Wie hält der Staat es mit den Religionen?


Brachte in der Bayerischen Staatskanzlei ein Holzkreuz an: CSU-Politiker Markus Söder (Peter Kneffel/dpa)
Die Zahl der Christen in Deutschland sinkt. Aber viele Gesetze stammen noch aus den 1950er-Jahren, als 96 Prozent der Deutschen einer christlichen Kirche angehörten. Sind sie noch zeitgemäß? Ein Gespräch mit dem Politikwissenschaftler Ulrich Willems.

Ulrich Willems im Gespräch mit Christopher Ricke | Deutschlandfunk Kultur

Christopher Ricke: Die Vielfalt der Religionen ist unser Thema heute Nachmittag. Politisch ist diese Vielfalt in Deutschland eher schlecht abgebildet. Das könnte ein Problem sein. Unsere gesetzlichen Grundlagen sind Jahrzehnte alt, damals waren 96 Prozent der Deutschen Christen. Ich habe mit Ulrich Willems gesprochen. Der Politikprofessor an der Uni Münster ist der der Herausgeber des Buchs „Religionspolitik heute“. Herr Willems, die Religionsfreiheit steht in der Verfassung, ganz aktuell der Koalitionsvertrag, Zitat: „Auf Basis der christlichen Prägung unseres Landes setzen wir uns für ein gleichberechtigtes gesellschaftliches Miteinander in Vielfalt ein.“ Warum reicht das nicht als Update für das 21. Jahrhundert?

Ulrich Willems: Das reicht deshalb nicht, weil wie Sie ja in Ihrer Anmoderation schon erwähnt haben, wir eine sehr deutliche Veränderung der religiösen Landschaft haben. Sie haben die Zahlen erwähnt aus den 50er-Jahren, über 96 Prozent waren Mitglied der beiden großen christlichen Kirchen. Man könnte also von einer religiös homogenen Gesellschaft sprechen. Heute sind weit über ein Drittel der Bürgerinnen und Bürger in der Bundesrepublik konfessionslos, die Muslime bilden mit 5 Prozent die größte Minderheitsreligion. Und das Problem besteht darin, dass zum einen viele der Regeln, die wir haben, eben auf die Situation einer religiös homogenen Gesellschaft zugeschnitten sind. Aber das ist es nicht allein.

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