Die Wertform: Das Fundament der kapitalistischen Produktionsweise


Grafik: TP
2017 erschien eine Taschenbuchausgabe des „Kapitals“ von Karl Marx. Legt man die Reaktion der marxistischen Öffentlichkeit, mit Ausnahmen natürlich, zugrunde, so handelt es sich nur um eine weitere Neuauflage des „Kapitals“ ohne weitere Bedeutung wie seit Jahrzehnten.

Heinrich Harbach | TELEPOLIS

Also spricht man in diesen so zivilisierten Kreisen nicht darüber, wie auch insgesamt die Tendenz einer Abkehr von der exakten theoretischen Arbeit nicht zu übersehen ist, parallel zum Verblassen des nichtkapitalistischen Gesellschaftsbilds innerhalb Der Linken.

Hierin liegt jedoch ein kolossaler Irrtum sowohl in Bezug auf den Inhalt der Taschenbuchausgabe als auch deren Struktur. Die Teile 1.1 bis 1.4 entsprechen im Wesentlichen den bisherigen Auflagen, der Inhalt des Teiles „Das Kapital 1.5 Die Wertform“ jedoch ist hier zum ersten Mal in dieser Form veröffentlicht.

Es ist das Verdienst der Editoren Rolf Hecker und Ingo Stützle, profunde „Kapital“-Kenner, das quasi unvollendete „Kapital“ um einen wesentlichen, ja grundlegenden Aspekt mit genauer wissenschaftlicher Analyse bereichert zu haben und dabei die Schieflage der „Kapital“- Interpretationen, noch zu Lebzeiten von Marx einsetzend, etwas „gerader“ zu rücken. Denn nach den Erfahrungen mit dem sogenannten Realsozialismus gehen alle Marxinterpretationen, als sei nichts gewesen, von der Grundannahme aus, dass eine nichtkapitalistische Gesellschaft eine Warengesellschaft sein müsse.

Diese Folgerung ist aber aus der Marxschen Kapitalismusanalyse nicht ableitbar. Marx stellt fest, dass das „Kapital“ als Dreh- und Angelpunkt des Systems sich verwertender Wert ist und die „Wertform“ seine Grundlage, d. h. sein Fundament bildet. Fast könnte man sagen, wenn Marx von Wert spricht, meint er immer die Wertform.

Im „Kapital“ wird daher, auch in den ersten 3 Kapiteln des 1. Bandes bei der Darstellung von „Ware und Geld“, die „kontemporäre Geschichte“ des Kapitalismus vorausgesetzt, auch wenn der Wert noch nicht als Kapital auftritt.

weiterlesen