Der teleologische Gottesbeweis


Bild: Hannes Grobe (CC BY 3.0)
Schlussfolgerung von der Ordnung bzw. der scheinbaren Zweckhaftigkeit der Natur auf die Existenz eines Gottes.

Von Johannes Heinle | Richard-Dawkins-Foundation

Der teleologische Gottesbeweis (auch: desgin-argument) schlussfolgert von der Ordnung bzw. der scheinbaren Zweckhaftigkeit der Natur a posteriori auf dieExistenz eines intelligenten Designers (Gott)1:

  • (P1) Das Universum ist (a) lebensfreundlich geordnet bzw. (b) zweckmäßig.
  • (P2) Wenn eine Entität geordnet oder zweckmäßig ist, wurde sie von einem intelligenten Designer erschaffen.
  • (C1) Das Universum wurde von einem intelligenten Designer erschaffen.
  • (C2) Dieser intelligente Designer ist (der abrahamitische) Gott.

Dieses Argument wird häufig mit der Uhrmacher-Analogie untermauert2:

  • (A1) Das Universum und Uhren sind sich ähnlich (sind geordnet bzw. zweckhaft).
  • (A2) Uhren haben die Eigenschaft von einem ID erschaffen wurden zu sein.
  • (K1) Also wurde auch das Universum von einem ID erschaffen.

„Sie flanieren an einem Strand entlang und finden dort unverhofft eine Uhr.   Natürlich werden Sie annehmen, dass diese Uhr von einem Uhrmacher erschaffen wurde. Dann muss aber auch das Universum erschaffen wurden sein, da dieses noch viel geordneter und zweckhafter ist als eine Uhr.“3

Oder der teleologische G. wird als Schluss auf die beste Erklärung formuliert:

  • (A1*) Das Universum ist (a) lebensfreundlich geordnet bzw. (b) zweckmäßig.
  • (A2*) Die beste (oder vielleicht sogar einzige) Erklärung für geordnete bzw. zweckmäßige Entitäten ist ein intelligenter Designer.
  • (K1*) Das Universum wurde von einem intelligenten Designer erschaffen.

1. Kritik

1.1. Prämissen

(P1a) Das Universum ist lebensfreundlich geordnet.

Die Prämisse P1a ist unwahr. Das Universum ist überwiegend nichtlebensfreundlich geordnet. Sie müsste eigentlich lauten:

(P1a) Unser Planet Erde ermöglicht die irdische Form von Leben.

Das ist aber eine triviale Beobachtung: (i) Denn jedes Lebewesen muss sich notwendig immer in einer für das Lebewesen lebensfreundlichen Ordnung vorfinden, wäre dies nicht der Fall, könnte es gar nicht existieren (A. Prinzip).

(ii) Es ist auch nicht verwunderlich, dass unsere Lebensform so gut auf der Erde leben kann. Denn sie hat sich in evolutionärer Anpassung an die irdischen Umweltbedingungen entwickelt. Anders als der TG uns glauben lassen möchte, ist also nicht unsere Umwelt an uns, sondern wir an unsere Umwelt angepasst.

Es könnte auch noch ganz andere Lebensformen geben. Aus der Stringtheorie folgt die Existenz von 10500 Multiversen mit jeweils 1022 kosmischen Objekten. Das entspricht unvorstellbaren 10522 kosmischen Objekten. Für jedes dieser Objekte mag die Entstehung von Leben unwahrscheinlich sein. Dass aber überhaupt auf einem dieser kosmischen Objekte zeitweilig eine Form von Leben entstanden ist, war womöglich sehr wahrscheinlich.

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1Der Teleologische Gottesbeweis wird im Englischen daher oft als „argument from design“ bezeichnet. Da man dabei jedoch von einem Tatbestand bloßer Ordnung auf einen Planer dieser Ordnung schließen will, wäre der Ausdruck „argument to design“ adäquater. Vergleich: Antony Flew: Revisiting Arguments to Design (1999), S. 52 – 53.

2Analogieschlüsse haben generell die Form:

  • (P1) As und Bs sind sich ähnlich.
  • (P2) As haben die Eigenschaft F.
  • (K1) Bs haben ebenfalls die Eigenschaft F.

3Die Analogie geht nicht auf: Wenn die Uhr bereits dem gesamten Universum entspricht, haben Strand, Beobachter etc. keine Entsprechungen mehr.