Strassburg fordert die Freilassung des Erdogan-Gegners Demirtas


Anhänger der HDP halten Bilder des inhaftierten Selahattin Demirtas in die Höhe. Die Aufnahme stammt vom Juni 2018, als Demirtas aus der Zelle heraus als Präsidentschaftskandidat für die Partei antrat. (Bild: Umit Bektas / Reuters)
Demirtas galt lange Zeit als Gegenspieler des türkischen Präsidenten Erdogan. Seit der Kurdenpolitiker im Gefängnis sitzt, ist es still geworden um ihn. Nun bekommt er Hilfe vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte.

Daniel Steinvorth | Neue Zürcher Zeitung

Selahattin Demirtas war einmal ein Star in der türkischen Politik. Der charismatische Rechtsanwalt und frühere Co-Vorsitzende der Pro-Kurden-Partei HDP war ein Hoffnungsträger nicht nur für kurdische Wähler. Er hatte Anhänger auch in der Istanbuler Bohème, unter Grünen, Linken und LGBT-Aktivisten. Weil es ihm bei der Parlamentswahl von 2015 gelungen war, mit seiner Partei über die Zehn-Prozent-Hürde zu springen und Erdogans Regierungspartei AKP die absolute Mehrheit zu nehmen, sahen sie in ihm einen gewichtigen Gegenspieler des autoritären Präsidenten.

Lange ist das her. Nachdem Erdogan keine Gelegenheit ausgelassen hatte, seinen frechen Rivalen als «Terroristen» zu diffamieren, wurde Demirtas im November 2016 wegen «Terrorpropaganda und Mitgliedschaft in einer bewaffneten Terrororganisation» verhaftet.

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