprächen berät er Seelsorger und Seelsorgerinnen, wie sie sich in Konfliktsituationen verhalten sollen. Eine solche Situation ist etwa, wenn ein Geistlicher in der Beichte von sexuellem Missbrauch erfährt. Was dann besonders wichtig ist, erklärt Sautermeister im Interview.

Frage: Herr Sautermeister, wie soll sich ein Seelsorger verhalten, wenn in der Beichte von sexuellem Missbrauch gesprochen wird?

Sautermeister: Wenn eine Person in der Beichte zur Sprache bringt, dass sie sexuell missbraucht wurde, dann hat sie dafür selbstverständlich keine Schuld und muss diese auch nicht beichten. Die Schuld hat der Täter einzugestehen, nicht das Opfer! Leider gibt es jedoch in der Vergangenheit auch andere Erfahrungen im Beichtstuhl, von denen Betroffene berichten. Wenn in der Beichte Missbrauchserfahrungen zur Sprache kommen, muss es darum gehen, dem Beichtenden behutsam und einfühlsam zuzuhören und die seelische Not, das Leid und die Auswirkungen ernst zu nehmen, die sich auf das ganze Leben und die Beziehungen dieses Menschen erstrecken können. Generell kann man sagen: Immer wenn es um psychische Probleme, Krisen, Traumatisierungen oder Gewalterfahrungen geht, ist es gut, wenn Seelsorger Empfehlungen aussprechen, wo man kompetente, professionelle Hilfe bekommt oder ärztlichen Rat einholen kann. Alles, was im Beichtstuhl besprochen wird, darf aber nicht nach außen dringen.

weiterlesen