Das Rätsel der Welt liegt in unserem Inneren: Die Welt ist unsere Vorstellung, sagt Arthur Schopenhauer


Arthur Schopenhauer als junger Mann, porträtiert 1815 von Ludwig Sigismund Ruhl. Bild: Wikipedia.org/PD
Was ist das: Ich? Was ist Welt? Und wie hängt das eine mit dem anderen zusammen? Arthur Schopenhauer (1788–1860) hat diese Fragen auf eine Art beantwortet, die bis heute nichts von ihrer Radikalität verloren hat. Vor zweihundert Jahren ist sein Hauptwerk «Die Welt als Wille und Vorstellung» erschienen.

Rüdiger Safranski | Neue Zürcher Zeitung

Schopenhauer ist immer wieder aktuell. Und immer wieder ist er es über lange Zeit nicht gewesen. Der «Wahrheit», schreibt Schopenhauer in der ersten Vorrede zu «Die Welt als Wille und Vorstellung», sei nur ein kurzes «Siegesfest» beschieden, «zwischen den beiden Zeiträumen, wo sie als paradox verdammt und als trivial geringgeschätzt wird».

Paradox musste Schopenhauers Philosophie in ihrer Entstehungszeit wirken, in der Zeit des Idealismus, als man immer noch oder wieder glaubte, dass es der Geist sei, der die Welt zuinnerst zusammenhält. Anders Schopenhauer: Ihm ist der Grund zum Abgrund, der Logos zum Herz der Finsternis geworden. Das innere Wesen der Welt nannte er «Wille», eine dynamische, aber blinde Naturmacht.

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