«Implant Files» gibt es in der Schweiz schon länger


Hüftgelenke stellten sich für Sulzer Medica als heisses Eisen heraus. Nach dem Skandal um verunreinigte Implantate ging das Unternehmen im Spin-off Centerpulse auf. Diese Firma wurde später an die amerikanische Zimmer verkauft, die späterhin mit ähnlichen Problemen wie einst Sulzer Medica kämpfte. (Bild: Michele Limina / Keystone)
Ein Recherchekonsortium schreckt mit den «Implant Files» derzeit Patienten und die Medtech-Branche auf: Bei Implantaten werde gepfuscht und anschliessend vertuscht, heisst es. In der Schweiz ist das eigentlich nichts Neues, wie drei bekannte Fälle zeigen.

Sylviane Chassot | Neue Zürcher Zeitung

Sulzer Medica: Mineralöle an Gelenkschalen

  • Problem: Das 1997 vom Winterthurer Industriekonzern Sulzer abgespaltene Medizinaltechnikunternehmen Sulzer Medica geriet im Jahr 2001 in grosse Nöte, als sich herausstellte, dass vom Unternehmen produzierte Hüftgelenke mit Mineralöspuren verunreinigt waren. Aufgrund der Verunreinigung konnte sich die Gelenkschale in den Monaten nach der Operation lockern. Betroffene konnten nicht mehr selbständig gehen und litten unter grossen Schmerzen. Wie das Mineralöl auf die Gelenkschalen gelangt war, schilderte der damalige Firmensprecher in einem Interview mit dem «Spiegel»: «Wir hatten beim Produktionsprozess eine Leckage, bei der Schmiermittel in das Kühlwasser getropft ist, in dem sich die Schalen zum Abkühlen befanden.»
  • Reaktion: Sulzer startete eine Rückrufaktion. Anfangs wollte man noch beruhigen: Die Rückrufaktion beziehe sich nicht auf bereits verpflanzte Hüftgelenke, sondern lediglich auf Material, das noch in den Regalen liege, liess der Firmensprecher verlauten. Der Skandal weitete sich jedoch aus, bald wurde bekannt, dass nicht nur künstliche Hüft-, sondern auch Kniegelenke betroffen waren. Zudem mussten rund 2000 Revisionsoperationen durchgeführt werden.

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