„Die katholische Sexualmoral ist unmenschlich“


Priesterweihe im Petersdom in Rom. Foto: afp
Joachim Reich ist Deutschlands einziger Zölibatsberater für Priester, die mit der Keuschheit hadern. Er kritisiert die Lehre der Kirche über Sexualität – und auch den neuerlichen Vorstoß der Bischöfe.

Von Simon Berninger | Frankfurter Rundschau

Herr Reich, seit zehn Jahren beraten Sie in Berlin Kleriker, die mit ihrem Zölibatsleben hadern. Überrascht es Sie, dass der Berliner Erzbischof Heiner Koch auf Anfrage von Ihrer kirchlich unabhängigen Arbeit nichts wissen wollte?
Ja und nein. Es zeigt nur, dass die Kirche sich immer noch das jungfernhafte Unbehagen leistet, sich mit der Sexualität ihrer Leistungsträger nicht ehrlich zu befassen, wie dies übrigens in vielen Organisationen und gesellschaftlichen Kontexten der Fall ist – Stichwort #MeToo. Allerdings erhebt keine andere Organisation – außer der katholischen Kirche – für sich den Anspruch, die globale und einzige Moral-Agentur der Menschheit zu sein. Nicht nur die weltweiten kirchlichen Missbrauchsfälle, auch ein Blick in 2000 Jahre Kirchengeschichte sollte doch wirklich ausreichen, moralische Hegemonie und ekklesiale Selbstgerechtigkeit in stille Demut zu verwandeln. Und ja, auch zölibatäre Kleriker bleiben sexuelle Wesen!

weiterlesen