Die Gewalt der Gelbwesten steht in einer langen Tradition


Der von Protestierenden besprayte Arc de Triomphe soll eine neue Bedeutung bekommen – und nunmehr den Triumph der Gelbwesten symbolisieren. (Bild: Etienne Laurent / EPA)
Zertrümmerte Marianne-Statuen, Schmierereien am Arc de Triomphe: Bei den Protesten der französischen «gilets jaunes» geraten auch die Insignien der Republik unter Beschuss. Die gezielten Angriffe auf Symbole der Staatsmacht erinnern an frühere Bilderstürme.

Clemens Klünemann | Neue Zürcher Zeitung

Raunend hiess es jüngst in Radio- und Fernsehberichten aus Paris, dass das Wort «Revolution» die Runde mache. Und tatsächlich legen die Bilder von Strassenschlachten mit brennenden Autos und Tränengasqualm vor der Kulisse des Triumphbogens auf der Pariser Place de l’Etoile solche Assoziationen nahe. Doch genauer betrachtet, verkompliziert sich die Sache.

Zum Revolutionsmythos gehören «das Volk» als Akteur, universale Werte und dazu ein korrupter Herrscher, dessen Macht im Lauf einer langen Regentschaft marode geworden ist. Auf den ersten Blick trifft nichts von alledem auf die derzeitigen Unruhen in Frankreich zu: Denn wer erhebt sich da im Namen welcher Werte gegen einen jungen Präsidenten, der vor nicht einmal eineinhalb Jahren als Hoffnungsträger ins Amt gewählt wurde? Es ist eine aufgebrachte Menge, deren Botschaft abgesehen von vereinzelten politischen Forderungen primär der Hohn und der Hass zu sein scheinen.

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