Kann man neurologische Krankheiten mit synthetischer DNA behandeln?


Bild: NZZ
Mittlerweile interessieren sich auch Pharmafirmen für die Idee des Biochemikers Don Cleveland. Er will ALS, Parkinson und Alzheimer behandeln, in dem er verhindert, dass krankhafte Eiweisse im Gehirn entstehen. Im Interview erzählt er, wie weit er damit ist.

Nicola von Lutterotti | Neue Zürcher Zeitung

Herr Cleveland, was hat Sie als Biochemiker dazu motiviert, sich mit neurodegenerativen Leiden zu befassen?

An Medizin war ich ursprünglich gar nicht interessiert. Ich habe zunächst Physik studiert. Während dieser Zeit hatte ich häufig Kontakt mit Biochemie-Studenten, die begeistert von ihren vielen Versuchen erzählten. Da kam ich ins Grübeln, denn in der Physik dauern Experimente meist viele Jahre; auch benötigt man dazu oft grosse Teams. Nach dem Bachelorstudium habe ich daher beschlossen, auf Biochemie umzusteigen. Später hatte ich dann das grosse Glück, das Protein Tau – einen Wegbereiter der Alzheimerdemenz – zu isolieren. Diese Entdeckung, aber auch persönliche Erfahrungen waren schliesslich ausschlaggebend für meine heutige Forschungstätigkeit. So litt mein Vater am Parkinsonsyndrom. Daher weiss ich, was die Betroffenen vom Beginn bis zum Ende der Krankheit durchleben. Als enorm ernüchternd empfand ich, dass das in den 1960er Jahren eingeführte Medikament L-Dopa bei der Therapie nach wie vor Standard ist. Dieses Mittel wirkt zwar gut gegen die Bewegungsstörungen, gegen das fortschreitende Absterben der Nervenzellen ist es allerdings machtlos.

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