Darwin neu übersetzt: Eine Frage des Überlebens


Darwin-Büste im Naturkunde-Museum Berlin. Bild: BB

Mit seinem „Ursprung der Arten“ erschütterte Charles Darwin vor bald 150 Jahren unser Weltbild. Jetzt liegt das Buch in neuer Übersetzung vor.

Ulli Kulke | Berliner Morgenpost

Ein Begriff ist es vor allem, den wir mit Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, verbinden. Dabei stammt er nicht einmal von ihm. Im englischen Original lautet er „Survival of the fittest“. Übersetzt heißt es: „Das Überleben des …“ – ja, wessen Überleben eigentlich? So klar ist das nicht in der deutschen Sprache. Etwa des Stärksten, des Gesündesten, des Klügsten? Eine Überlebensfrage, bei der es um mehr geht als um Wortklauberei.

Wir lesen den Begriff in Darwins berühmtesten Buch, in dem er uns – nach jahrelanger Forschungsweltreise – die Systematik erklärt, in der sich das Leben entwickelt, auf Basis welcher Naturgesetze sich Tier- und Pflanzenarten ausgebildet haben. Insbesondere aber, wie sie sich stets wandelnden Bedingungen anpassten, durch Änderung ihrer Merkmale über unzählige Generationen – oder ausstarben, das Überleben nicht schafften. „On the Origin of Species“, lautet sein Titel, in der deutsche Ausgabe „Die Entstehung der Arten“ – oder jetzt, seit November 2018, „Der Ursprung der Arten“. Wir sehen auch hier: Es ist sprachlich manches interpretierbar, derzeit einiges im Fluss bei dem Buch, das in seiner weltweiten Wirkmacht gerade noch von der Bibel oder dem Koran übertroffen wird, „Das Kapital“ von Karl Marx aber abhängt. Sprache ist im Wandel, wenn ein solches Jahrhundertbuch einer Neuübersetzung unterzogen wird, wie es bei Darwin jetzt der Fall ist.

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