Necla Kelek und der falsche Umgang mit Muslimen


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Innenminister Horst Seehofer wünschte sich bei der Deutschen Islamkonferenz in Berlin einen „Islam in, aus und für Deutschland“, zudem Moscheevereine, die finanziell vom Ausland unabhängig sind. Und er möchte „den muslimischen Glauben mit der deutschen gewachsenen Kultur“ versöhnen. Über die Probleme der Muslime durch Selbstausgrenzung, Parallelgesellschaften, eine andere Leitkultur und eine islamisch geprägte Identitätspolitik sprach er nicht.

Necla Kelek | Kreisanzeiger

Er machte keine Ansagen, forderte nicht, sondern merkte allenfalls Dinge an. Zum Beispiel die Rolle, die der größte türkische Moscheeverband Ditib hierzulande spielt. Ditib wird mit seinen 900 Moscheen von der türkischen Regierung finanziert, leitet die Imame aus Ankara an und steuert die Vereinspolitik bis in den letzten Moscheeverein. Damit möge doch bitte Schluss sein, bat der Innenminister, und erbot sich, zukünftig die Imamausbildung im Land zu fördern. Die Forderung, dass mit der Auslandsfinanzierung und Bevormundung Schluss sein muss, äußerte er nicht. Er möchte, dass sich die Muslime in Deutschland so organisieren, dass sie eine gemeinsame Vertretung haben und Verabredungen getroffen werden können.

Die Islamkonferenz war nicht als Wertedebatte zwischen Regierung und den muslimischen Gemeinschaften angelegt. Regierungsvertreter waren bei den Diskussionen gar nicht vertreten. Der Staat moderierte nur, hielt sich ansonsten zurück. Es wurde viel über Befindlichkeiten gesprochen, Erkenntnisse oder Ergebnisse wurden offengelassen, in die Zukunft vertagt.