Liberté, Egalité, Laïcité – wie ein Land versucht, die Religion zu vergessen


Foto einer Demonstration in Mulhouse gegen die Diskriminierung verschleierter Musliminnen (dpa / Darek Szuster)
Der 9. Dezember ist der Tag der Laïcité: Er erinnert an das Gesetz von 1905, mit dem die Trennung von Kirche und Staat besiegelt wurde. Was damals den Einfluss des Katholizismus zurückdrängen sollte, gilt heute der Religion an sich. Das Prinzip ist heilig, aber kein Allheilmittel.

Von Andreas Meier | Deutschlandfunk

„In der französischen Universität beschäftigt sich fast niemand mit biblischen Texten, die zur Grundlage unserer Kultur gehören“, sagt Oliver Abel. „So entgeht unseren Studenten ein großer Teil unserer literarischen Kultur. Und die Philosophie kennt die theologischen Fragen nicht, welche große Philosophen wie Descartes, Kant, Hegel und auch Nietzsche beschäftigt haben. Es ist ein Übel, dass eine globale Kultur des Vergessens Frankreich beherrscht.“

Oliver Abel ist Professor für Moralphilosophie an der Fakultät für Evangelische Theologie in Montpellier. Was er vermisst und was Frankreich seiner Ansicht nach vergisst: die religiöse Bildung. Seine Kritik berührt ein Prinzip des französischen Selbstverständnisses: die Laïcité, also die strikte Trennung von Staat und Kirche, von Staat und Religion.

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