Wie hält der Staat es mit den Religionen?

Brachte in der Bayerischen Staatskanzlei ein Holzkreuz an: CSU-Politiker Markus Söder (Peter Kneffel/dpa)
Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt. Aber viele Gesetze stammen noch aus den 1950er-Jahren, als 96 Prozent der Deutschen einer christlichen Kirche angehörten. Sind sie noch zeitgemäß? Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Ulrich Willems.

Ulrich Willems im Gespräch mit Christopher Ricke | Deutschlandfunk Kultur

Christopher Ricke: Die Vielfalt der Religionen ist unser Thema heute Nachmittag. Politisch ist diese Vielfalt in Deutschland eher schlecht abgebildet. Das könnte ein Problem sein. Unsere gesetzlichen Grundlagen sind Jahrzehnte alt, damals waren 96 Prozent der Deutschen Christen. Ich habe mit Ulrich Willems gesprochen. Der Politikprofessor an der Uni Münster ist der der Herausgeber des Buchs „Religionspolitik heute“. Herr Willems, die Religionsfreiheit steht in der Verfassung, ganz aktuell der Koalitionsvertrag, Zitat: „Auf Basis der christlichen Prägung unseres Landes setzen wir uns für ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt ein.“ Warum reicht das nicht als Update für das 21. Jahrhundert?

Ulrich Willems: Das reicht deshalb nicht, weil wie Sie ja in Ihrer Anmoderation schon erwähnt haben, wir eine sehr deutliche Veränderung der religiösen Landschaft haben. Sie haben die Zahlen erwähnt aus den 50er-Jahren, über 96 Prozent waren Mitglied der beiden großen christlichen Kirchen. Man könnte also von einer religiös homogenen Gesellschaft sprechen. Heute sind weit über ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik konfessionslos, die Muslime bilden mit 5 Prozent die größte Minderheitsreligion. Und das Problem besteht darin, dass zum einen viele der Regeln, die wir haben, eben auf die Situation einer religiös homogenen Gesellschaft zugeschnitten sind. Aber das ist es nicht allein.

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Tornados widerlegen Theorie

Tornados rotieren unten zuerst – und widersprechen damit gängiger Theorie © Rasica/ iStock
Überraschende Entdeckung: Tornados entstehen offenbar anders als bisher gedacht – von unten nach oben statt umgekehrt. Das haben Forscher entdeckt, als sie bei vier Tornados die Rotation mittels Radar vermessen haben. Zu ihrer Verblüffung begann der dunkle Wolkenschlauch der Windhose erst unten zu drehen, bevor die Rotation auch obere Bereiche erfasste. Das widerspricht der gängigen Theorie zur Tornadobildung, so die Forscher.

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Die rotierenden Windhosen der Tornados sorgen vor allem in den USA immer wieder für verheerende Zerstörungen. Aber auch bei uns in Mitteleuropa können Tornados auftreten – wenn auch seltener und schwächer ausgeprägt. Diese Windhosen entstehen immer dann, wenn feuchtwarme und kalte Luftmassen aufeinander treffen. An der Luftmassengrenze stürzt dann die kalte Luft in einem Strudel nach unten, während die Warmluft nach oben steigt. Es bildet sich ein dunkler Wolkenschlauch, der sich langsam aus einer Wolke nach unten absenkt.

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Die Polizei – dein Feind und Henker?

Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm Bild: dpa
Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

Von Katharina Iskandar, Lorenz Hemicker | Frankfurter Allgemeine Zeitung

Es war im August, als Seda Basay-Yildiz ein Fax empfing. Es wurde an ihre Frankfurter Kanzlei geschickt. Anonym. „Miese Türkensau“, stand darin. „Du machst Deutschland nicht fertig.“ So drastisch die Wortwahl auch war, so sind sie für die Anwältin fast schon normal. Sie ist oft Beschimpfungen ausgesetzt. Aber was dann folgte, übertraf alles, was sie bisher über sich ergehen lassen musste. In dem Schreiben wurde ihre Tochter mit dem Tode bedroht, es war die Rede von „schlachten“. Basay-Yildiz ist keine ängstliche Frau. Aber diesmal sagte sie: „Das ging zu weit.“ Sie informierte die Polizei und erstattete Anzeige. Es gab mehrere Gespräche mit Beamten des Staatsschutzes.

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Der türkische Staat muss der alevitischen Gemeinde die Stromrechnung bezahlen

Aleviten in der Türkei © Shabtai Gold (dpa
Die Aleviten in der Türkei haben vor dem obersten Berufungsgericht einen kleinen, aber wichtigen Sieg errungen. Seit Jahrhunderten ist die Glaubensrichtung ein fester Teil der Türkei – wurde aber immer wieder verfolgt.

DOMRADIO.DE

Es mag sich kleinlich anhören, doch für die alevitische Gemeinde in der Türkei ist es ein bedeutender Sieg. Ende November hat das Berufungsgericht der Türkei entschieden, dass der Staat die Stromrechnung für die alevitischen Gotteshäuser bezahlen muss. Vorangegangen war ein jahrelanger Streit der Gemeinde mit der türkischen Regierung. Schon 2016 hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte entschieden, dass Ankara für die Kosten aufkommen müsse.

Das Urteil wurde auch von der obersten türkischen Kammer bestätigt. Nur war Ankara der Aufforderung nie nachgekommen. Die Gemeinde hatte sich seitdem geweigert, Strom- und Wasserrechnungen zu begleichen.

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Wirtschaftsmacht Mafia

„Justiz gegen die Mafia“. Graffiti im italienischen Siracusa. Foto: Davide Mauro / CC BY-SA 4.0
Trotz einiger herber Rückschläge erwirtschaftet die italienische Mafia vor allem mit Drogenhandel satte Gewinne, die sie u. a. in der deutschen Immobilienbranche legalisiert

Birgit Gärtner | TELEPOLIS

Am Mittwoch, den 5. Dezember 2018, gelang es bei der „Operation Pollino“, einer länderübergreifenden Razzia, der kalabrischen Mafia-Organisation ‚Ndrangheta einen herben Schlag zu versetzen. In vier Ländern, Italien, Belgien, den Niederlanden und Deutschland, klickten die Handschellen, bis zur Pressekonferenz um 12 Uhr wurden insgesamt 84 Verdächtige festgenommen, 14 davon in Deutschland.

440 deutsche Fahnder durchsuchten allein 65 Objekte, 63 in Nordrhein-Westfalen und zwei in München. Im Rahmen der länderübergreifenden konzertierten Aktion wurden zusammengenommen Vermögenswerte im Wert von etwa 5 Millionen Euro beschlagnahmt. Davon 2 Millionen Euro Bargeld, außerdem 4000 kg Kokain und 140 kg Ecstasy-Pillen.

Solche Razzien sorgen einige Tage für Schlagzeilen, geraten dann aber wieder aus dem öffentlichen Bewusstsein. Die Mafia existiert für die meisten Deutschen nur als romantische Vorstellung aus beliebten Krimis, im realen Leben wird sie eher nicht zur Kenntnis genommen. Zum einen, weil die Gefahr völlig unterschätzt wird. So schreibt die deutsch-italienische Publizistin Petra Reski in einem ihrer Bücher über die italienische Mafia:

Ich erklärte, dass ein Europa ohne Grenzen nicht nur für Urlauber, sondern vor allem auch für die Mafia gelten würde. Und die Leser sahen mich an, als würde ich sie vor einer in der Ferne aufziehenden Giftwolke warnen. Eine Giftwolke, vor deren Auswirkungen sie jedoch nichts zu befürchten hätten, wenn sie das Haus nicht verlassen würden.

Petra Reski

Zum anderen, weil die Bürgerinnen und Bürger nicht direkt betroffen seien, sagte eine italienische Expertin in der ZDF-Doku „Die Paten von der Ruhr – Mafia-Paradies Deutschland“.

Eine fatale Fehleinschätzung, denn Drogen bringen nur Geld, wenn sie auch verkauft werden. Drogensucht ist nach wie vor ein großes Problem in Deutschland, die Suchtmittel werden immer aggressiver, verunreinigt oder gestreckt. Mietenexplosion, Lohndumping, Pfusch am Bau und Korruption geht uns alle an, von den gesundheitlichen Folgen verunreinigter, gepanschter oder gestreckter Lebensmittel können wir alle betroffen sein. Außerdem sollte es uns nicht egal sein, wenn ganze Regionen in Italien mit unserem Giftmüll regelrecht verseucht werden.

Es könnte tatsächlich eine „Tatort“-Folge mit Kommissar „Schimanski“ sein: Zu Beginn des Films sind verkleidete Menschen zu sehen, Lachen, Stimmengewirr, ausgelassene Jugendliche, die rumalbern und sich mit Eiern bewerfen. Karneval in Kalabrien, eine Region im Süden Italiens. Eine Limousine fährt ins Bild. Ehrfürchtig treten die Menschen beiseite – nur einige der Jugendlichen nicht. Sie bewerfen die Luxuskarosse mit Eiern.

Die folgenden Minuten sind gespickt mit Szenen, in denen Menschen streiten, sich gegenseitig lautstark beschimpfen und heftig gestikulierend bedrohen. Die nächste Szene spielt auf einem Friedhof: Eine Frau wird zu Grabe getragen. Szenenwechsel. Duisburg. Dunkelheit. Stimmen sind zu hören. Aus einer Pizzeria scheint ein schwaches Licht auf den Gehsteig. Auf dem Bürgersteig davor ist silhouettenhaft eine Gruppe Männer zu erkennen. Unvermittelt sind Schüsse zu hören.

Die Silhouetten sacken in sich zusammen, dunkle Gestalten kommen heran, setzen jedem einzelnen eine Pistole an die Schläfe und drücken ab. Jeder der Männer wird regelrecht hingerichtet. Dann fahren die Mörder in einem Kleinwagen mit quietschenden Reifen davon. Erneuter Szenenwechsel: Schimmi hat seinen ersten Auftritt.

Es folgen 85 Minuten mit seinem rasanten und gewohnt brachialen Ermittlungsstil: Die Fäuste fliegen schon mal, es kommt zu der einen oder anderen Kabbelei mit Kollege Thanner, ein, zwei Mal schiebt er seine Dienstmarke über den Schreibtisch seines Chefs, der ihn entnervt vom Dienst suspendieren will und Klaus Lage singt im Hintergrund „Faust auf Faust“.

So ganz nebenher fördert der rüpelige TV-Kommissar ein bis dato gut gehütetes Geheimnis zu Tage: Die kriminellen und gewalttätigen Umtriebe der italienischen Mafia, genau genommen der kalabrischen ‚Ndrangheta, in Deutschland. Knapp 90 Minuten nach dem Eierwurf präsentiert der Vorgesetzte Schimanskis auf einer Pressekonferenz triumphierend 2 Millionen Euro Bargeld, 4.000 kg Kokain und 140 kg Ecstasy-Pillen.

Außerdem verweist er auf 90 Festnahmen in mehreren europäischen Ländern. Nicht ohne seinen herausragenden persönlichen Anteil an diesem Ermittlungsergebnis gebührend zu betonen. Ferner präsentiert er eine Liste mit Namen, die den Beweis dafür liefert, dass die Hauptakteure in diesem Drogenhandel auch mit den Morden in Duisburg in Verbindung stehen.

Die letzte Filmsequenz springt wieder nach Italien: Im Schritttempo fährt eine schwarze Limousine durch einen Ort, die Menschen machen ehrfürchtig Platz und grüßen ehrerbietig. Der Wagen fährt auf eine Gruppe rangelnder Jugendlicher zu … Dann erklingt die vertraute Filmmusik von Klaus Doldinger.

Im wirklichen Leben hieß der ermittelnde Kommissar Heinz Sprenger und statt 90 Minuten vergingen von dem Eierwurf im kalabrischen Karneval 1991 bis zur länderübergreifenden „Operation Pollino“ gegen die ‚Ndrangheta am 5. Dezember 2018 fast 27 Jahre.

Sprenger ist inzwischen lange pensioniert. Aber seine Ermittlungen nach den Duisburger Morden, bildeten die Grundlage für alle Fahndungserfolge hinsichtlich der ‚Ndrangheta in Deutschland. Dazwischen liegen mehrere Morde, der Aufbau internationaler Strukturen des Drogenhandels, weltweite Vernetzung, Geldwäsche, Geldanlagen in Pizzerien, Eisdielen und Bordelle, damit verbunden massive Einflussnahme auf das Immobiliengewerbe.

Am Anfang stehen ein paar Eier; am (vorläufigen) Ende die 90 Festnahmen und die 2 Millionen Drogengeld, Beschlagnahmung von Sachvermögen, außerdem ca. 4.000 kg Kokain sowie 140 kg Ecstasy-Pillen – und Duisburg ist der Dreh- und Angelpunkt dieser Geschichte. Zumindest in der (öffentlichen) Wahrnehmung der Mafia in Deutschland.

Alles beginnt mit einem Dummejungenstreich im kalabrischen Karneval: Ein paar Jungen bewarfen eine Limousine mit Eiern. Leider saß darin ein hoher Clanchef der ‚Ndrangheta, der das offenbar persönlich nahm. Die Folge war eine Fehde unter verschiedenen Familien der ‚Ndrangheta, deren vorläufiger Höhepunkt der Mord an Maria Strangio, Ehefrau eines Clanchefs, Weihnachten 2006 war.

Als Folge wiederum davon wurden am 15. August 2007 sechs junge Männer vor der Pizzeria „Da Bruno“ in Duisburg zuerst niedergeschossen und dann einzeln mit einem Kopfschuss regelrecht hingerichtet. Der Jüngste von ihnen war 16 Jahre alt.

Die Frankfurter Rundschau (FR) schreibt, die Männer seien auf einer Feier anlässlich der Aufnahme eines neuen Familienmitglieds gewesen, die im Hinterzimmer des „Da Bruno“ stattgefunden hätte. Ein übliches Procedere, diese Rituale in den familien-, bzw. firmeneigenen Lokalen auszuführen.

Durch diese Morde wurden die Behörden überhaupt darauf aufmerksam, dass die italienische Mafia auch in Deutschland aktiv war, bzw. ist. Bis dahin waren sie davon ausgegangen, dass Deutschland nur als Rückzugsort diente, z. B. um Mafiosi Unterschlupf zu gewähren, nach denen in Italien gefahndet wurde.

Zwar wurde die italienische Mafia auch mit Schutzgelderpressung, auch in Deutschland, in Zusammenhang gebracht, im Großen und Ganzen galt sie hierzulande jedoch als Stoff, aus dem die guten Krimis sind, wie z. B. „Der Pate“. Spektakuläre Raubüberfälle und besonders brutale Gewaltverbrechen wurden als Einzelfall gewertet; niemand ahnte, dass dahinter organisierte kriminelle Strukturen stehen, schon gar nicht wurden die Verwandtschaftsverhältnisse der kalabrischen Mafia-Organisation ‚Ndrangheta durchschaut.

Zu dem Zeitpunkt war die italienische Mafia, insbesondere die ‚Ndrangheta, allerdings schon hyperaktiv. Mit Drogen-, Waffen- und Menschenhandel sowie illegaler Müllentsorgung, auch Giftmüll, verdient sie unvorstellbare Summen. Laut der erwähnten ZDF-Dokumentation dominiert sie mittlerweile den weltweiten Drogenhandel und Deutschland ist die logistische Basis dafür.

In den 1960er Jahren kamen die als billige Arbeitskräfte angeworbenen „Gastarbeiter“, viele von ihnen aus Italien. Insbesondere die Industrie des Ruhrgebiets hatte Bedarf an Arbeitskräften, so dass sich an Rhein und Ruhr rasch italienische Communities bildeten. Diese brachten Pizzerien und Eisdielen nach NRW – und die Mafia. Die begann, Schutzgeld zu erpressen, sich so ein ökonomisches Fundament zu schaffen.

Die Lokale dienten gleichermaßen als Unterschlupf für Mafiosis, die in Italien wegen Gewaltverbrechen oder Raubüberfällen gesucht wurden, später als Drogenumschlagsplatz sowie als Basis und Treffpunkt für die Aktivitäten in der Diaspora.

Von dem erpressten, erbeuteten und durch Drogenhandel „erwirtschafteten“ Geld wurden Zug um Zug Gebäude gemietet, bzw. gekauft, die ‚Ndrangheta investierte nach der Wende u.a. in Immobilien im Osten, z. B. in Leipzig und in Erfurt, es wurden bundesweit Pizzerien, Eisdielen und auch Bordelle eingerichtet.

Auch dabei ist der Ausgangspunkt das „Da Bruno“ in Duisburg: Anfang der 1990er Jahre arbeiteten dort der FR zufolge zwei Männer, einer ursprünglich aus der Toskana, der andere aus Kalabrien, die mit viel Geld – vermutlich aus San Luca – Restaurants, Cafés und Eisdielen in Berlin und Ostdeutschland eröffneten. Die Namen der beiden Männer dürfen nicht genannt werden, dafür hat ein gewiefter Anwalt gesorgt – bundesdeutsche Gerichte haben ihm Recht gegeben.

Die FR schreibt:

Unter ihrer Führung ist Erfurt zu einem der wichtigsten Knotenpunkte im europäischen ‚Ndrangheta-Netzwerk aufgestiegen. Als der Clan Romeo vor einigen Jahren ein Restaurant im Zentrum von Rom kaufte, konnte die Erfurter Gruppe 1,3 Milliarden Euro dafür ausgeben. Die italienischen Ermittler versuchten jahrelang, die Quelle des Geldes zu finden. Vergeblich.

Die DIA (das Anti-Mafia-Dezernat im Rom, Anm. d. Verf.) vermutet, dass die Erfurter Gruppe bereits den Anschluss zu einigen wichtigen Entscheidungsträgern in der Politik und Wirtschaftswelt gefunden hat. Die Mafiosi wissen, dass man mit Zustimmung bessere Geschäfte macht als mit der Angst.

Und keiner weiß das besser als der Mann mit der dunklen Jacke. In seinen Restaurants sind oft Politiker, Unternehmer, Schauspieler und Sportler zu Gast. Für die Foto-Galerien auf den Webseiten der Restaurants lässt er sich gerne neben ahnungslosen Prominenten fotografieren. „Jedes Foto ist eine Kampfansage“, hat Enrico Senatore, der römische Mafia-Ermittler, gesagt. „Die Botschaft lautet: Das ist unsere Welt, wir gehören hierher“.

Die deutsche Öffentlichkeit hofiert den Mann mit der dunklen Jacke als Vertreter des Italian Style. Wegen seines Engagements in gemeinnützigen Projekten ist er in der Presse als Wohltäter und Mäzen gefeiert worden.

Frankfurter Rundschau

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New Neurons For the Brain

image: Neuronal transplants (blue) connect with host neurons (yellow) in the adult mouse brain in a highly specific manner, rebuilding neural networks lost upon injury. Credit: © Sofia Grade (LMU/Helmholtz Zentrum München)
Transplanted embryonic nerve cells can functionally integrate into damaged neural networks.

By Max Planck Institute of Neurobiology | NAUTILUS

When it comes to recovering from insult, the adult human brain has very little ability to compensate for nerve-cell loss. Biomedical researchers and clinicians are therefore exploring the possibility of using transplanted nerve cells to replace neurons that have been irreparably damaged as a result of trauma or disease. However, it is not clear whether transplanted neurons can be integrated sufficiently, to result in restored function of the lesioned network. Now researchers at the Max Planck Institute of Neurobiology in Martinsried, the Ludwig Maximilians University Munich, and the Helmholtz Zentrum München have demonstrated that, in mice, transplanted embryonic nerve cells can indeed be incorporated into an existing network and correctly carry out the tasks of damaged cells originally found in that region.

Neurodegenerative diseases such as Alzheimer’s or Parkinson’s disease, but also stroke or certain injuries lead to a loss of brain cells. The mammalian brain can replace these cells only in very limited areas, making the loss in most cases a permanent one. The transplantation of young nerve cells into an affected network of patients, for example with Parkinson’s disease, allow for the possibility of a medical improvement of clinical symptoms. However, if the nerve cells transplanted in such studies help to overcome existing network gaps or whether they actually replace the lost cells, remained unknown.

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Warum es auf Juist keinen Klerikalismus gibt

Bild: © KNA/Jan Schmidt-Whitley
Schwester Michaela Wachendorfer ist „Touristenseelsorgerin“ auf der ostfriesischen Insel Juist, die zum Bistum Osnabrück gehört. Sie leitet als Frau die Kirchengemeinde und ist Kirchenvorstandsvorsitzende. Und das schon seit fast zehn Jahren.

Von Wolfgang Beck | katholisch.de

Schwester Michaela Wachendorfer (60) leitet die katholische Kirchengemeinde auf der Insel Juist, die zum Bistum Osnabrück gehört. Als Kirchenvorstandsvorsitzende ist sie sich aber nicht zu schade, auch Küsterdienste zu übernehmen und den Blumenschmuck für die Kirche zu organisieren. Wie es dazu kam erzählt sie im Interview.

Frage: Schwester Michaela, viele werden sich das Leben als katholische Seelsorgerin auf einer Nordseeinsel sehr ruhig vorstellen. In einer evangelisch geprägten Region, weit abgelegen und nur mit Schiff oder Flugzeug zu erreichen. Das klingt für manche wohl nach Strafversetzung. Wie sind Sie hierher gekommen?

Wachendorfer: Ganz freiwillig und sehr gewollt! Vor fast elf Jahren suchten meine Mitschwester Gerlinde Bretz und ich einen anderen Ort für unsere Exerzitienarbeit, da wir das Haus der Stille im Harz, also im Bistum Hildesheim verlassen mussten. Wir träumten schon lange von einem Kloster am Meer, nah an dieser großartigen Natur, die der Seele hilft, sich für die wirklich wesentlichen Dinge zu öffnen! Durch einen „Zufall“ beim Frühstückstisch im Kloster Dinklage entstand ein Kontakt zum Bistum Osnabrück und dann ging es überraschend schnell. Generalvikar Theo Paul nahm sofort den Faden auf und ein Jahr später landeten wir auf Juist.

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Trump soll Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen versprochen haben

Der amerikanische Präsident Donald Trump hat laut Angaben der türkischen Regierung die Auslieferung des islamischen Predigers Fethullah Gülen versprochen.

Neue Zürcher Zeitung

Türkische Medien zitierten am Sonntag Aussenminister Mevlüt Cavusoglu mit der Aussage, Trump habe die Zusage während des G-20-Gipfels in Argentinien gemacht. Die Türkei macht Gülen für den Putschversuch vom Sommer 2016 verantwortlich.

Gülen lebt seit langem im amerikanischen Gliedstaat Pennsylvania. Das Thema ist ein zentraler Konflikt zwischen den USA und der Türkei.

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Deutschland: Asylanträge 2018 deutlich unter der „Obergrenze“

Grafik: TP
Regierungsstatistik meldet, dass es in diesem Jahr voraussichtlich 166.000 Asylanträge geben werde. Auch die Zahl der Visa für Familiennachzug bleibt in diesem Jahr noch unter den vereinbarten Grenzen

Thomas Pany | TELEPOLIS

Im Juli dieses Jahres, als die Zahl der Asylanträge bereits einen deutlichen Rückgang anzeigte, hieß es vom Chef des Innenministeriums, Horst Seehofer, dass er es für dennoch für möglich halte, dass „die im Koalitionsvertrag vereinbarte Begrenzung der Zuwanderung nicht eingehalten wird“. Es werde „zunehmend wahrscheinlich, dass der Korridor von 180.000 bis 220.000 Personen erreicht oder sogar überschritten werden könnte“, meldete seinerzeit der Bayerische Rundfunk.

Damals meldete das Innenministerium 93.316 gestellte Asylanträge. Der „Obergrenzen-Streit“ war zusammen mit dem Streit über verschärfte Regelungen bei der Zurückweisung von Migranten an der Grenze eine Belastungsprobe für die Unionsparteien in der Regierungskoalition. Mittlerweile sind die „Wahlschlachten“ geschlagen und die Kontroversen über die Migrationspolitik zwischen CDU und CSU sind abgeflaut. Seehofer stellte sich im November sogar hinter den Migrationspakt („Ich bin ein Verfechter dieses Abkommens“), der viel Gegnerschaft auch in den Unionsparteien mobilisierte.

Am heutigen Sonntag ist in vielen Medien die Nachricht zu finden, dass es im auslaufenden Jahr voraussichtlich 166.000 Asylanträge geben werde. Die Zahl, als deren Quelle die von der Bild am Sonntag eingesehene Zuwanderungsberechnung der Bundesregierung für 2018 angegeben wird, liegt um einiges unter dem „Obergrenzen-Korridor“ von 180.000 bis 220.000 Asylanträgen. Im Jahr 2017 wurden noch 198. 317 Asylanträge registriert.

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Kirche für alle im Guthrie Center: „Bring your own God“

Hier finden interreligiöse Andachten statt: Das Guthrie Center (Klaus Martin Höfer)
Der Hippie-Kultfilm „Alice’s Restaurant“ von 1969 spielt zu großen Teilen in einer ehemaligen Kirche. 12 Jahre später kaufte der Hauptdarsteller und Musiker Arlo Guthrie das Gebäude. Heute finden dort interreligiöse Andachten statt.

Von Klaus Martin Höfer | Deutschlandfunk Kultur

Neben der Kirche, direkt an der Straße, steht ein roter VW-Bus – ein Hinweis auf die Geschichte von „Alice’s Restaurant“. Mit einem roten VW-Bus, allerdings einem älteren Modell, hatten Arlo Guthrie und seine Freunde die illegale Müllentsorgung erledigt, die im Zentrum des Liedes und des Films „Alice’s Restaurant“ steht.

In einem der hohen Kirchenfenster findet sich ein weiterer Verweis auf die Geschichte, eine Huldigung an Arlos Vater Woody, die Folk-Legende: Ein Bild von Woody Guthrie mit seiner Gitarre, auf der der Spruch steht: „This machine kills fascists“ – Dieser Apparat tötet Faschisten.

An diesem Sonntagmorgen sind in der Kirche bereits etliche freiwillige Helfer aktiv. Im Eingangsbereich wird Kaffee ausgeschenkt und selbstgebackener Kuchen angeboten. Die Wände sind voll mit Fotos der Guthrie-Familie. George Laye ist der Manager und künstlerische Leiter des Guthrie Centers.

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Sexueller Missbrauch: Erzbistum Köln zeigt Ex-Priester aus Kamerun wegen Betrugs an

Symbolbild. Foto: dpa
Das Erzbistum Köln hat einen früheren Geistlichen wegen Betruges angezeigt, der vor Jahren wegen sexuellen Missbrauchs aufgefallen sein soll. Der Mann aus Kamerun soll laut Mitteilung des Generalvikariats von Sonntag bereits 2013 wegen des Missbrauchs in seinem Heimatland aus dem Priesterstand entlassen worden sein.

Kölner Stadt-Anzeiger

Dem Bistum soll er dann falsche und ungültige Dokumente vorgelegt haben und war damit vertretungsweise in der französischsprachigen Seelsorgestelle Köln-Bonn tätig geworden. Weitere Kenntnisse über die Hintergründe, die zur Entlassung aus dem Klerikerstand geführt hatten, liegen dem Bistum nach eigener Aussage nicht vor. Auch gebe es keine Hinweise auf mögliche Missbrauchsfälle in Deutschland.

Der Mythos Mondholz

Foto: AP/Mike Zacchino
Mondholz kostet rund 30 Prozent mehr als vergleichbares Holz. Eine bessere Qualität erhält man dafür nicht, aber schöne Erklärungen

Christian Kreil | Blog-derStandard.at

Erwin Thoma führt ein florierendes Bauunternehmen, es ist die Nummer Eins im Holzbau, seine Arbeiten in aller Welt sorgen für Aufsehen, er ist Autor zum Thema Holz und Wald, er predigt eine nachhaltige Bauweise und Wirtschaft glaubhaft. So einer kann sich aussuchen, wo er auftritt, spricht und philosophiert: Thoma hat sich im Jahr 2017 die „Anti-Zensur-Konferenz“ des Schweizer Sektengurus Ivo Sasek ausgesucht. Bei der Veranstaltung sprachen vor Thoma: Hagen Grell, ein publizistischer Aktivist, der sich für Angelegenheiten der AfD und rechts der AfD stark macht und Heiko Schrang, der in seinen Publikationen schon mal an der deutschen Kriegsschuld zweifelt und behände von der Verschwörung jüdischer Bankiers und der „Illuminaten“ auf dem Weg zur Weltherrschaft schwadroniert. Dieses Milieu muss man mögen.

Das Mondholz, ein Geheimnis das Thoma mit allen teilt

Thoma mag in erster Linie die Bäume und den Wald. „Die geheime Sprache der Bäume“ lautet das Referat und ein Buch Thomas. Der Unternehmer unterhält das Publikum mit der Attitüde des Naturburschen, die etwas gekünstelt wirkt. Die Photosynthese erklärt er dem Publikum, als würde ein Waldbauernbub Märchen vorlesen: „Diese Luft ist die Nahrung des Baumes.“ Bäume hätten „die größte Lebenserfindung gemacht, die es auf Erden gibt, nämlich: die grüne Farbe.“

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Bergamo: Erbitterter Streit um einen Tempel

Bild: © dpa/Alvise Armellini
Im norditalienischen Bergamo macht ein „Anti-Moscheen“-Gesetz der rechten Lega die Neueinrichtung nicht-katholischer Gotteshäuser so gut wie unmöglich. Jetzt ersteigerte der Verband der Muslime kurzerhand eine Kirche in der Stadt und sorgt damit für viel Ärger.

Von Alvise Armellini | katholisch.de

Der Verkauf einer leerstehenden Kirche hat in der norditalienischen Stadt Bergamo einen kleinen Religionskonflikt ausgelöst – angestachelt von der rechten Lega. Der Streit begann im Oktober, als eine Gesundheitsbehörde die ehemalige katholische Krankenhauskapelle zur Versteigerung ausschrieb. Der Verkäufer ging davon aus, dass sich die örtliche Rumänisch-Orthodoxe Gemeinde das Gebäude sichern würde. Sie nutzte die Kirche bereits seit drei Jahren als Leihgabe. „Als wir im August 2015 hierher zogen, hieß es, ‚Keine Sorge, in der Zukunft werdet ihr die Kirche direkt kaufen können'“, sagte Priester Gheorghe Velescu der Deutschen Presse-Agentur (dpa).

Aber es lief nicht alles nach Plan: Im letzten Moment schnappte der Verband der Muslime in Bergamo der Rumänisch-Orthodoxen Gemeinde das Gebäude für rund 450.000 Euro vor der Nase weg. Der Verkauf schockierte nicht nur die Rumänen. Die Vorstellung, die kleine katholische Kirche in der vornehmen Stadt am Alpenrand könne zu einer Moschee umfunktioniert werden, galt Kritikern als Beweis einer muslimischen „Invasion“.

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