Evangelische Kirche: Tumult statt Konsens


Im Gespräch bleiben, auch wenn die Auffassungen weit auseinandergehen – das fällt auch der Kirchengemeinde in Hegnach schwer (imago/Ikon Images)
Mehr Bibeltreue und weniger Gender-Debatten, fordern konservativ-evangelikale Christen. Liberale Gläubige sehen darin eine Nähe zu populistischen Positionen. Vielerorts gibt es Spannungen um den rechten Protestantismus – in einer schwäbischen Gemeinde ist ein offener Konflikt ausgebrochen.

Von Uschi Götz | Deutschlandfunk

„Das, was mir zugetragen wurde, ist, dass Leute aufgestanden sind, dass geschrien wurde, dass einige von den Unterzeichnern auch den Raum verlassen haben. Dabei ist es zu den persönlichen Verletzungen gekommen.“ Dekan Timmo Hertneck erzählt ruhig, versucht beiden Seiten in seiner Beschreibung gerecht zu werden. Öffentlich wollen die wenigstens etwas sagen, die Sache ist heikel. Der Versuch, einen Streit zwischen zwei kirchlichen Strömungen im Waiblinger Teilort Hegnach mittels Schlichtung beizulegen, endete im Oktober in einem Tumult.

Das Kirchenjahr ist zu Ende, die Gemeinde gespalten wie nie zuvor. Langjährige Kirchenmitarbeiter haben gekündigt, Eltern lassen ihre Kinder woanders konfirmieren, auch von Kirchenaustritten ist die Rede. Bibeltreue Protestanten haben sich mit liberalen Christen überworfen, im Mittelpunkt steht dabei ein evangelischer Pfarrer, der 2016 in die rund 4500 Einwohner zählende Gemeinde nordöstlich von Stuttgart kam.

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