Der Stammtisch der Gottlosen


„Man versteht sich, weil es die gleiche Wellenlänge ist“, sagt Michael Geyer (links). Wolf Steinberger (daneben) hat den Gottlosenstammtisch vor 20 Jahren gegründet. (Foto: Robert Haas)
Seit 20 Jahren treffen sich Atheisten, Agnostiker und ehemalige Taufscheinchristen, um über Gott und die Welt zu disputieren. Die Gruppe will ein Sprachrohr sein für Ungläubige.

Von Wolfgang Görl |Süddeutsche Zeitung

Ah, die Gottlosen“, ruft der Kellner in die Runde. „Geht’s euch gut?“ Michael Wladarsch antwortet prompt: „Ja, Gott sei dank.“

Ein Kneipenabend, der so beginnt, kann nicht ganz schlecht sein, auch wenn sehr fromme Menschen, wüssten sie, dass man sich hier unter dem Motto „Gottlosenstammtisch“ trifft, womöglich dreimal das Kreuz schlagen würden. Für den Kellner aber sind die etwa 20 Stammtischschwestern und -brüder ein gewohnter Anblick. Sie sind jeden vierten Donnerstag im Monat im Café Mariandl, und sollte jemand auf die Idee kommen, mit einem Blick unter den Tisch zu prüfen, ob in dem einen oder anderen Schuh ein Bocksfuß steckt, wäre das Ergebnis enttäuschend: Alle haben, so weit man sehen kann, ganz normale menschliche Beine.

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