Wer nervt hier wen?


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Atheisten oder Christen nerven Journalisten

Von Uwe Lehnert | Richard-Dawkins-Foundation

Die Online-Zeitung »Pro – Christliches Medienmagazin« zitiert am 15.11.2018 unter dem Titel »Wenn Atheisten nerven« den ZEIT-Journalisten Raoul Löbbert. Es heißt dort, dass seiner Auffassung nach heutige Atheisten nicht diskutieren, sondern nur die eigene Ignoranz bestätigt sehen wollen. Und weiter klagt er, dass er meistens einer Tirade von Anfeindungen ausgesetzt sei, wenn er auf einer Party davon berichte, dass er gläubig sei. Dabei sei er sich sicher, dass es auch für hartgesottene Atheisten Momente gebe, wo sie existenziellen Trost brauchen würden.

Ich vermute dagegen, dass der Herr Journalist eher einen Ungläubigen nervt mit seinen einfältigen Ansichten über Religion, Kirche und Katholizismus. Die Zeiten, als »Atheisten« den Drang verspürten, sich gegenüber der Übermacht von meist ja christlichen Gläubigen rechtfertigen zu müssen und mit wissenschaftlichen Erkenntnissen auftrumpften, sind doch längst vorbei. Heute begegnet ein Ungläubiger, also so ein »nervender Atheist«, einem seinen Glauben fröhlich und manchmal in freundlich-naiver Weise äußernden Menschen mit Nachsicht, mit freundlichem Verständnis, keinesfalls mit einem Schwall von Argumenten. Auch wenn es überheblich klingen mag, manchmal ist es eher Mitleid, das man mit einem Menschen empfindet, der von Kindesbeinen an geistig vergewaltigt wurde durch eine Lehre, die er als Kind überhaupt nicht verstehen, sondern nur glauben konnte – glauben im Vertrauen auf die Autorität von Pfarrer und Eltern. In diesem Alter werden solche Legenden und Versprechungen so tief im Unterbewusstsein verankert, dass sie später rationalen Argumenten so gut wie nicht mehr zugänglich sind.

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