Aguzzi kämpfte erfolgreich gegen den Rinderwahnsinn, doch nun steht er mit Tierschützern im Clinch


In den 1990er Jahren gab es auch in der Schweiz Fälle von Rinderwahnsinn. Diese infizierte Kuh musste im Februar 1997 geschlachtet werden. (Bild: Sigi Tischler / Keystone)
Mit seinem Team hat der Zürcher Wissenschafter Adriano Aguzzi bahnbrechende Erkenntnisse über neurologische Erkrankungen gewonnen. Doch die überbordende Regulierung verhindere heute innovative Forschung, klagt er. Und er ist mit dieser Meinung nicht alleine.

Jan Hudec | Neue Zürcher Zeitung

Es ist Mitte der 1990er Jahre. In Schweizer Wohnzimmern flimmern Bilder von taumelnden Rindern über die Fernsehbildschirme, die BSE-Krise ist auf ihrem Höhepunkt. Und als bekanntwird, dass in Grossbritannien vermehrt junge Menschen an der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit sterben, breitet sich Angst aus. Denn Wissenschafter gehen davon aus, dass sich diese Personen mit verseuchtem Rindfleisch infiziert haben. Die Rindfleischverkäufe brechen auch in der Schweiz ein. Doch noch versteht niemand, wie die sogenannten Prionen, die nichts anderes als eine Form von Proteinen sind, aus der Nahrung überhaupt ins Gehirn gelangen können.

Adriano Aguzzi ist damals Mitte 30. Der junge Forscher hat sich schon vor längerem auf Prionen spezialisiert und wird 1997 Direktor und Lehrstuhlinhaber des Instituts für Neuropathologie an der Universität Zürich. Mit seinem Team hat er in den letzten 25 Jahren bahnbrechende Entdeckungen gemacht. «Unsere Arbeit hat massgeblich dazu beigetragen, dass es heute keinen Rinderwahnsinn mehr gibt», sagt Aguzzi. Doch noch immer sind viele Fragen offen. «Für mich ist der Weg erst zu Ende, wenn wir eine Therapie haben.» Aguzzi hofft, die Erkenntnisse dereinst auch für die Behandlung von Parkinson und Alzheimer nutzen zu können, denn diese sind der Prionenkrankheit in vielem ähnlich.

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